13. Spieltag

Labbadia nach Hertha-Pleite in Freiburg bedient

SC Freiburg - Hertha BSC
Bruno Labbadia war mit der Leistung seiner Mannschaft alles andere als zufrieden. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa © Philipp von Ditfurth

Freiburg (dpa) - Restlos bedient stapfte Bruno Labbadia in seinem hellbraunen Mantel über den Rasen. Nach der nächsten trostlosen Vorstellung von «Big City Club» Hertha BSC am Ende eines enttäuschenden Jahres 2020 hatte auch sein zum Glücksbringer erkorenes Kleidungsstück ausgedient.

«Heute haben wir einfach ein Gesicht gezeigt, was überhaupt nicht funktioniert. Der eine oder andere meint, dass er sein Ding alleine durchziehen kann», schimpfte Labbadia nach dem deutlichen 1:4 (0:1) beim SC Freiburg.

Mit 13 Punkten aus 13 Spielen hängen die Berliner in der kurzen Winterpause der Fußball-Bundesliga im Tabellenkeller fest. «Mich ärgert weniger, wo wir gerade stehen. Mich ärgert mehr, wo wir hätten stehen können», ergänzte der Berliner Coach. Das Traumziel Europa ist ganz weit weg. Und im neuen Jahr wartet gleich am 2. Januar das große Krisentreffen mit dem Tabellenletzten FC Schalke 04. «Wir müssen nach der Winterpause besser zurückkommen. Wir haben ein wichtiges Spiel vor der Brust. Wir müssen die Fehler analysieren und endlich punkten», sagte Herthas Maximilian Mittelstädt beim TV-Sender Sky.

Speziell die erste Halbzeit hat Labbadia mächtig geärgert. Da habe man gesehen, «wie man es nicht machen soll. So reichten 20 gute Minuten nach der Pause nicht aus, um einen Punkt aus dem Schwarzwald-Stadion zu entführen. Die Freiburger dagegen vergrößerten durch das fünfte Spiel nacheinander ohne Niederlage ihren Abstand auf die Abstiegsregion.

«Ich bin wahnsinnig froh und extrem glücklich, dass wir 17 Punkte haben. Es ist manchmal verrückt im Fußball. Wir haben jetzt gefühlt in einer Woche mehr Punkte gemacht als zuvor in drei Monaten», sagte Freiburgs Trainer Christian Streich und Vincenzo Grifo ergänzte: «Wir wollten 2020 genauso abschließen. Die Englische Woche mit neun Punkten abzuschließen, ist auch nicht normal.»

Der Italiener war es auch, der die Gastgeber per Kopf in Führung gebracht hatte. Kurz nach der Pause gelang Dodi Lukebakio (52.) der zwischenzeitliche Ausgleich. Anschließend drückte die Hertha, ließ aber beste Gelegenheiten durch Niklas Stark (55.), Jordan Torunarigha (56.) und Krzysztof Piatek (57.) aus - und wurde dafür bestraft. Ermedin Demirovic (59.) schockte die Berliner mit seinem ersten Bundesliga-Tor zum 2:1, Verteidiger Manuel Gulde (67.) legte nach einer Ecke per Kopfball nach. Den Schlusspunkt setzte Nils Petersen per Foulelfmeter (90.+3).

Was Labbadia besonders geärgert hatte, war die blutleere Vorstellung einiger seiner Spieler. Sinnbildlich für den schwachen Auftritt im ersten Durchgang stand Matheus Cunha: Der Brasilianer trat gerade im Spiel gegen den Ball auf, als hätte er keine Lust. Mehrfach brüllte Labbadia den brasilianischen Nationalspieler an und forderte eine andere Körpersprache. Es änderte sich aber auch danach nichts. Folgerichtig nahm Labbadia ihn zur Halbzeit raus.

«Er zieht sich selber runter, bringt seine Leistung nicht, zieht die Mannschaft runter. Es ist sehr selten, dass ich so was mache, aber ich sage es ganz ehrlich: Ich bin total verärgert», kritisierte Labbadia. Der 21-Jährige hatte auch die Freiburger Führung eingeleitet, nachdem er im Mittelfeld einen Zweikampf leichtfertig gegen Jonathan Schmid verloren hatte.

Die Hertha knüpfte nahtlos an ihren ernüchternden Auftritt zuvor gegen Mainz (0:0) an, wo sie genau wie der Gegner keinen einzigen Schuss aufs Tor abgegeben hatte. Besser wurde es erst, als Cunha nicht mehr auf dem Platz stand. In der Pause hatte Labbadia ihn durch Dilrosun ersetzt, was schnell Wirkung zeigte. Nach wenigen Minuten setzte sich der Flügelstürmer im Strafraum durch und flankte auf Lukebakio, der aus kurzer Distanz ins Tor schoss. Anschließend drückte die Hertha, doch wie aus dem Nichts kam Freiburg zurück und feierte am Ende einen deutlichen Sieg.

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