Handball im Rems-Murr-Kreis

Böser Verdacht: Manche Handball-Vereine schieben Coronafälle bei Absagen nur vor

Linsenmaier
Seit Jahresbeginn hat Handball-Verbandsligist SG Weinstadt (Julian Linsenmaier beim Wurf, links David Bosch) kaum gespielt. Reihenweise sagten Gegner Partien wegen Corona ab. © Günter Schmid

Es sind die schlechtesten Werte der vergangenen Wochen: Auf württembergischer Verbandsebene fanden am 19./20. März nur 62 Prozent der Handballspiele statt. Nun ist in manchen Ligen der reguläre Saisonabschluss gefährdet. Es besteht der Verdacht, dass einige Vereine die großzügige Regelung des HVW ausnutzen und Coronafälle vorschieben, um nicht spielen zu müssen.

Beweisen kann man das nicht. Doch auch HVW-Manager Thomas Dieterich räumt ein, es sei vielleicht ein Fehler gewesen, den Clubs so viel Handlungsspielraum zu lassen.

In der 3. Liga müssen Mannschaften mit mindestens sechs fitten Feldspielern antreten. Ansonsten drohen Punktverluste. Im Gebiet des HVW und der angeschlossenen Bezirke, in denen zuletzt auch nur 70 Prozent der Partien ausgetragen wurden, haben Vereine dagegen die Möglichkeit, sogar noch am Spieltag abzusagen. Und das, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Corona ist ein Freifahrtsschein, um sich etwa bei Verletzungen von Leistungsträgern elegant aus der Affäre zu ziehen.

Die Handballer der SG Weinstadt sind von Absagen in der Verbandsliga besonders betroffen

Betroffen von ständigen Absetzungen sind auch Rems-Murr-Teams, darunter die Verbandsliga-Handballer der SG Weinstadt. Ihr letztes reguläres Spiel bestritten sie am 5. Februar. Von acht angesetzten Partien im neuen Jahr wurden sechs abgesagt. Und das immer vom Gegner, betont der Weinstädter Co-Trainer Sebastian Striebich. Dabei gebe es auch bei der SG Coronafälle.

Ausweichtermine zu finden, wird angesichts der Flut an ausgefallenen Spielen immer schwieriger. Als Datum für den Abschluss der Runde hat der HVW den 22. Mai festgelegt. Freie Wochenenden gebe es bis dahin kaum mehr, sagt Dieterich. „Es wird langsam eng.“

Handballspiele unter der Woche sind problematisch 

Also müssen zahlreiche verschobene Partien wohl unter der Woche stattfinden. Das setzt aber voraus, dass die Hallen frei sind. Ein weiteres großes Problem: Es handelt sich um Amateursport. Wie viele Berufstätige nehmen unter der Woche eine lange Anfahrt zum Auswärtsspiel in Kauf?

Striebich sagt, es sei schwierig, die Motivation bei der Weinstädter Mannschaft aufrechtzuerhalten. Klar, wenn man sich auf einen Gegner vorbereiten soll, gegen den man vielleicht gar nicht spielt.

Hinzu kommen finanzielle Sorgen. Bei einem attraktiven Heimspiel haben die Weinstädter zu Coronazeiten rund 250 Zuschauer. Fällt es aus, „geht unsere Haupteinnahmequelle flöten“. Können Heimspiele mangels Terminen nicht nachgeholt werden, wäre das für die SG – und andere betroffene Vereine – ein herber Schlag.

HVW-Manager Dieterich: In manchen Ligen wird die Runde wohl nicht bis zum Ende gespielt

HVW-Manager Thomas Dieterich hält es inzwischen für durchaus möglich, dass die Runde in manchen Ligen nicht regulär zu Ende geführt wird. Der Verband prüfe derzeit, ob abgesagte Spiele zugunsten jener Mannschaften gewertet werden können, die angetreten wären. Ändert der HVW allerdings die Regel, könnten ihm die Clubs mangelnde Verlässlichkeit vorwerfen.

Es ist somit wahrscheinlich, dass in Ligen ohne komplette Hin- und Rückserie erneut die Quotientenregel zum Einsatz kommt. Bei der Berechnung der Abschlusstabellen würden dann die Pluspunkte der Teams durch die jeweils absolvierten Spiele geteilt und mit 100 multipliziert.

Auch diese Lösung wäre nicht perfekt. Doch Wettbewerbsverzerrung gibt es wegen des permanent gestörten Spielbetriebs sowieso schon. Da braucht man nur die Handballer der SG Weinstadt zu fragen.

Es sind die schlechtesten Werte der vergangenen Wochen: Auf württembergischer Verbandsebene fanden am 19./20. März nur 62 Prozent der Handballspiele statt. Nun ist in manchen Ligen der reguläre Saisonabschluss gefährdet. Es besteht der Verdacht, dass einige Vereine die großzügige Regelung des HVW ausnutzen und Coronafälle vorschieben, um nicht spielen zu müssen.

Beweisen kann man das nicht. Doch auch HVW-Manager Thomas Dieterich räumt ein, es sei vielleicht ein Fehler gewesen, den

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