Champions League

«Kein One-Hit-Wonder»: Nagelsmann sieht RB-Reife

Julian Nagelsmann
Steht mit Leipzig erneut in der K.o.-Runde der Königsklasse: RB-Coach Julian Nagelsmann. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa © Jan Woitas

Leipzig (dpa) - Der sonst eher introvertierte Peter Gulacsi tanzte in der Kabine ausgelassen auf dem Tisch, Julian Nagelsmann wurde von seinen feiernden Jungs mit Kaltgetränken begossen.

Die denkwürdige Nacht mit dem Königsklassen-Knockout für Manchester United war zugleich ein Sinnbild für den Reifeprozess von RB Leipzig. «Es sind außergewöhnliche Leistungen, die die Jungs da auf dem Platz bringen. Als Trainer bleibt dir nur, den Wunsch zu äußern, dass es auf diese Art und Weise weiter geht», sagte Nagelsmann nach dem 3:2-Sieg im Gruppenendspiel gegen die Red Devils.

Nach dem starken 3:3 beim FC Bayern schalteten die Leipziger nun sogar den englischen Rekordmeister aus. Mit Blick auf die nächste Bundesliga-Aufgabe am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Werder Bremen meinte der 33-jährige Cheftrainer: «Ich finde schon, dass wir gereift sind gegenüber letztem Jahr. Das ist vielleicht der Vergleich, den man ziehen kann. Dass wir auch aktuell in der Liga gegen vermeintlich etwas schwächere Teams noch keine Federn gelassen haben, was letztes Jahr ein paar Mal passiert ist.» Zwar könne das «auch mal passieren, aber da sind wir schon gereift. Die Jungs sind gierig, nach wie vor gierig. Die Jungs glauben an sich, haben eine Topmentalität, marschieren bis zum Ende, sind Maschinen».

Auch Rückschläge wie den umstrittenen Elfmeter (80.), der die späte Aufholjagd der Briten einleitete, steckten Sabitzer und Co. weg. «Psychologisch war es nach den beiden Gegentoren sicherlich nicht einfach. Trotzdem stabil dagegenzuhalten, dass ist auf jeden Fall ein Reifeprozess, deswegen sind sie auch verdient zum wiederholten Mal in der K.o.-Phase», meinte Nagelsmann, dessen Matchplan mal wieder voll aufging. Nach Angeliños Blitztor nach 109 Sekunden trafen Amadou Haidara (13.) und Justin Kluivert (69.) zur 3:0-Führung. In der Schlussphase hielt dann Gulacsi mit starken Paraden den Sieg fest.

Ein Sonderlob bekam neben Blitztorschütze Angeliño der für den gelbgesperrten Abwehrchef Dayot Upamecano in die Startelf gerückte Willi Orban. «Ich habe ihn in der Kabine nochmal gedrückt und ihm gesagt, dass es ein außergewöhnlich gutes Spiel von ihm war», meinte Nagelsmann und fügte an: «Willi hat unglaublich gut verteidigt gegen die schnellen Pfeile der Engländer. Er war in der Luft stark, am Boden stark, auch die Spieleröffnung war gut. Das ist ein Vollprofi.»

Trotz verringerter Spielzeiten habe der ungarische Nationalspieler «einen ganz feinen Charakter». Er stelle sich auch mal hinten an und ist da, wenn er gebraucht wird. Orban sah dagegen noch Verbesserungsbedarf: «Am Ende hat man gesehen, dass wir noch nicht so abgezockt sind, doch wir machen Schritte.» Zugleich sprach er nach dem Achtelfinal-Einzug von einem «klaren Ausrufezeichen, es war keine Eintagsfliege».

So sieht es auch Nagelsmann. «Der Sieg ist sehr bedeutend für die Jungs, dass sie einfach realisieren, dass es kein One-Hit-Wonder war letzte Saison», meinte er und dachte zugleich an den Entwicklungsprozess seiner noch jungen Mannschaft: «Das ist wichtig, um Spieler an den Club zu binden, auch wichtig um neue Spieler zu finden.» Immerhin nahm RB mit dem Sieg im Gruppenendspiel und dem Erreichen des Achtelfinals 12,2 Millionen Euro Extra-Bonus ein.

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