Rems-Murr-Sport

Handball-Spiele schon ab Februar? Rems-Murr-Clubs melden Zweifel an

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Wann dürfen die Handballer, hier Robin Schuster vom TSV Alfdorf/Lorch, endlich wieder spielen? Das steht auch nach dem Verbandstag keineswegs fest. © Ralph Steinemann

Endlich gibt es eine Entscheidung, wie es mit dem Spielbetrieb im Handball-Verband Württemberg und in den Oberligen weitergehen soll. Laut Plan wird insgesamt nur eine Halbserie ausgetragen. Allerdings ist es angesichts der hohen Corona-Fallzahlen noch nicht mal sicher, wann die Mannschaften wieder zum Training in die Hallen zurückkehren dürfen. Und es gibt weitere Unwägbarkeiten.

Überrascht hat das Ergebnis des diesmal mit Hilfe einer Video-Plattform veranstalteten Verbandstags nicht. Mit 98 Jastimmen bei nur neun Enthaltungen und 15 Gegenstimmen votierten die Delegierten am Samstag für den vom HVW präferierten Vorschlag. Frühestens vom Wochenende, 6./7. Februar, an soll es weitergehen mit dem Spielbetrieb.

Die ersten Spieltage werden auch gewertet

Die Runde wird auf eine Halbserie verkürzt, so dass die Mannschaften am Ende, möglich sind Begegnungen bis in den späten Juni hinein, nur einmal gegen jeden Gegner angetreten sind. Mitgewertet werden die drei bereits im Oktober ausgetragenen Spieltage. Die entsprechenden fürs kommende Jahr geplanten Rückspiele entfallen.

Diese Regelung gilt aber nur für die Aktiven. Bei der Jugend wird der Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung beendet. Somit gibt es keine Meisterschafts- und Abstiegsentscheidungen. Nur noch Freundschaftsspiele sind möglich. Dafür wird der Start der Qualifikation für die kommende Runde von Mai auf den 22.und 23. März vorgezogen. Letzteres „versteht niemand“, bemängelt Britta Volz, Sportliche Leiterin bei den Frauen der SV Hohenacker-Neustadt. Doch auch was den Beschluss für die Aktiven betrifft, gibt es kritische Stimmen.

Der Alfdorfer Trainer stellt den Ligaspielbetrieb infrage

Zwar tragen ihn die Vereine mit. „Das ist die fairste Lösung“, sagt etwa Volz. Der Teufel steckt jedoch im Detail. Das findet Pascal Morgant, hauptamtlicher Trainer der Württembergliga-Handballer des TSV Alfdorf/Lorch. Um seine Mannschaft macht er sich keine Sorgen, obwohl nun deren drei Auftaktpleiten gewertet werden. Das Team, als Titelkandidat gestartet, habe genügend Qualität, um in den verbleibenden zehn Partien ohne zittern zu müssen den Klassenverbleib zu sichern.

Das indes spiele jetzt nur eine untergeordnete Rolle. „Was mich stört, ist, dass alles nicht wirklich durchdacht ist. Es ist grundsätzlich zu bezweifeln, dass der normale Spielbetrieb aufrechterhalten werden kann. Sinnvoller wäre die Diskussion gewesen: Macht eine Saison 2020/21 überhaupt Sinn?“

Denn wann die Hallen wieder geöffnet werden, darauf weist auch Britta Volz hin, steht noch nicht fest. Nur die größten Optimisten rechnen damit, dass Anfang Januar wieder Training möglich sein wird. Nach Morgants Meinung wäre aber schon dieser Zeitpunkt zu spät, um die Spieler wieder so auf Vordermann zu bringen, dass die Verletzungsgefahr gebannt ist. „Wir haben ja jetzt im November und im Dezember eine zweimonatige Komplettpause.“ Auch die Krafträume sind zu. Und man könne von Spielern auf Amateurebene nicht verlangen, dass sie im Winter abends nach der Arbeit noch ausgedehnte Waldläufe machen.

Arbeitgeber machen Amateur-Handballern Druck

Mindestens acht Wochen Vorbereitungszeit veranschlagt Morgant, „bis bei den Mannschaften die Grundlagen wieder erarbeitet sind“. Erst dann könne die Saison mit halbwegs gutem Gewissen wieder gestartet werden. Aber wie? Vor leeren Rängen? Und was ist mit den Spielern?

Laut Morgant sind bei den Alfdorfern manche schon aus beruflichen Gründen aus der Mannschaft genommen worden. Dass es Arbeitgeber gibt, die wenig begeistert sind, wenn Angestellte während der Corona-Zeit Handball spielen und sich möglicherweise in Infektionsgefahr begeben, ist bekannt.

Den Spielbetrieb für diese Saison komplett abzublasen hielte Morgant allerdings für fatal, den Schaden für Vereine und Sportart etwa aufgrund der Abwanderung von Sponsoren für zu groß. Was also tun? Der Alfdorfer Coach würde sich einen Plan B wünschen, beispielsweise einen HVW-Pokal innerhalb eines begrenzten Zeitraums und eine Entscheidung über Auf- und Abstiege „in Turnierform“.

Die Qualen des Teams der SG Weinstadt II gehen weiter

Sorgen macht sich auch Rolf Fuchs, Coach der in die Landesliga aufgestiegenen Männer der SG Weinstadt II. Zwar geht er nicht so weit wie Morgant und wäre schon mit vier Wochen Training vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs einverstanden. Die Lage für seine eigene Mannschaft hält er aber unabhängig davon für „bescheiden“.

Die SG IIhat wegen des für sie kuriosen Spielplans noch keine einzige Begegnung in der neuen Liga absolviert. Nun, nach dem Verbandstagsbeschluss, steht fest, dass auch die Partien im Januar abgesetzt und ans Ende der Saison gehängt werden. Und weil die Weinstädter regulär fast den kompletten Februar über frei hätten, „würden wir erst am 20.2. zum ersten Mal spielen“.

Die SG II muss ihre Hoffnung auf eine Neujustierung des Spielplans durch den HVW setzen. Denn bliebe alles beim Alten, wäre die Mannschaft ein heißer Anwärter auf den Titel: Traurigster Aufsteiger des Jahrzehnts.

Endlich gibt es eine Entscheidung, wie es mit dem Spielbetrieb im Handball-Verband Württemberg und in den Oberligen weitergehen soll. Laut Plan wird insgesamt nur eine Halbserie ausgetragen. Allerdings ist es angesichts der hohen Corona-Fallzahlen noch nicht mal sicher, wann die Mannschaften wieder zum Training in die Hallen zurückkehren dürfen. Und es gibt weitere Unwägbarkeiten.

Überrascht hat das Ergebnis des diesmal mit Hilfe einer Video-Plattform veranstalteten Verbandstags

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