Fußball im Rems-Murr-Kreis

Leon und Loris Maier vom Fußball-Oberligisten TSG Backnang: Die Weltmeister haben noch nicht genug

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Loris und Leon Maier, Zwillinge aus Rudersberg-Michelau im Team des Oberligisten TSG Backnang: Loris schießt die Tore ... © Alexander Becher
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... Leon legt gern auf. © Alexander Becher

Leon und Loris Maier (21) haben fußballerisch eigentlich schon alles erreicht: Sie sind Weltmeister! Okay, lediglich Mini-Weltmeister als Vertreter Italiens beim Turnier des Zeitungsverlags Waiblingen im Jahr 2010; und elf Jahre waren die Zwillingsbrüder aus Schlechtbach damals auch erst alt. Aber so ein Erfolg verpflichtet. Heute sind sie Stammspieler beim Oberligisten TSG Backnang – und wollen sich damit noch nicht zufriedengeben.

Das Coronavirus zwingt die beiden allerdings seit Wochen in den Unruhestand. Trainiert wird online. Montags ist Teamtraining über die Video-Plattform Zoom. Trainer Holger Ludwig gibt vor, die Spieler machen’s zu Hause nach, Laptop, Tablet oder Handy vor Augen. 60 bis 90 Minuten Kräftigungstraining und – ganz wichtig – mit den Fußball-Kollegen quatschen. Hinzu kommen drei Laufeinheiten pro Woche, die Leistungen werden online erfasst. Keiner kann schummeln.

Die Zwillinge

Was sagt die Brotschneidemaschine?

Das Training fehlt den Spielern. „Als Student hat man nicht so den regelmäßigen Ablauf“, sagt Loris Maier. „Das Training gibt einem Struktur.“ Wobei er dasTraining meint, sich treffen mit den anderen. Und das auch außerhalb des Fußballs. Liefe die Saison, wäre bald Winterpause. „Da hat man viel frei und ist gemeinsam unterwegs.“ Loris findet es deshalb „schade, dass man so viel Zeit hat und nicht weiß, wohin damit“.

Das will Leon so nicht stehenlassen: „Wir kriegen den Tag schon rum.“ Und das durchaus unterschiedlich. „Fürs Studium ist das gar nicht schlecht“, sagt Leon. „Man kann sich besser darauf konzentrieren. Ich habe deshalb auch besonders viele Kurse belegt.“ Alle online, versteht sich, was durchaus Vorteile habe. „Das spart Fahrzeit, man kann effektiver arbeiten.“

Loris definiert Effektivität ganz anders. Während Leon die Aufgabe frühzeitig und gezielt angeht, erledigt sie Loris lieber erst auf den letzten Drücker. Dann aber, muss sogar Leon zugeben, „schneidet er oft besser ab als ich“.

Eineiig, oder?

Aber halt! Sind sich Zwillinge denn nicht in allem ähnlich; mehr als ähnlich?

Eineiige Zwillinge. Aber, erzählt Vater Uli Maier, das habe bei den beiden nie jemand überprüft – und es interessiere auch niemanden im Hause Maier. Allerdings ...

Vor kurzem hätten sich beide innerhalb von vier Wochen mit der Brotschneidemaschine in den Daumen an der gleichen Hand und an der gleichen Stelle geschnitten. Wenn das nicht ...

Nein, nein. Sie seien sich sehr ähnlich, aber nicht identisch, meinen Leon und Loris. Was ihre Trainer wohl unterschreiben würden, dauert es doch immer erst ein paar Trainingseinheiten, bis sie sicher sein können, wen sie gerade vor sich haben.

Unterschiede? Ich bin der Gute 

Aber wo liegen denn die Unterschiede?

Das kann Loris genau benennen: „Ich bin der Gute, er der Schlechte.“ Was Leon nicht einmal ein müdes Lächeln abnötigt. Also noch einmal, im Ernst. Loris: „Ich bin der Ruhigere, Leon ist der Extrovertiertere.“ Zustimmung vom Bruder: „Ich bin – zumindest auf dem Feld – der Emotionalere, der, der mehr rumschreit.“

Die Fußballer

Höhere Ziele

Fußballerisch allerdings denken beide sehr ähnlich. „Ich fühle mich sicherer, wenn Loris vor mir spielt“, sagt Leon. Loris wiederum profitiert von seinem Bruder: „60, 70 Prozent meiner Tore hat Leon aufgelegt.“

Loris ist der Offensivere der beiden. „Ich habe in diesem Jahr schon im Sturm gespielt, rechts im Mittelfeld, Zehner, Achter, auf jeden Fall offensiv; flexibel, kann man sagen.“ Leon dagegen musste rechts in der Abwehr aushelfen, was ihn nur mäßig freut. „Ich habe in der letzten Saison auf der Sechs oder Acht gespielt und war da sehr zufrieden.“ Nach Stürmer Mario Marinic erzielte er die meisten Treffer.

Wer hat die meisten Spiele absolviert? Ein Maier

Letztlich aber sind beide zufrieden damit, dass sie mittlerweile aus dem Backnanger Oberligateam nicht mehr wegzudenken sind. In der Statistik der Spielminuten liegen sie auf den Plätzen eins (Leon) und vier (Loris). Das war nicht immer so.

Leon: „Holger Ludwig ist der erste Trainer, der von Anfang an auf uns setzt.“ Zuvor seien ihnen meist andere, die schon Jugend-Bundesliga gespielt hatten, vorgezogen worden. Angelos Sbonias habe sie sogar in die zweite Mannschaft abschieben wollen. Diese Einschätzung aber habe er schnell revidiert. Leon und Loris zählten bald zur Stammelf.

Mit der aktuellen Saison sind beide nicht zufrieden. „Außer gegen Pforzheim und Dorfmerkingen waren wir nie unterlegen“, sagt Leon. „Es war bisher keine Mannschaft dabei, die spielerisch besser war, auch nicht Freiberg oder die Kickers.“ Aber die TSG leistete sich zu viele Unentschieden, zu viele Gegentore noch in den Schlussminuten. Für den Rest der Saison sind Leon und Loris Maier dennoch zuversichtlich – wann immer es auch weitergehen wird.

Der Vertrag endet, Konkurrenten klopfen an

Ihr Vertrag endet danach. Zwar gebe es bereits „sehr gute“ Gespräche mit der TSG, aber auch andere Vereine hätten angeklopft. „Jetzt ist die Zeit, den nächsten Schritt zu machen“, sagt Leon. Gerne gemeinsam, aber das sei nicht Grundvoraussetzung. In der Regionalliga ließe sich Fußball auch noch gut mit dem Studium kombinieren.

Eine Liga höher bedeutet jedoch auch mehr Druck. Leon lernt jetzt bereits, damit umzugehen. Unfreiwilligerweise. Die Corona-Krise zwingt die Zwillinge dazu, sich gegenseitig die Haare zu schneiden. Das machen sie erstaunlich gut, doch weil Loris, was die Haare geht, ein wenig eitel ist, muss Leon jedes Mal besonders aufpassen. Bloß keine falsche Bewegung mit dem Haarschneider. Mehr Druck geht nicht. „Da ist ein Spiel bei den Kickers im Gazi-Stadion nichts dagegen.“

Leon und Loris Maier (21) haben fußballerisch eigentlich schon alles erreicht: Sie sind Weltmeister! Okay, lediglich Mini-Weltmeister als Vertreter Italiens beim Turnier des Zeitungsverlags Waiblingen im Jahr 2010; und elf Jahre waren die Zwillingsbrüder aus Schlechtbach damals auch erst alt. Aber so ein Erfolg verpflichtet. Heute sind sie Stammspieler beim Oberligisten TSG Backnang – und wollen sich damit noch nicht zufriedengeben.

Das Coronavirus zwingt die beiden allerdings seit

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