Leichtathletik Rems-Murr

Olympiamedaillengewinner Edgar Itt: „Jedes einzelne Rennen war ein Erfolg“

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Edgar Itt hat 1988 Bronze von den Olympischen Spielen mit nach Hause gebracht. Heute bringt er anderen in der „Laufschule“ bei, wie wichtig und wie einfach Bewegung im Alltag ist. © Ralph Steinemann Pressefoto

Der ehemalige Hürdenläufer und Olympia-Bronzemedaillengewinner Edgar Itt hält am Dienstag (17. Mai) einen Impulsvortrag zum Thema „Laufschule“ in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf gehalten. Wir haben uns im Vorfeld mit ihm über das Laufen, Bewegungsmangel im Alltag, den Stellenwert der Leichtathletik sowie seinen Weg zum Erfolg unterhalten.

In Ihren Vorträgen zum Thema „Laufschule“ (Technikübungen, um den Laufstil zu schulen) zeigen Sie auf, dass ein Großteil der Menschen heute nicht mehr richtig gehen kann beziehungsweise es erst gar nicht richtig lernt. Warum ist das so?

Mit der Möglichkeit, ohne eigene Bewegung immer schneller von A nach B zu kommen, haben wir in der Gesellschaft das Gehen und Laufen verlernt. Ein zweiter wesentlicher Grund ist die Einführung des Computers. Seitdem hat sich unser Leben enorm gewandelt. Wir bewegen uns viel zu wenig.

Welche Auswirkungen hat dieser Bewegungsmangel auf den Körper?

Die Form unseres Körpers, also dessen Zustand, passt sich dessen Funktion an. Das kann positive wie negative Auswirkungen haben. Wird ausgiebig trainiert, werden beispielsweise Muskeln aufgebaut. Wird dagegen kein Sport betrieben oder sich nicht einmal bewegt, bildet sich der Körper zurück. Aufgrund des Bewegungsmangels verliert der Körper automatisch an Funktion und entwickelt dementsprechend eine andere Form.

Insbesondere im fortgeschrittenen Alter könnte das zu Problemen führen, oder?

Exakt. Jeder Mensch verliert ab dem 25. Lebensjahr jährlich circa ein Prozent seiner Muskulatur - wenn er nichts dagegen unternimmt. Ab dem 60. Lebensjahr sind es sogar fünf Prozent jährlich. Wenn Menschen immobil werden, also steif werden, ist das ganz natürlich, weil sich deren Muskulatur zurückgebildet hat und sie dementsprechend ungelenkiger geworden sind. Mit altersgerechtem Training kann dem entgegengewirkt werden.

Welche Rolle spielt das Gehirn beim Laufen?

Jede wissentliche Bewegung wird vom Gehirn aus gesteuert. Funktioniert im Gehirn nicht alles richtig, zum Beispiel altersbedingt, macht sich das auch motorisch bemerkbar. Insbesondere mit zunehmendem Alter sollte daher auch Wert auf das sogenannte „ViKoMotorische“ Training, visuell-kognitiv-motorisches Training, gelegt werden. Dabei werden visuelle, kognitive und motorische Komponenten miteinander verbunden.

Dass Kinder immer weniger Motivation haben, sich sportlich zu betätigen oder speziell Laufsport zu betreiben, zeigt sich auch in Ihrer früheren Sportart, der Leichtathletik. Warum hat die Leichtathletik in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Attraktivität verloren?

In den letzten Jahrzehnten sind unzählige neue Sportarten mit verschiedenen Disziplinen dazugekommen. Das Angebot, mit dem die Leichtathletik konkurriert, ist extrem groß geworden. Kinder und Jugendliche überlegen sich ganz genau, wie sie ihre Freizeit – das Wertvollste, was es gibt – verbringen. Zudem konkurriert die Leichtathletik nicht nur mit anderen Sportarten, sondern mit der gesamten Informationstechnik. Smartphone, Computer und Spielekonsole werden oftmals bevorzugt.

Sie selbst haben sich vor rund 30 Jahren von nichts ablenken lassen und eine beeindruckende Karriere als Läufer und Hürden-Läufer hingelegt. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul haben Sie sogar mit der Vier-mal-400-Meter-Staffel die Bronzemedaille gewonnen. Ihr größter sportlicher Erfolg?

Für mich persönlich war jedes einzelne Rennen auf dem Weg dorthin ein Erfolg. Denn jedes einzelne Rennen hat mich dahin gebracht, überhaupt diese Bronzemedaille gewinnen zu können - und ein Jahr später Europacup–Sieger zu werden. Ein Erfolg, auf den ich auch sehr gerne zurückblicke.

Was würden Sie jungen, aufstrebenden Sportlern raten, die auch von einer Olympiamedaille träumen?

Zwei Dinge: Im Leistungssport wird heute oft gelogen und betrogen. Daher sollte man stets authentisch sein und seinen Sport mit reinem Gewissen betreiben. Wer das macht, hat eine nachhaltige Freude an seinem Sport. Zudem sollte sich ein aufstrebender Sportler intensiv und kontinuierlich mit seiner Sportart auseinandersetzen, um selbst Experte zu sein. Hin und wieder einmal über den Tellerrand hinauszuschauen, um zu sehen, wie in anderen Sportarten gearbeitet und trainiert wird, schadet dabei nicht.

Der ehemalige Hürdenläufer und Olympia-Bronzemedaillengewinner Edgar Itt hält am Dienstag (17. Mai) einen Impulsvortrag zum Thema „Laufschule“ in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf gehalten. Wir haben uns im Vorfeld mit ihm über das Laufen, Bewegungsmangel im Alltag, den Stellenwert der Leichtathletik sowie seinen Weg zum Erfolg unterhalten.

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In Ihren Vorträgen zum Thema „Laufschule“ (Technikübungen, um den Laufstil zu schulen) zeigen Sie

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