Bayern-Sieg gegen Hoffenheim

Löw schweigt zu Müller - «Saubere Lösung» bei Boateng

Thomas Müller
Unterstrich auch gegen Hoffenheim seine bestechende Form: Bayern-Urgestein Thomas Müller. Foto: Sven Hoppe/dpa © Sven Hoppe

München (dpa) - Warm eingepackt mit einer dicken Decke auf dem Schoß erlebte der mit einer FFP2-Maske geschützte Joachim Löw zwei seiner aussortierten Weltmeister in Hauptrollen.

Seinen langjährigen Assistenten Hansi Flick stimmten die Tore von Thomas Müller und Jérôme Boateng beim 4:1 (2:1) ihres FC Bayern gegen die TSG 1899 Hoffenheim am Tag des Bundestrainer-Besuches allemal zufrieden. «Ich will mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und sagen, das war geplant. Wir freuen uns einfach, dass Jérôme nach langer Zeit wieder mal ein Tor gemacht hat», sagte der Bayern-Trainer. «Thomas hat in den letzten Wochen öfters getroffen und seine Form beibehalten.»

Ob der nächste starke Müller-Auftritt und das erste Boateng-Tor seit drei Jahren die EM-Chancen der beiden beeinflussen, weiß nur Löw. «Da gibt es nichts zu sagen - jetzt!», wiegelte der Bundestrainer bei der brisanten Müller-Personalie ab. Bayern-Vorstand Oliver Kahn hielt es am Tag darauf nicht für notwendig, für eine Nationalelfrückkehr der zwei Stars bei seinem 90-minütigem TV-Auftritt zu werben.

Der 51-Jährige gestand bei «Sky90» aber, wie sehr ihm die Generation um Noch-Nationalspieler Manuel Neuer und Ex-Nationalspieler Müller imponiere, da sie «scheinbar nie zufrieden ist und immer den nächsten Titel holen will». Bei «Leader» Boateng kündigte Kahn zeitnah Gespräche über eine Verlängerung des im Sommers auslaufenden Vertrages an. «Und dann werden wir eine saubere Lösung finden», versicherte Kahn. Eine Saison von Boateng an der Seite des von den Bayern öffentlich umworbenen Leipziger Abwehrchefs Dayot Upamecano ist gut vorstellbar.

Auskunftsfreudiger als bei Müller war Löw in der «Bild» bei Bayerns Super-Teenie Jamal Musiala (17), den er zumindest 20 Minuten in Aktion sehen konnte und gerne für das deutsche Nationalteam gewinnen würde. «Er ist ein außergewöhnlich großes Talent, absolut. Er hat eine besondere Wertschätzung in Deutschland und bei Bayern», sagte Löw über den einst für Deutschlands U16 und jetzt für Englands U21 eingesetzten Musiala. «Ich denke, er weiß so oder so, dass ich ihn nominieren will. Die Entscheidung liegt bei ihm», erklärte Löw, bevor er in seinen Dienstwagen stieg.

Die Entscheidungen über die seit zwei Jahren nicht mehr für das DFB-Team berücksichtigten Müller (100 Länderspiele), Boateng (76) und den Dortmunder Mats Hummels (70) liegen dagegen bei Löw. Müller grinste, als er nach der Extra-Motivation durch den prominenten Zuschauer befragt wurde. «Auch die letzten Spiele waren ganz gut und ich glaube, da war der Bundestrainer auch nicht im Stadion», entgegnete er.

Lachend schritt Müller an der Seite von Kapitän Neuer in die Stadionkatakomben und deutete dabei kurz Richtung Tribüne - wo Löw während des Spiels gesessen hatte. Das EM-Thema ist nach dem Publikwerden von Müllers beendeten Olympia-Plänen in dieser Woche präsenter denn je. Gute Auftritte wirken seit Müllers DFB-Aus als Dauerwerbesendung. Erst recht, wenn das Nationalteam untergeht wie zuletzt beim 0:6 gegen Spanien.

Die Nominierungsfragen seines früheren Vorgesetzten Löw für die EM im Sommer beschäftigen Flick nicht. Im Fokus steht die schrittweise Rückkehr der Münchner zur Tripleform nach einer kleinen Schwächephase mit Niederlagen in Gladbach und dem Pokal-Aus in Kiel. «Wir wollten wieder in die Spur zurückkommen, das macht eine große Mannschaft aus. Sie hat gezeigt, dass sie das kann», sagte Flick. Für Kahn kann die schwierigere Saisonphase vor den nun bejubelten vier Siegen am Stück ein «Wendepunkt» gewesen sein.

Boateng (32. Minute), Müller (43.), Robert Lewandowski (57.) mit seinem 24. Saisontor und Serge Gnabry (64.) nach elf Liga-Spielen ohne Treffer setzten vorne Glanzpunkte. Nach hinten arbeiteten die Bayern trotz weiterhin vorhandener Anfälligkeiten lautstark und verbessert. «Wir haben zuletzt eine stabilere Defensive gezeigt und vorne die Tore gemacht. Das ist ein gutes Signal», sagte Neuer. Das Gegentor von Andrej Kramaric konnte der 34-Jährige nicht verhindern.

Das Unverständnis über das neue Tattoo des wegen des Verstoßes gegen Corona-Vorgaben mit einer Geldstrafe belegten Weltmeisters Corentin Tolisso geriet durch die Revanche für das 1:4 im Hinspiel in den Hintergrund. Und auch die Spekulationen über angebliche Spannungen zwischen Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic waren angesichts der Rückkehr zu wieder mehr Dominanz-Fußball kein großes Thema.

Eine «Art von Streitkultur» sei ein «wichtiger Erfolgsfaktor» beim FC Bayern, hob Kahn hervor. «So lange das Ganze, und das ist im Moment der Fall, zum Wohle des Clubs ist, ist ja dagegen nichts einzuwenden», sagte Kahn. Es gebe nichts zu vermitteln im Moment. Und sportlich sind die Bayern eine gute Woche vor der Club-WM sowieso wieder in der Spur.

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