Aufreger im Trainingslager

Jetzt auch noch Corona: Auf Schalke läuft vieles schief

Schalke-Trainingslager
Der FC Schalke 04 ist derzeit in Österreich im Trainingslager. Foto: Tim Rehbein/dpa © Tim Rehbein

Längenfeld/Österreich (dpa) - Die Alpen-Idylle trügt. Ein Corona-Fall hat den Trainingsbetrieb des FC Schalke 04 mitten in der wichtigsten Phase der ohnehin schwierigen Saisonvorbereitung empfindlich gestört.

Rot-weißes Flatterband riegelte den rund 500 Meter vom noblen Quartier «Hotel Aqua Dome» gelegenen Trainingsplatz im österreichischen Wintersportörtchen Längenfeld bis Dienstagmorgen ab, ehe es nach einer zusätzlichen Testreihe eine erste Entwarnung gab. Weitere Covid-19-Infektionen sind beim Fußball-Bundesligisten nicht mehr nachgewiesen worden. Sportvorstand Jochen Schneider sprach von einer «neuen Normalität».

«Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben», sagte der 49-Jährige am Dienstag auf der Terrasse vor dem Mannschaftsquartier der Deutschen Presse-Agentur. Der Verein habe das Hygienekonzept «zu einhundert Prozent» umgesetzt, versicherte Schneider. «Deswegen können wir weitermachen und setzen die Vorbereitung mit der gleichen positiven Energie fort wie auch in den vergangenen Tagen schon.» Am Mittwoch soll es die nächste Testreihe geben. Anspannung oder Stress angesichts des positiven Testergebnisses ließ Schneider nicht erkennen.

Gegen 10.15 Uhr durfte die dezimierte Mannschaft von Trainer David Wagner am Dienstag unter verschärften Sicherheitsbestimmungen und Corona-Schutzmaßnahmen zur ersten von zwei vorgesehenen Einheiten wieder auf den Rasen. Immerhin wurden die Spieler von einem blauen Himmel und Sonnenschein empfangen. Nicht mit dabei waren der nicht namentlich genannte Betroffene und die sogenannte Kontaktgruppe 1.

Bei der Übungseinheit am Morgen fehlte der Österreicher Alessandro Schöpf, der auch in dem von ÖFB-Teamchef Franco Foda benannten Kader für die Länderspiele gegen Norwegen und Rumänien nicht auftauchte. «Schöpfi hat mich angerufen und gesagt, dass er für die Länderspiele nicht zur Verfügung steht», sagte Foda ohne Angabe von Gründen.

Dass es sich bei dem Profi um den Betroffenen handelte, bestätigte Schneider auf Nachfrage nicht. «Wir werden jetzt und in Zukunft keine Angaben zur betroffenen Person machen», betonte Schneider. Der Betroffene sei beschwerdefrei. «Das ist jetzt bei uns der erste Fall bei all den Monaten. Von daher muss man schon sagen, dass die Spieler sehr diszipliniert mit der Situation umgehen», sagte er.

Auch Schöpfs Landsmann Guido Burgstaller, die Torhüter Markus Schubert und Michael Langer, Benito Raman und Weston McKennie (Belastungssteuerung) waren nicht beim Schalker Training dabei. Von den Langzeitverletzten Omar Mascarell und Salif Sané war nur der senegalesische Abwehrspieler Sané zu sehen.

Zuschauer wie in den ersten Tagen waren nicht zugelassen. Medienvertreter durften das Training nur mit einer Mund-Nase-Bedeckung verfolgen, mussten Abstand halten und von einer kleinen Tribüne aus zuschauen. Kontakte zu Spielern oder Delegationsmitgliedern waren zunächst untersagt.

Bis Dienstagmorgen hatten die Profis des gebeutelten Revierclubs isoliert von den übrigen Gästen der Tiroler Wellness-Therme in ihren Suiten festgesessen. Das Essen wurde ihnen auf die Zimmer gebracht. Als am Montag bekannt wurde, dass «im Umfeld der Lizenzspielerabteilung» eine Person positiv auf das Coronavirus getestet worden war, befand sich diese bereits in Quarantäne. Erste Symptome der Erkrankung soll es schon am Sonntag gegeben haben.

Auch ohne den Infektionsfall ist die Lage bei den Königsblauen, die in der Rückrunde 16 Spiele nacheinander nicht gewannen, unerfreulich. Nach zwei Testspiel-Pleiten gegen die Drittligisten SC Verl (4:5) und KFC Uerdingen (1:3) rumort es im Umfeld schon wieder. Ein Zugang für den Kader ist nicht in Sicht. Ob an den Spekulationen über eine geplante Rückholaktion des vor Jahren zum FC Arsenal abgewanderten Sead Kolasinac etwas dran ist, ist offen. Medienberichten zufolge soll der 27 Jahre alte Linksverteidiger ausgeliehen werden.

Wegen der katastrophalen Finanzlage sind Kaderplaner Michael Reschke und Sportvorstand Jochen Schneider die Hände gebunden. Das Team besteht aus einer unheilvollen Mischung von zuvor aussortierten und verliehenen Profis wie Sebastian Rudy und Mark Uth, die lieber bei ihren früheren Clubs geblieben wären, den Rückkehrern Ralf Fährmann und Nabil Bentaleb sowie dem wechselwilligen Weston McKennie. Der US-Boy sieht seine Zukunft nach dem geplatzten Transfer zu Hertha BSC in England und würde Schalke eine erkleckliche Ablöse bringen. Bevor aber nicht der erste Stein fällt, bleibt die Lage auf dem Markt auch wegen der selbst auferlegten Gehaltsobergrenze verzwickt.

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