Grand-Slam-Turnier

Kerber-Zauber in Wimbledon - Kein Viertelfinale für Zverev

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Angelique Kerber erreichte in zwei Sätze das Viertelfinale. Foto: Adam Davy/PA Wire/dpa © Adam Davy
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Alexander Zverev verpasste wieder das Viertelfinale. Foto: Steven Paston/PA Wire/dpa © Steven Paston

London (dpa) - Der Zauber von Wimbledon lässt Angelique Kerber plötzlich wieder ihr bestes Tennis spielen und hat ihr mit dem Viertelfinal-Einzug den schönsten Moment seit langer Zeit beschert.

Für Alexander Zverev liegt über dem Rasen-Klassiker von London dagegen eher ein Fluch. Der 24 Jahre alte Hamburger muss dort weiter auf sein erstes Viertelfinale warten.

Kerber gewann das Generationenduell gegen US-Teenager Coco Gauff in London überraschend glatt 6:4, 6:4. Damit steht die 33 Jahre alte Wimbledonsiegerin von 2018 erstmals seitdem wieder unter den besten acht Spielerinnen eines Grand-Slam-Turniers. Zverev holte zwar einen 0:2-Satzrückstand auf, unterlag aber dem Kanadier Felix Auger-Aliassime 4:6, 6:7 (6:8), 6:3, 6:3, 4:6. «Ich habe ihm viele Geschenke gemacht in ziemlich wichtigen Momenten», resümierte Zverev, der 20 Doppelfehler aufschlug und schnell weg wollte vom Platz Nummer eins.

Kerbers «magischer Platz»

Ganz anders Kerber. «Ich genieße meine Zeit hier, es macht so einen Spaß, vor Euch zu spielen», sagte sie nach der Partie zu den Fans auf dem Centre Court und betonte: «Das ist so ein magischer Platz für mich.» Die einstige Nummer eins der Welt nutzte gegen Gauff nach 1:16 Stunden den ersten Matchball. Die 17-Jährige hatte zuletzt bei den French Open das Viertelfinale erreicht.

Kerber trifft im Viertelfinale an diesem Dienstag auf die diesjährige Australian-Open-Halbfinalistin Karolina Muchova aus Tschechien, die bisherigen beiden Vergleiche gegen die 24-Jährige hat sie gewonnen. Allerdings erwartet Kerber ein schwieriges Match gegen Muchova. «Es wird wieder ein harter Kampf, aber ich werde mich mehr auf mein Spiel konzentrieren. Ich schaue nicht zu weit voraus und bleibe im Moment», sagte sie zu ihren Chancen im Turnier.

Auf dem Centre Court war Kerber nach den erfolgreichen vergangenen beiden Wochen mit dem Sieg bei ihrem Turnier in Bad Homburg das gestiegene Selbstbewusstsein deutlich anzumerken. Kerber war im ersten Duell mit Gauff sofort im Match, die letzte noch verbliebene aktive Wimbledonsiegerin im Feld hielt dann auch als erste Spielerin ihr Service zum 4:2. Mit einer Linkshänder-Vorhand gegen die Laufrichtung machte Kerber den Gewinn des ersten Satzes perfekt.

Ass bringt den Sieg

Ein sofortiges Break im zweiten Satz vermied die voll auf Offensive ausgerichtete Gauff, doch im nächsten Anlauf gelang es Kerber, sich erneut den Vorteil zu holen. Die im ersten halben Jahr vergeblich nach ihrer Form suchende Weltranglisten-28. glaubte an ihre Chance und brachte mit einem Ass den so nicht erwarteten Erfolg ins Ziel.

Der bislang so starke Aufschlag bereitete Zverev in seinem Match gegen Auger-Aliassime auf dem Platz Nummer eins nach längerer Zeit wieder einmal enorme Probleme. «Ich habe das Match verloren wegen meinem Aufschlag», sagte die deutsche Nummer eins.

Allein acht Doppelfehler unterliefen Zverev im ersten Satz, den er nach einer 4:2-Führung noch abgab. Ähnliches passierte im zweiten Satz gegen den 20-jährigen Auger-Aliassime, den Zverev in den bisherigen drei Vergleichen glatt besiegt hatte. Einen Satzball im Tiebreak wehrte Auger-Aliassime mit etwas Glück ab. Zverev hechtete vergeblich dem Ball des Weltranglisten-19. nach und lag wenig später mit 0:2-Sätzen hinten.

Bei einer 2:1-Führung im dritten Satz rutschte Zverev böse weg, als er an der Grundlinie einen Ball erlaufen wollte. Er blieb liegen und fasste sich ans rechte Knie, konnte aber weitermachen und rettete sich tatsächlich in den fünften Satz, wo ihn der schon 18. Doppelfehler gleich ein Break kostete. Mit Mühe verhinderte der Weltranglisten-Sechste nach einer kurzen Regenpause nun unter dem Dach das 0:3 und ging stattdessen 3:2 in Führung. Doch die Konstanz beim Service fehlte, nach 4:01 Stunden jubelte Auger-Aliassime. «Von solchen Momenten träumt man als Kind. Ich bin ein normaler Junge aus Montreal/Kanada, das ist auf jeden Fall der beste Sieg in meinem Leben», sagte er gerührt.

© dpa-infocom, dpa:210705-99-269410/5