Rems-Murr-Sport

Acht Wochen drücken, schwitzen, leiden

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Und noch einmal drücken, auch wenn’s schon wehtut. Sportredakteur Gisbert Niederführ leidet, Trainer Thomas Pumm freut sich. © Ramona Adolf

„Sie haben heute 8139 Kilogramm bewegt.“ 8139 Kilogramm! Ich bin begeistert. Von mir. Der Computer hat genau Buch geführt bei meinem ersten Trainingstag im Fitnessstudio. Dem ersten von insgesamt 24 Tagen. Ich will’s nämlich wissen: Was bringt es eigentlich, sich an Geräten zu schinden?

Als Sportredakteur schadet’s nicht, wenn man selbst ein wenig sportlich ist. Ich, 58, gebe mir durchaus Mühe, aber Topleistungen habe ich nicht im Repertoire.

Nun besucht allerdings meine Frau seit kurzem ein Fitnessstudio. Trainieren an Geräten ist zwar nicht mein Ding – das habe ich schon immer weiträumig umgangen –, aber ich kann doch nicht der eigenen Frau kampflos die Fitnessvorherrschaft im Haus überlassen! Also muss ich mir das doch mal selbst anschauen. Und wenn schon, dann richtig. Ich mache den Acht-Wochen-Fitnesstest. Ich besuche zwei Monate lang, dreimal in der Woche, ein Fitnessstudio. Bequemerweise das von Thomas Pumm in Winterbach, fast vor meiner Hautüre. Was mich dort wohl erwartet?

Zunächst: Schmerzen.

Krafttest: Mein Kopf wird rot, der Muskel brennt

Die sechs Geräte, die meine wichtigsten Muskelgruppen (Beine, Arme, Bauch, Rücken) auf Vordermann bringen sollen, sind computergesteuert. Wenn ich mich künftig im Eingangsbereich des Studios anmelde, wissen die schon: Da kommt jetzt einer, dem heizen wir ein. Damit sie das aber im optimalen Bereich tun, muss der Trainer erst ausloten, was ich überhaupt drauf habe. Deshalb steht vor dem Krafttraining der Krafttest.

Erstes Gerät: Beinstrecker. „So kräftig es geht drücken“, sagt Thomas Pumm. Okay. Dann strenge ich mich mal an. Ich halte die Luft an und wuchte mit meinen Schienbeinen den Widerstand nach oben. 78 Kilogramm. Gut? Oder schlecht?

„Das geht besser“, meint Pumm.

Okay, weiß ich das jetzt auch.

Ich drücke noch einmal. Ich drücke und drücke, mein Kopf ist puterrot, der Muskel rebelliert und ich stelle mir vor, wie er beim Gehirn nachfragt: Hast du sie noch alle? Willst du mich umbringen?!

Aber es lohnt sich: 104 Kilogramm. „Den Wert nehmen wir“, sagt Pumm, und ich checke erst jetzt, was ich mir da gerade eingebrockt habe. Ein bisschen weniger Ehrgeiz und ich hätte es nachher beim Trainieren einfacher gehabt. Denn der Computer errechnet aus dem Maximalwert die Traininingswerte. Aber man lernt ja dazu.

Als alle Werte ermittelt sind, beginnt mein erster Zirkeldurchgang. Ich halte mein Bändchen mit integriertem Computerchip an das Gerät. Das weiß jetzt, dass ich an der Reihe bin, justiert den Sitz passend für meine Größe und stellt den Widerstand ein, den das Programm errechnet hat. Los geht’s und – das ist ja einfach! Wenn ich an die Qual beim Krafttest denke, flutscht das jetzt ganz locker.

Der Ablauf, muss ich zugeben, ist auch nicht so langweilig, wie ich befürchtet habe. Auf dem Bildschirm vor mir erscheint eine auf- und abschwingende Kurve. Durch meinen Krafteinsatz muss ich eine weiße Kugel immer auf der Kurvenlinie halten. Meine Konzentration ist also gefordert.

Bei Wiederholung zwölf allerdings drängt sich mir der Verdacht auf, jemand hätte am Widerstand gedreht. Ab Wiederholung 15 überlege ich mir, ob da jetzt einer zuschaut und sich halb totlacht, weil er mich reinlegt. Ab 18 bin ich mir da ziemlich sicher und bei den letzten der 20 Wiederholungen bete ich, dass mein jetzt feuerheißer Muskel nicht schon beim ersten Mal explodiert. Doch der ist widerstandsfähiger als vermutet. Mein Trainingsversuch kann weitergehen. Das Display schickt mich zum nächsten Gerät des Zirkels. Der Spaß wiederholt sich, diesmal sind meine Arme dran.

Zwei Durchgänge im Kraftzirkel, dann beginnt die Quälerei

Zweimal mache ich den Zirkel durch und fühle mich alles andere als erschöpft. Das wäre auch fatal, denn jetzt geht’s im Grunde erst richtig los. „Bei einem Fitnesstraining ist es nicht so wichtig, dass sich die Kraftwerte verändern“, erklärt mir Thomas Pumm, „sondern dass sich die Herzkreislaufparameter verändern.“ Ich nicke dazu verständig, nicht ahnend, was vor mir liegt: Intervalltraining auf dem Laufband, Cross-Trainer (Walking) oder Fahrradergometer.

Herzkreislauftraining, das bedeutet, „acht- bis zehnmal an deiner Dauerleistungsgrenze trainieren, dazwischen jeweils eine Minute Erholung“, sagt Pumm. Ich wähle den Cross-Trainer und lege los. Gemächlich, mich langsam steigernd. Alles kein Problem. Nach einer Minute heißt es: Gas geben, den Puls auf 150 bis 160 Schläge jagen. Das gelingt – Überraschung! – ziemlich schnell. Was dagegen überhaupt nicht gelingt, ist, die Minute in einigermaßen würdevoller Haltung zu Ende zu bringen. Nach den 60 Sekunden gibt es in meinem Kopf nur noch Platz für einen Gedanken: noch siebenmal!

Erstaunlicherweise aber geht auch das vorbei. Als ich das Studio verlasse, habe ich schwere Beine (am nächsten Tag allerdings keinen Muskelkater) und ein Erfolgserlebnis, als ich meine Trainingsergebnisse im Internet überprüfe. „Sie haben heute 8139 Kilogramm bewegt.“ Wenn mir morgens einer gesagt hätte, dass ich heute 8 Tonnen wuppe, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Womöglich ist es aber auch verrückt, dass ich das jetzt acht Wochen lang dreimal in der Woche tue.

In vier Wochen berichte ich, wie’s mir bis dahin ergangen ist.

Der Ablauf: Start mit Eingangs-Check

Das Training beginnt mit einer Anamnese. Trainer Thomas Pumm erfasst meine Daten (Größe, Gewicht, gesundheitliche Einschränkungen und so weiter) und mein Ziel: Will ich abnehmen, dickere Muskeln oder einfach nur fitter werden?

Danach wird meine Körperzusammensetzung ermittelt. Das geschieht sekundenschnell durch eine Infrarotmessung. Jetzt weiß ich: Meine 71 Kilogramm setzen sich zusammen aus 12,7 Kilogramm Fettgewebe (18,8 Prozent), 58,3 kg fettfreie Masse, 6,6 kg Knochen, 8,8 kg Muskelproteine und schließlich noch 42,9 Liter Wasser. Das Ganze ergibt einen Fettfreie-Masse-Index von 19,1. „Das ist gut“, sagt Thomas Pumm. Wenn auch im unteren Bereich.

Ein zweiter elektronischer Test mit einem Pulsgurt eruiert – ebenfalls in Ruhe, allerdings dauert’s nun fünf Minuten – die Herzratenvariabilität, meinen Herzschlag in Ruhe und daraus abgeleitet meine maximale Sauerstoffaufnahme. 2,8 Liter in der Minute sind das bei mir. Auch dieser Wert sei gut. Allerdings zum Vergleich: „Spitzensportler“ sagt Pumm, „haben 6,5 bis 7 Liter, ambitionierte Hobbysportler wie ich haben 4,5 bis 5 Liter.“ Der ,ambitionierte Hobbysportler’ Pumm hat im Oktober zum vierten Mal den Iron Man auf Hawaii bestritten.

Die Werte werden im Computer gespeichert, genauso meine Werte im eGym-Zirkel. Nach sechs Wochen gibt es eine Kontrollmessung.