Handball im Rems-Murr-Kreis

Alarm: Zu wenig Handball-Schiris

Schiedsrichter  Markus Weyell
Ein oft undankbarer, aber wichtiger Job: Handball-Schiedsrichter. © Heiko Potthoff

Der Handballverband Württemberg schlägt Alarm: Es fehlten Schiedsrichter, der Spielbetrieb auf Verbandsebene sei so nicht durchgängig machbar, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands. Der HVW hat nun eine Notfallverordnung verabschiedet.

Ganz im Zeichen der Schiedsrichter beziehungsweise des Mangels an Unparteiischen stand die Präsidiumsklausur des HVW. Schiedsrichterwart Dirk Zeiher (Geislingen) hatte dem Präsidium im Vorfeld bereits aufgezeigt, dass der Spielbetrieb auf Verbandsebene unter den gegebenen Umständen für die Saison 2021/2022 nicht durchgängig abgewickelt werden könne. Zu lange hätten sich die Vereine darauf verlassen, dass zu den Spielen an den Wochenenden Schiedsrichter kämen. „Die Zeiten sind endgültig vorbei, leider haben es die Vereine selbst zu verantworten“, so Zeiher. Bei nur 50 zur Verfügung stehenden Schiedsrichterteams, aber 56 Wochenendspielen auf Verbandsebene sei die Rechnung schnell gemacht. Zu viele „Aufhörer“ und zu wenig neue Meldungen aus den Bezirken hätten die Situation so weit verschärft, dass nicht mehr alle Spiele besetzt werden könnten. Aber auch in den Bezirken sei es bereits „fünf nach zwölf“. Es könne nicht mehr flächendeckend mit Team-Schiedsrichtern für die höchste Bezirksebene gerechnet werden. Darüber hinaus werde von dem Spieljahr 2022/2023 an das Thema „Punktabzug für die höchstklassige Mannschaft“ von Vereinen, die ihr Schiedsrichter-Soll nicht erfüllen, immer wahrscheinlicher.

Der Verband hat nun gemeinsam mit seinen Bezirken erste, mittelfristig wirkende Lösungsansätze erarbeitet. So wurden Beschlüsse für die Einführung eines Stufenplans in der Schiedsrichterausbildung gefasst. Außer dem bereits existierenden Kinderhandball-Spielleiter (Stufe 1) wird der Jugendhandball-Spielleiter als Stufe 2 eingeführt. Der verbindliche Einsatz der Jugendhandball-Spielleiter erfolgt vom Spieljahr 2023/2024 in allen Bezirken. Dann müssten für jede gemeldete C-Jugend-Mannschaft auch zwei Jugendhandball-Spielleiter vom Verein bereitgestellt werden. Ein „Freikaufen“, wie aktuell beim Schiedsrichter-Soll noch möglich, werde es nicht mehr geben.

Notfallplan verabschiedet

Als erste kurzfristige Maßnahmen hat das HVW-Präsidium einen Notfallplan verabschiedet. Die einzelnen Punkte werden durch amtliche Bekanntmachung oder die Durchführungsbestimmungen für das Spieljahr 2021/2022 in Kraft gesetzt.

1. Ausbleiben des Schiedsrichters: Die Frauen- und Männermannschaften, die nicht auf Verbandsebene spielen, müssen sich bei Ausbleiben des/der eingeteilten Schiedsrichters/Schiedsrichter auf eine verfügbare Person als Schiedsrichter einigen.

2. Kostenfreie Verlegungen: Da trotz eindringlicher Bitte auf Freiwilligkeit wieder 80 Prozent der Spiele von den Vereinen auf einen Samstag angesetzt wurden, ist nun die Wahrscheinlichkeit sehr groß, keine beziehungsweise keinen ligengerechten Schiedsrichter zugeteilt zu bekommen. Wer nun noch Spiele von Samstag auf Freitag legen möchte, kann eine entsprechende Verlegung kostenfrei melden – aber mit Zustimmung des Gegners. Ein zusätzliches Bonbon: Der Wochentagzuschlag entfällt.

3. Genehmigung einer Spielverlegung: Es wurde folgende zusätzliche Voraussetzung für die Genehmigung eines Spielverlegungsantrags beschlossen: Die Genehmigung eines Antrags auf Spielverlegung hängt davon ab, ob der zuständige Schiedsrichtereinteiler zum gewünschten neuen Termin einen einteilbaren Schiedsrichter zur Verfügung hat oder nicht.

4. Keine Einteilung von Schiedsrichtern: Können Wochenendspiele bis Freitag, 12 Uhr, nicht mit Schiedsrichtern besetzt werden, übergibt der Schiedsrichtereinteiler den Staffelleitern die Liste der betroffenen Spiele. Die Staffelleiter informieren Heim- und Gastverein der betroffenen Spielpaarung. Die Vereine haben somit Zeit, sich auf die Situation einzustellen.