Bundesliga

Remis-Experten mal anders: «Tolles Spektakel» in Wolfsburg

Wölfe unter sich
Wolfsburgs Bartosz Bialek jubelt nach seinem Tor zum 5:3. Seine Teamkollegen rennen zu ihm. Foto: Swen Pförtner/dpa © Swen Pförtner

Wolfsburg (dpa) - Das furiose Fußball-Fest von Wolfsburg veranlasste Werder-Trainer Florian Kohfeldt zu einer geteilten Analyse.

«Im Grunde gibt es zwei Sichten», sagte der Bremer Coach nach der 3:5-Niederlage im Nordduell beim VfL. «Die Sicht eines Fußballfans: Der hat heute Spaß gehabt.» Zusätzlich gebe es aber natürlich auch «die fachlich-analytische Sicht auf dieses Spiel». Aus der war Kohfeldt hauptsächlich mit der Defensivleistung seines Teams nicht zufrieden. «Offensiv war es vielleicht einer unser stärksten Saisonauftritte.» Die zuvor in dieser Spielzeit eher für recht erfolgreichen Ergebnisfußball bekannten Bremer und Wolfsburger zeigten am Freitagabend, dass sie auch die große Kunst der Unterhaltung beherrschen.

«Es war heute ein tolles Spektakel», sagte Wolfsburgs Coach Oliver Glasner nach der Partie der Unentschieden-Spezialisten, die zuvor je fünfmal remis gespielt hatten - Werder gar direkt nacheinander. Für Glasner gab es nur einen Wermutstropfen. «Es war sehr, sehr schade, dass heute das Stadion nicht voll sein konnte. Dieses Spiel hätte sich ein volles Stadion verdient.»

Glasners Team feierte durch Tore von Ridle Baku, John Anthony Brooks, Wout Weghorst, der doppelt traf, und Bartosz Bialek nicht nur seinen vierten Saisonsieg in der Liga. Die Niedersachsen setzten auch ein Ziel der Chefetage um. Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke wünscht sich schon länger eine offensive Spielweise und «spektakuläre Erlebnisse», um Euphorie zu entfachen.

«5:3 - das Torverhältnis hatten wir gefühlt am sechsten Spieltag, heute nach 90 Minuten», sagte Glasner, dessen Team tatsächlich für die ersten fünf Saisontore sechs Partien brauchte (bei vier Gegentreffern). «Es freut mich, dass die Spieler sehen, dass wir viele Tore erzielen können.»

Die Offensive um Top-Torjäger Weghorst, Josip Brekalo und Admir Mehmedi wird immer besser. Zudem schalten sich der fulminant aufspielende Neu-Nationalspieler Ridle Baku und Jérôme Roussillon als Außenverteidiger stark ins Angriffsspiel des VW-Clubs ein. «Es ist eine sehr angenehme und positive Phase, in der wir uns gerade befinden», sagte Glasner. Sein Team hat sich nun auf den internationalen Plätzen festgesetzt.

Davon sind die Bremer im Tabellenmittelfeld ein Stück entfernt. Die Ansprüche des Fast-Absteigers sind jedoch andere. Und dafür, dass Werder sich im vergangenen Sommer erst in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim rettete, spielt Bremen eine gute Saison. Kohfeldt konnte daher trotz der fünf Gegentore durchaus begründet feststellen: «Jetzt zu sagen, das wäre ein Riesenrückschlag, wäre auch übertrieben.» Seine Devise: «Das darf uns nicht umwerfen, und das wird uns auch nicht umwerfen.»

Gegen den VfB Stuttgart hat seine Mannschaft nächste Woche die Chance, ihn zu bestätigen und Kohfeldt auf beiden Ebenen zufrieden zu stellen: Auf der als Fußballfan und auf der fachlich-analytischen.

© dpa-infocom, dpa:201128-99-493585/3