Handball im Rems-Murr-Kreis

Handballer unterstützen Mukoviszidose-Verein und ihren erkrankten Statistiker Luiz Henseling

Henseling
Vor drei Jahren bekam Luiz Henseling eine Spenderlunge, mittlerweile geht’s ihm den Umständen entsprechend ordentlich. Er kann sogar wieder mit dem Fahrrad unterwegs sein. © Privat

(pm/twa). Luiz Henseling ist ein bekannter junger Mann in der Rems-Murr-Handball-Szene. Der 24-Jährige kümmert sich bei den Spielen der SV Remshalden, des VfL Waiblingen und des TVB Stuttgart um die Statistiken. Dieser Tage rückt der Remshaldener noch ein bisschen stärker in den Fokus: Er ist Mitorganisator der Laufveranstaltung „Ditzinger Lebenslauf“, bei der Spenden gesammelt werden für den Mukoviszidose-Verein. Luiz Henseling kämpft selbst mit der Krankheit, er lebt seit drei Jahren mit einer Spenderlunge. Viele Handball-Abteilungen aus dem Kreis unterstützen ihren Zahlen-Experten – unter anderem die SV Remshalden und der VfL Waiblingen.

Lungentransplantation vor drei Jahren

In Deutschland leben rund 8000 Patienten mit der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Bei Luiz Henseling war sie drei Monate nach seiner Geburt festgestellt worden. Im Alter von zwölf Jahren lag seine Lungenfunktion bereits nur noch bei 30 bis 40 Prozent. Luiz Henselings Gesundheitszustand verschlechterte sich mit den Jahren, 2018 wurde eine Lungentransplantation notwendig. Durch diese Organspende gewann er viel Lebensqualität und Lebensjahre zurück. „Seit einem Jahr bin ich sehr stabil und kann fast ein normales Leben führen“, sagt Luiz Henseling im Interview, das Fridger Koltermann von der SV Remshalden mit ihm geführt hat.

Luiz Henseling erstellt Statistiken für mehrere Rems-Murr-Teams

Seit 1999 gibt es den Ditzinger Lebenslauf, den Luiz Henselings Vater mitgegründet hat. Mit sechs Jahren war Luiz selbst zum ersten Mal am Start, nebenbei übte er alle möglichen anderen Sportarten aus. Unter anderem spielte er seit den Minis Handball bei der SV Remshalden. Als seine Krankheit den Sport nicht mehr in dem Maße zuließ, blieb Luiz Henseling dem Handball treu. Eine der Leidenschaften des Mathematik-Studenten sind die Zahlen. Was lag also näher, als sich um Statistiken zu kümmern?

Vor acht Jahren begann er bei der SV Remshalden, Statistiken rund ums Spiel zu erstellen, und stellte sie den Trainern zur Weiterverarbeitung zur Verfügung. Mittlerweile kümmert sich Luiz Henseling auch beim VfL Waiblingen und TVB Stuttgart um die Datenerfassung.

Die Krankheit bekommt ein Gesicht

Die Teilnahme am 23. Ditzinger Lebenslauf bietet nun den Vereinen die Gelegenheit, sich in gewisser Weise zu revanchieren. So nimmt die Handball-Abteilung der SV Remshalden gemeinsam an der Challenge teil und sammelt Spenden für den guten Zweck. Seit Mittwoch läuft die Aktion, sie endet am kommenden Sonntag. Normalerweise findet die Veranstaltung am ersten April-Wochenende an der Ditzinger Glemsaue statt, wegen der Corona-Pandemie nun jedoch zum zweiten Mal interaktiv und dezentral. Ziel ist es, so viele Kilometer wie möglich zurückzulegen – entweder in Laufschuhen, mit dem Rad, im Schwimmbecken oder mit den Inlinern. Die Sponsoren können entweder eine fixe Summe oder einen bestimmten Betrag für jeden gelaufenen Kilometer spenden. Zusätzlich kann sich jeder Teilnehmer auch privat um Sponsoren für die eigenen erlaufenen Kilometer kümmern.

Kurzerhand entschlossen, Luiz Henseling und die Aktion zu unterstützen, hat sich die Frauenmannschaft des VfL Waiblingen II. „Wir haben uns am vergangenen Mittwoch entschieden, mitzumachen – am ersten Tag, an dem gelaufen wurde“, sagt Harald Beilschmied, Trainer des VfL II. Beilschmied lud Luiz Henseling am selben Tag zum virtuellen Team-Meeting ein. „Er stellte uns die Aktion vor, und die Mädels fanden das gleich cool“, so Beilschmied. „Wir unterstützen die Organisation und zugleich Luiz, zu dem wir einen Bezug haben. Damit bekommt die Krankheit ein Gesicht.“

Der VfL Waiblingen unterstützt die Aktion mit vier Mannschaften

Beilschmied und seine Frauen übernahmen die Organisation und verteilten unverzüglich die Aufgaben: Anmeldung, Datensammlung, Marketing, Sponsorensuche. Der Trainer selbst war am nächsten Tag der Erste, der Kilometer sammelte. Außer Beilschmieds Team beteiligen sich auch die dritte Frauen- sowie die erste und zweite Männermannschaft des VfL an der Aktion. „In Zeiten, in denen man sich nicht so oft sieht, kann ein virtuelles Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen“, sagt Beilschmied – und hofft auf einen weiteren Effekt.

Der gesamte Fokus liege seit Monaten auf den Sportarten und Mannschaften, die im Einsatz sein dürften. „Der Amateursport muss dringend mal wieder ein bisschen Aufmerksamkeit kriegen, sonst geht er unter. „Wir möchten mit dieser Aktion auch ein Zeichen setzen, dass wir noch da sind.“

Der Kampf um die Rückkehr in die Hallen

Jeder Verein habe zig andere Mannschaften, die im semiprofessionellen Umfeld spielten, und Jugendmannschaften, die wieder aktiv werden wollten. Alle hätten Konzepte und wären „jederzeit bereit“, sich testen zu lassen. „Alle haben Verständnis für die Vorsichtsmaßnahmen. Aber man muss auch verstehen, dass die Geduld zum Teil erschöpft ist. Wir möchten alle endlich wieder zurück in die Hallen und spielen.“

Sollte die Politik keine Lösungen finden, „dann wird es sehr schwierig, die Motivation für den Sport aufrechtzuerhalten“. Wie die Rückkehr – mit einem entsprechenden Konzept – funktionieren könne, sei in seinem Heimatland zu sehen. „Da spielt die komplette Jugend seit Monaten durch“, sagt der Österreicher.

Wie die SV Remshalden und der VfL Waiblingen, so beteiligen sich auch die Sportfreunde Schwaikheim mit ihrer ersten, zweiten und dritten Frauenmannschaft sowie eine ganze Reihe weiterer Rems-Murr-Teams an der Wohltätigkeitsveranstaltung. „Wir stehen in engem Kontakt mit der SV Remshalden“, sagt Manuel Schmidt, Trainer der SF II. „Es war klar, dass wir da mitmachen. Fast jeder kennt ja Luiz.“ Zudem spendeten die SF jedes Jahr Geld für Projekte dieser Art. Überdies könne die Aktion eine Plattform sein, sich wieder in Erinnerung zu rufen, „damit der Handball unterhalb der Profi-Ligen nicht untergeht“.

Info

Auf der Homepage der SV Remshalden (www.sv-remshalden-handball.de) gibt’s alle Informationen rund um die Aktion und auch ein Video-Interview mit Luiz Henseling.

(pm/twa). Luiz Henseling ist ein bekannter junger Mann in der Rems-Murr-Handball-Szene. Der 24-Jährige kümmert sich bei den Spielen der SV Remshalden, des VfL Waiblingen und des TVB Stuttgart um die Statistiken. Dieser Tage rückt der Remshaldener noch ein bisschen stärker in den Fokus: Er ist Mitorganisator der Laufveranstaltung „Ditzinger Lebenslauf“, bei der Spenden gesammelt werden für den Mukoviszidose-Verein. Luiz Henseling kämpft selbst mit der Krankheit, er lebt seit drei Jahren mit

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