Rems-Murr-Sport

Als Trainer musst du auch deine Gegner sehr gut kennen

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Wie wird ein Angriff vorgetragen? Nur ein Aspekt unter vielen, über die sich der Trainer vor dem Spiel Gedanken machen muss. © adobe stock/fgnopporn

Als Trainer musst du über deine Mannschaft alles wissen – und über deinen Gegner fast alles. In unserer Serie Wie arbeitet ein Fußballtrainer? geht es diesmal um die gezielte Vorbereitung aufs nächste Spiel. Und die beginnt schon Wochen vorher.

Giuseppe Iorfida vom SV Unterweissach kennt die Fußball-Bezirksliga Rems-Murr in- und auswendig. Dennoch ist er ständig unterwegs auf fremden Sportplätzen. „Ich beobachte Gegner, wann immer ich kann.“ Heißen sie im November/Dezember beispielsweise TSV Sulzbach-Laufen und SSV Steinach-Reichenbach, dann versucht er, deren Spiele frühzeitig zu beobachten.

Zwar kennt er die Gegner aus früheren Spielzeiten, aber neue Spieler, Verletzte oder Sieges- und Niederlagenserien können alles verändern. „Mir reichen dann manchmal schon 30 Minuten“, sagt Iorfida. Erkennt er: Alles beim Alten, keine Veränderung – kann er schon wieder weiterreisen zum nächsten Spiel. „Es kann sein, ich schau mir drei Spiele hintereinander an. Dann habe ich sechs Mannschaften innerhalb von etwa zwei Stunden gesehen.“

Innerhalb von zwei Stunden sechs Gegner beobachten

So beobachtete er an einem Mittwochabend (6. November) die erste Halbzeit des Spiels SC Korb – TSV Sulzbach-Laufen und danach noch eine halbe Stunde SSV Steinach-Reichenbach – VfL Winterbach. „Ich habe da bei Sulzbach noch Dinge gesehen, die uns nachher geholfen haben.“ Der SVU gewann mit 6:0.

Aber worauf achtet er, wenn er Gegner beobachtet?

  • Welches System spielt die Mannschaft „gegen den Ball“, also in der Defensive, und welches, wenn sie den Ball erobert hat?
  • Wie reagiert die Mannschaft unter Druck?
  • Welches sind die Schlüsselspieler, welches die Schwachstellen?
  • Gibt es einen Spieler, den man frei lässt und auf den man das eigene Pressing ausrichtet, wenn er angespielt wird?
  • Verteidigt die Mannschaft Eckbälle im Raum, gegen den Mann oder in einer gemischten Variante? Wie viele Stürmer lässt sie bei einem Eckball vorne?
  • Und welche Variante ist hier bei gegnerischen Eckbällen im eigenen Team sinnvoll?
  • Welche Eckballvarianten hat der Gegner, auf die man sich einstellen muss?

Je nach Gegner wird zum Teil völlig anders trainiert

Iorfida: „Der TSV Nellmersbach beispielsweise hat ein sehr gutes Positionsspiel mit viel Ballbesitz, Sulzbach dagegen setzt auf Konter.“ Iorfidas Mannschaft müsse deshalb ganz anders gegen Nellmersbach als gegen Sulzbach agieren – und im Vorfeld auch trainieren.

„Gegen eine Mannschaft mit gutem Ballbesitzspiel trainieren wir sehr ausgiebig das Spiel gegen den Ball“, sagt Iorfida. Die Spieler müssten mental darauf vorbereitet werden, dem Ball möglicherweise lange nur hinterherzurennen. Sie müssen aber, wenn sie ihn schließlich erobern, schnell auf Offensive umschalten.

Mindestens dreimal wird mündlich auf den Gegner eingegangen

Vor einem Spiel gegen ein defensivstarkes Team gelte es dagegen, das spielerische Element zu trainieren, Sicherheit im Passspiel zu bekommen, Torchancen zu kreieren und das Gefühl für die Räume zu entwickeln, in die es nachher gelte hineinzustoßen. All das geschieht in Spielformen und ist in dieser Woche mindestens dreimal Thema in Ansprachen: jeweils vor dem Training (trainiert wird in der Bezirksliga in der Regel zweimal in der Woche) und vor dem Spiel.

Schließlich müsse der Trainer noch überlegen, ob er einzelne Positionen umstellt. Hat der Gegner beispielsweise auf der linken Außenbahn einen extrem schnellen Spieler, in der eigenen Mannschaft aber wird der schnelle Außenspieler auf der anderen Seite eingesetzt: Ist hier ein Seitenwechsel sinnvoll? Oder bringt der das eigene Gefüge zu sehr durcheinander? Das, so Iorfida, gelte es immer wieder aufs Neue abzuwägen. „Zu viele Wechsel stören den Automatismus.“

Gegen Zufälle ist kein Kraut gewachsen

Aber selbst die akribischste Vorbereitung garantiere nicht den Erfolg. Auf eine kurzfristige Änderung in der Aufstellung des Gegners lasse sich noch reagieren („Wir spielen 4:4:2 statt 4:3:3“), aber wenn der Schuss des Stürmers vom Innenpfosten zurückspringt und im Gegenzug durch einen abgefälschten Freistoß das 0:1 fällt, lässt sich das nicht vorausberechnen und auch nicht verhindern. Dann, so Iorfida, komme es auf die Spielintelligenz der Spieler an. „Die Qualität eines Spielers und auch einer Mannschaft zeigt sich, wenn er beziehungsweise sie auf Spielsituationen situativ und flexibel reagieren kann.“

Kleinigkeiten und Zufälle können zwar ein Spiel zum Kippen bringen, die Spieler aber „spüren, wenn du als Trainer gut vorbereitet bist“. Und sie honorieren das.

Dennoch: Unterm Strich sind Punkte die entscheidende Währung. Die beste Vorbereitung wird nicht gewürdigt, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Allerdings, davon ist Iorfida überzeugt, erhöhe eine gute Vorbereitung die Chance auf gute Ergebnisse doch beträchtlich.

 


 

Die Serie

In der Serie "Wie arbeitet ein Fußballtrainer?"
begleiten wir Giuseppe Iorfida vom Bezirksligisten
SV Unterweissach über die komplette Saison
hinweg.

In den ersten beiden Teilen ging es darum,
wie ein Trainer die Saison plant, und um
das Sommer-Vorbereitungstraining.
Teil 3 hatte zum Thema:
Wie umgehen mit einem Fehlstart in die
Saison.


Giuseppe Iorfida (38) trainiert den
SV Unterweissach seit 2016.
Er besitzt seit 2018 die Trainer-A-Lizenz
und wohnt in Berglen.
Der SVU steht aktuell auf Platz fünf der
Bezirksliga Rems-Murr. Als Spieler war Iorfida
unter anderem in der Oberliga bei den
SF Dorfmerkingen und der
1. FC Normannia Gmünd aktiv.