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15-Jährige Winnenderin will zur Judo-WM

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Sarah Mehlau beim Wettkampf. Gegnerin besiegt, jetzt erst mal alles neu ordnen. © Mehlau

Sarah Mehlau aus Winnenden ist Mitglied der deutschen Judo-Nationalmannschaft U 18. Zumindest fast. Oder so gut wie. Irgendwie inoffiziell. Auf jeden Fall war sie mit dem Nationalkader vor kurzem auf einem Lehrgang in Japan. Sarah Mehlau ist erfolgreich. Und sie hat einen Terminkalender wie ein Topmanager.

„Ich trainiere ungefähr 17 Stunden in der Woche“, sagt Sarah Mehlau. Montags einmal, dienstags alle zwei Wochen zweimal, mittwochs, donnerstags und freitags zweimal. Und das Ganze nicht etwa an einem festen Ort, sondern in Backnang, Esslingen, Sindelfingen, Winnenden und am Olympiastützpunkt in Stuttgart. Da muss man erst mal den Überblick behalten.

Sarah Mehlau braucht dazu keinen Terminkalender. „Alles in meinem Kopf – und im Hausiheft!“ Ach ja, Schule kommt ja auch noch dazu. Die Winnenderin besucht die elfte Klasse des Wirtemberg-Gymnasiums in Stuttgart, einer Schule, die den Wünschen von Leistungssportlern entgegenkommt.

Voller Terminplan

Bei solch hohem Aufwand unter der Woche freut man sich doch aufs freie Wochenende, oder? „Am Wochenende ist sie immer weg“, sagt Gaby Mehlau, die Mutter. Sie verfolgt das Interview mit ihrer Tochter und erntet für den Einwurf einen tadelnden Blick. Am Wochenende finden die Turniere statt – in Deutschland, Italien, Tschechien oder Slowenien. Oder Lehrgänge, gerne auch mal über fünf, sechs Tage – 16 wie jetzt in Noboeka in Japan.

Auch die Kämpfe der zweiten Judo-Bundesliga werden am Wochenende ausgetragen. Aber das hat Sarah Mehlau hinter sich. Sie ist mit dem Budo-Club Karlsruhe aus der zweiten in die erste Bundesliga aufgestiegen, möglicherweise steht ein Vereinswechsel an. Backnang, immerhin Deutscher Meister, läge näher.

Innenbandanriss im Knie verhindert die EM-Teilnahme

Deutsche Meisterin ist Sarah Mehlau auch. Mannschaftsmeisterin 2017 mit ihrem Heimverein SV Winnenden. 2018 sicherte sie sich die süddeutsche Meisterschaft im Einzel und wurde Dritte bei den deutschen U-18-Meisterschaften; als 15-Jährige. Ihr größter Erfolg jedoch war Platz drei beim European Cup in Teplice. Der brachte ihr die Nominierung für die Europameisterschaft der Kadetten in Sarajewo ein. Ein Innenbandanriss im Knie allerdings verhinderte einen Start. Deshalb weiß die Winnenderin jetzt nicht so recht, zu welchem Kader sie eigentlich gehört, geht aber mal vom Nationalkader aus.

Zum Judo gekommen ist sie bereits als Sechsjährige. Damals begleitete sie ihre ältere Schwester Suzannah zum Training. Während die wegen Knieproblemen aufhören musste, klettert Sarah Mehlau auf der Erfolgsleiter immer weiter nach oben. Judo bestimmt ihr Leben – und hat sie verändert. „Ich bin selbstbewusster geworden“, sagt sie. Früher sei sie schüchtern gewesen, habe sich nicht getraut, jemanden anzusprechen.

Judo, das ist ihre „zweite Familie“

Je länger sie dabei ist, desto mehr interessiere sie sich nun auch für die Werte, für die Judo steht: „Respekt, Selbstbeherrschung, Mut, Vorbildfunktion“. Immer stärker genieße sie zudem, was sie dabei alles lernt, vor allem bei den Reisen, bei Treffen mit anderen Menschen, fremden Kulturen. Und sie nehme mittlerweile viel mehr im Leben wahr als früher. „Ich freu mich auch an kleinen Dingen.“ Judo, das sei ihre „zweite Familie.“ Ein Leben ohne sie – „nicht vorstellbar“. Weitere Erfolge dagegen schon. „Ehrgeizig war ich schon immer“, sagt sie. Die Ziele werden nun größer.

Olympia? So weit möchte die Winnenderin dann doch – noch – nicht denken. Im kommenden Jahr stehen erst einmal drei Großereignisse an: Weltmeisterschaft, Europameisterschaft und das European Summer Festival in Baku (Aserbaidschan). „Bei mindestens einem möchte ich dabei sein.“

Dabei sein ist alles? Nicht ganz: „Und gut abschneiden“, schickt sie hinterher. Womit Platz zehn eher nicht gemeint sein dürfte.


Sarah Mehlau

Geboren am 24. November 2002.

Startet in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm bei einer Größe von „1,71-einhalb“, wie sie selbst sagt.

Größte Erfolge. 2017 deutscher Mannschaftsmeister mit der SV Winnenden. 2018: 1. bei den süddeutschen U-18-Meisterschaften, 1. bei den offenen württembergischen U-18-Meisterschaften, 3. bei den deutschen U-18-Meisterschaften, 3. beim European Cup in Teplice.

Mit dem Budo-Club Karlsruhe in die erste Bundesliga aufgestiegen.

Wird trainiert von Steffen Rommel (SV Winnenden) und Trixi Kästle, eigentlich Landestrainerin der Jungen.

Besucht die 9. Klasse des Wirtemberg-Gymnasiums in Stuttgart.