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Alina Kenzel: Eine WM-Medaille ist drin

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Dynamisch und kraftvoll: Alina Kenzel im Trikot des VfL Waiblingen. © Ramona Adolf

Über eine Medaille will Alina Kenzel lieber nicht reden. Dabei gehört die Kugelstoßerin des VfL Waiblingen mit ihrer Bestleistung von 17,48 Metern zu den großen Favoriten bei der U-20-WM in Bydgoszcz. Für die 18-Jährige ist es bereits die dritte Weltmeisterschaft. Die Erfahrung hat sie gelehrt, vorsichtig zu sein. „Die 17 Meter muss man erst mal stoßen.“

Interview mit Kugelstoßerin Alina Kenzel.

Alina Kenzel ist eine Meisterin der Untertreibung. „Es läuft gut“, sagt sie, kann sich ein Schmunzeln aber nicht verkneifen. „Fantastisch“ wäre das richtige Wort gewesen. In der U-20-Wintersaison holte Kenzel ihren ersten deutschen Meistertitel überhaupt, dann gewann sie alle drei Pflichtwettkämpfe für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in dieser Altersklasse. Und zum Abschluss bei der hochkarätigsten Veranstaltung, der Junioren-Gala in Mannheim, gelang der Athletin aus Remshalden-Grunbach auch noch eine spektakuläre persönliche Bestleistung.

So lange hatte sie vergeblich versucht, die magische 17-Meter-Marke zu knacken, und dann gelang es ihr urplötzlich, die Kugel auf 17,48 Meter zu wuchten. Diese Weltjahresbestleistung bei der U 20 bedeutete freilich auch die endgültige Qualifikation für die WM. „Mir fiel ein Stein vom Herzen, von den vier Konkurrentinnen war ich die Einzige, die über 17 Meter gekommen ist. Ich hab’ erst mal geweint und bin gleich zu meinem Trainer Peter Salzer gelaufen.“ Ihren Dank richtet sie auch an den zweitbesten deutschen Kugelstoßer bei den Männern, Tobias Dahm. „Wir verwenden beide die Angleittechnik. Er hat mich im Training und bei Wettkämpfen immer unterstützt.“

Man muss sich ja nicht selbst unnötig unter Druck setzen

Natürlich hat sich Kenzel mit ihrer Bestweite unter die Topfavoriten für das WM-Kugelstoßen am Mittwoch, 20. Juli, in Polen katapultiert. Doch Kenzel lenkt ebenso geschickt wie sympathisch vom leidigen Medaillenthema ab. Man muss sich ja nicht selbst unnötig unter Druck setzen. Sie kenne selbstverständlich ihre Konkurrentinnen, habe sich mit deren Leistungen aber so gut wie gar nicht beschäftigt. Diese Lektion hat sie gelernt: Man kümmert sich als Einzelsportlerin um sich, nicht um die anderen. „Ich würde einfach gerne wieder über die 17 Meter stoßen und dann schauen, was geht.“ Und was würde mit 17 Meter gehen? Kenzels Antwort ist zunächst ein entwaffnendes, breites Lächeln. Nach einer kleinen Pause sagt sie: „Die 17-Meter-Marke ist ein bisschen magisch im U-20-Bereich. Da wäre wahrscheinlich eine Medaille drin.“ Hoppla, da ist ihr das Wort also doch noch rausgerutscht.

Bei ihrer dritten Teilnahme könnte Alina Kenzel damit erstmals auf dem Podium stehen. Nach Platz sieben damals bei der U-18-WM und einer Platzierung knapp außerhalb der Top Ten als jüngste Starterin bei der U-20-WM vor zwei Jahren. Kenzel ist froh darüber, dass mit Sarah Schmidt vom LV 90 Erzgebirge eine zweite Deutsche in Bydgoszcz mit dabei sein wird. Mit ihr verstehe sie sich sehr gut, sagt die VfL-Athletin. „Während dem Wettkampf konzentriert sich natürlich jeder auf sich selbst, aber man zieht sich gegenseitig hoch.“ Auch Kenzels Vater Adolf und Trainer Salzer werden die Athletin in Polen anfeuern.

Das Publikum sei in der Leichtathletik immer fair, die Stimmung sehr gut, sagt Alina Kenzel. „Daraus kann man nur Positives ziehen.“ Erstes Ziel sei es, die Qualifikation zu überstehen. Und dann gehe es am Abend im Kampf der besten zwölf Kugelstoßerinnen um eine Medaille, äh, um einen Versuch über 17 Meter.

Ihren letzten großen Wettkampf in der Altersklasse U 20 wird Alina Kenzel danach bestreiten. Vom 29. bis 31. Juli finden in Mönchengladbach die deutschen Freiluft-Meisterschaften statt. Da will sie aber schon den Titel holen, oder? Kenzel lacht: „Das hoffe ich.“ Man kann eben nicht immer tiefstapeln.

Letzter WM-Test: Platz drei beim Vollmer-Cup

Der Deutsche Leichtathletik-Verband reist mit 65 Nachwuchs-Athleten zu den U-20-Weltmeisterschaften nach Bydgoszcz (Polen), die vom 19. bis 24. Juli stattfinden werden. Alina Kenzel steht auf Rang eins der Weltjahresbestenliste der Kugelstoßerinnen dieser Altersklasse.

Als letzter Leistungstest vor der Abreise am Sonntag, 17. Juli, stand der Vollmer-Cup in Biberach/Riß auf dem Wettkampfplan. Erneut gelang der Athletin des VfL Waiblingen ein Stoß deutlich über 17 Meter. Mit 17,24 Metern belegte sie bei den Frauen Platz drei. Es siegte die frischgebackene Europameisterin von Amsterdam Christina Schwanitz mit 19,53 Metern.

Bei der U-20-WM wird es für Alina Kenzel am Mittwoch, 20. Juli, ernst. Die Qualifikation im Kugelstoßen beginnt um 10 Uhr. Um 18.35 Uhr startet das Finale.