Rems-Murr-Sport

Bei Königen am Frühstückstisch

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Fred Glasbrenner – zu Besuch aus Melbourne beim Radrennen in Schorndorf. © Niederführ / ZVW
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Fred (Fritz) Glasbrenners Visitenkarte: Die Radtour mit den Freunde Theo Gut und Ulrich Bauer veränderte sein Leben. © ZVW

Fred Glasbrenner ist 80, doch das sieht man ihm nicht an. Zu hören dagegen ist, dass seine Muttersprache Deutsch mittlerweile vom Englischen beeinflusst ist. Seit 60 Jahren lebt er in Melbourne. Dorthin gekommen ist er 1956 durch eine Schnapsidee: mit dem Fahrrad zu den Olympischen Spielen. Station gemacht haben er und zwei Freunde unter anderem beim Schah von Persien und bei König Feisal im Irak.

Video: Impressionen um den Rems-Murr-Pokal in Schorndorf

19 Jahre alt war Friedrich Glasbrenner (wie er damals noch hieß), als er 1955 zusammen mit Theo Gut und Ulrich Bauer in Backnang Grillstände am Bahnhof betreiben wollte. Weil sich die Grillkarriere nicht realisieren ließ, beschlossen die drei, nach Melbourne zu radeln. Dort sollten ein Jahr später die Olympischen Spiele stattfinden.

Die drei machten sich auf den Weg mit ihren Drei-Gang-Rädern, jeder mit 60 DM in der Tasche. Vor ihnen lagen 20 000 Kilometer und Treffen mit Menschen, die der Normalbürger damals allenfalls aus Zeitungen kannte. „In jedem Land waren wir beim König oder Präsidenten. Im Irak waren wir bei König Feisal II., in Teheran zwei Tage im Palast beim Schah und bei Soraya, in Indien an meinem Geburtstag am 10. Juni bei Pandit Nehru zum Frühstück, und Präsident Sukarno von Indonesien hat unsere Überfahrt nach Australien bezahlt.“ Die unglaublichen Erlebnisse der drei hatten die Presse auf die Deutschen aufmerksam gemacht und boten denen damit die Chance, die Reise zu finanzieren.

Sehr gastfreundlich seien alle gewesen, erzählt Glasbrenner. Vor allem im arabischen Raum. In Aleppo, derzeit wegen des Krieges in Syrien im Fokus der Öffentlichkeit, waren Glasbrenner und Co. vom Imam gleich für fünf Tage in die Moschee eingeladen worden. An all diese Persönlichkeiten so nahe heranzukommen („Das sind auch nur Menschen“), sei kein Problem gewesen. Glasbrenner: „Ich komme überall hin.“ Sein Motto sei immer gewesen: „Wenn man sich etwas vornimmt, muss man es einfach tun“ – und nicht erst lange überlegen.

Mit Meeresschnecken zu Wohlstand gekommen

So hielt er es offensichtlich auch nach der Ankunft in Melbourne. Nach elf Monaten Reise, knapp eine Woche vor Beginn der Spiele, erreichten sie ihr Ziel – und Glasbrenner blieb gleich dort. Aus Friedrich wurde Fred, er heiratete Zara, eine ehemalige Profitänzerin, arbeitete zunächst als Busfahrer und wurde schließlich Taucher. „Ich habe beinahe 20 000 Stunden unter Wasser verbracht.“

Das hat sich gelohnt. Er tauchte nach Abalone, Meeresschnecken, die in Asien als Delikatesse gelten. Glasbrenner eröffnete eine Firma und wurde reich. Mittlerweile hat er alles verkauft und genießt das Leben. Unter anderem durch Besuche bei Radrennen in Schorndorf.

Als 15-, 16-Jähriger sei er selbst Rennen gefahren. Später trat er als Sponsor auf und nun versucht er bei seinen Deutschlandbesuchen, Fahrer zu einem Start in Australien zu überreden. Gelungen ist ihm das unter anderem bei Rems-Murr-Pokal-Organisator Marc Sanwald, der – wie auch Leif Lampater aus Schwaikheim – mehrfach in Down Under angetreten ist.

Alle, die auf sein Angebot eingehen, haben es auf jeden Fall leichter als Fred Glasbrenner. Radeln müssen die erst nach der Ankunft in Melbourne. Die restlichen 20 000 Kilometer können sie im Flugzeug die Beine hochlegen.

Fred Glasbrenner

Geboren wurde Fred Glasbrenner 1935 in den USA. Seine deutschen Eltern wollten „den schönen Bub“ im Alter von zweieinhalb Jahren der Verwandtschaft in Stuttgart präsentieren. Doch dann haben sie das letzte Boot verpasst und konnten nicht mehr zurück.

Nachdem Stuttgart ausgebombt worden war, zog die Familie zu Verwandten nach Backnang.