Rems-Murr-Sport

Abbruch der Handballsaison so gut wie beschlossen

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Findet das Zögern des HVW „schade“: Der Waiblinger Coach Tim Baumgart. © Ralph Steinemann Pressefoto

Der Handballverband Württemberg hat am Mittwochabend beschlossen, der Empfehlung des Deutschen Handballbundes zu folgen. Sollte der bei seinem Bundesrat im Mai – wie zu erwarten – den Abbruch der Saison beschließen, gibt es nur Aufsteiger, keine Absteiger. Anders als andere Landesverbände hat der HVW aber nicht festgelegt, wie er in den einzelnen Ligen genau vorgehen will. Das stößt auf Unmut.

Der Verband hat am Mittwochabend nur entschieden:

Die Saison 2019/2020 aller Spielklassen Männer und Frauen wird am Tag nach dem DHB-Bundesratsbeschluss (geplant bis Mittwoch, 15. April) beendet.

Es wird keine Absteiger in der Saison 2019/2020 geben.

Es wird Aufsteiger in der Saison 2019/2020 geben.

Ein freiwilliger Abstieg in die nächst niedrigere Spielklasse ist möglich.

Der Meldeschluss für die Saison 2020/2021 der Männer und Frauen wird vom 15. April auf den 15. Mai verschoben. Vereine, die bereits für die Saison 2020/2021 gemeldet haben, können diese Meldung bis zum 15. Mai ohne Konsequenzen wieder zurückziehen. Ein Rückzug zwischen dem 15. Mai und dem 31. Juli 2020 bedeutet den Abstieg nach der Saison 2020/2021.

Die noch ausstehenden Final Four des Bezirks- und Verbandspokals werden wenn möglich bis Ende des Jahres ausgetragen.

Was heißt das für die Kreisvereine?

Abstiegsbedrohte Rems-Murr-Teams können sich über den Ligaverbleib freuen. Keine Planungssicherheit haben dagegen jene Mannschaften, bei denen es um den Aufstieg geht. Denn der HVW hält sich bedeckt, wie er vorgehen will. Falls nur der Erste aufsteigt, wäre das beispielsweise für die Männer des VfL Waiblingen eine schlechte Nachricht. Denn noch kurz vor der Verbandssitzung am Mittwoch fiel das Team aufgrund einer Entscheidung des Verbandsgerichts vom ersten auf den dritten Platz zurück. Der Hintergrund: Im September 2019 hatte der VfL das Spitzenspiel beim TSV Schmiden mit 24:26 verloren. Doch wegen einer falschen Spielfortführung sieben Sekunden vor Schluss – statt Siebenmeter für Schmiden hätte es beim Stand von 24:25 Freiwurf für Waiblingen geben müssen – legten die Gäste Einspruch ein. Diesem wurde zunächst stattgegeben. Im Wiederholungsspiel am 14. Februar dieses Jahres siegte der VfL mit 26:22. Allerdings hatten die Schmidener das Urteil zu diesem Zeitpunkt bereits angefochten. Nun hat das Verbandsgericht das alte Ergebnis wiederhergestellt. Die Begründung: Zwar sei die Spielfortführung falsch gewesen, doch es habe sich um keine spielentscheidende Szene gehandelt.

VfL Waiblingen nur noch Dritter

Das Urteil hat Auswirkungen auf die Tabelle: Der TSV Schmiden, der ein Spiel mehr absolviert hat als die Aufstiegskonkurrenten, ist mit jetzt 31:9 Punkten Erster, mit jeweils 29:9 Punkten folgen der TSV Alfdorf/Lorch und der VfL Waiblingen. Die beiden letzteren Teams hätten noch einmal gegeneinander gespielt, für den direkten Vergleich zählt wegen des Saisonabbruchs aber nur die Partie aus der Hinrunde. Weil es in der Waiblinger Rundsporthalle ein 27:27 gab, ist Alfdorf als Auswärtsmannschaft im Vorteil. Somit sind die Waiblinger trotz ihrer herausragenden Saison nur noch Dritter.

Der Verein hat noch die Chance, erneut in Revision zu gehen. Ob der VfL diese wagt, ist jedoch fraglich. Denn der Rechtsweg kostet Geld, Trainer Tim Baumgart spricht von einer vierstelligen Summe. Und sollten doch mehr Mannschaften aus der Württembergliga aufsteigen, wäre der Einspruch vielleicht sogar unnötig. Klar also, dass die Waiblinger so schnell wie möglich wissen wollen, was der HVW beim Thema Aufstieg vorhat. „Es ist ein bisschen schade, dass er sich noch nicht so konkret geäußert hat wie andere Verbände“, sagt Baumgart.

Eine Möglichkeit: die Quotientenregelung

Der Badische Handball-Verband etwa favorisiert eine Quotientenregelung nach norwegischem Vorbild. Dann würden die Tabellen berechnet, indem die Pluspunkte der Teams durch die jeweilige Anzahl der Spiele geteilt würden. Für Baumgart eine ungerechte Sache: Weil Schmiden, Alfdorf und Waiblingen alle neun Minuspunkte haben, wäre Schmiden nur deshalb Erster, weil er ein Spiel mehr auf dem Konto hat.

Problem ist die Ligenreform

Das Zögern des HVW liegt wohl in der Ligenreform begründet. Zur neuen Saison soll die Württembergliga eingleisig, darunter eine zweigleisige Verbandsliga eingeführt und wieder darunter die Landesliga von drei auf vier Staffeln ausgebaut werden. Der Handball-Verband ist gefordert, eine Aufstiegsregelung zu finden, die dem Rechnung trägt. Momentan aber hinterlässt der HVW nur den Eindruck, sich vor unbequemen Entscheidungen zu drücken.