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Bronze bei den Paralympics in Peking: Rothfuss immer noch im siebten Himmel

(SP)CHINA-BEIJING-WINTER PARALYMPICS-ALPINE SKIING-WOMEN'S GIANT SLALOM-STANDING (CN)
Bronze im Riesenslalom bei den Paralympics in Peking: Andrea Rothfuss aus Rommelshausen auf der Gefühlsachterbahn. © Luo Yuan, picture alliance / Xinhua News Agency

Andrea Rothfuss heult, lacht, umarmt Teammitglieder, heult und lacht. Auch knapp zwei Wochen nach den Paralympics in Peking sind diese Bilder omnipräsent. Der Gewinn der Bronzemedaille im Riesenslalom ist für die in Rommelshausen lebende Skirennläuferin nach wie vor mehr Traum als Realität.

Zurück in Deutschland spannt Rothfuss ein paar Tage bei ihrer Familie im Schwarzwald aus. Es gibt so viel zu verarbeiten. Eigentlich hätte die 32-Jährige ja ihre fünften Paralympics entspannt angehen können. Längst war sie etabliert als eine der erfolgreichsten deutschen Para-Wintersportlerinnen überhaupt.

Bei den vorangegangenen vier Spielen war Rothfuss nie leer ausgegangen. Die Bilanz: einmal Gold, neunmal Silber, dreimal Bronze. Hinzu kamen drei Titel, zehn Silber- und sechs Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften.

Skirennläuferin Andrea Rothfuss aus Rommelshausen will sich bei den Paralympics in Peking beweisen

Doch Andrea Rothfuss hat sich nie auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Wer alles erreicht hat, will vor allem sich selbst beweisen, dass man es immer noch draufhat. Das Problem: In den vergangenen Jahren ist die Konkurrenz im alpinen Skisport riesig geworden. Kann da eine 32-Jährige mithalten?

Wie schwierig es inzwischen ist, einen Treppchenplatz zu ergattern, erfuhr Rothfuss im Januar bei der WM im norwegischen Lillehammer. Zwar fuhr die Athletin mitunter stark und wurde dreimal Vierte und einmal Fünfte. Doch erstmals in ihrer Karriere gab’s keine WM-Medaille.

Vor den Paralympics in Peking machte sich Rothfuss nichts vor. Auch ohne die wegen des Ukraine-Kriegs von den Spielen ausgeschlossene russische Topfavoritin Varvara Voronchikhina war ein Podestplatz eigentlich außer Reichweite. Mit Top-fünf-Platzierungen und sie selbst zufriedenstellenden Leistungen wäre Rothfuss schon glücklich gewesen.

Nach dem Gewinn der Bronzemedaille im Riesenslalom herrscht bei Andrea Rothfuss Gefühlschaos

Deshalb warf sie die Bronzemedaille in ihrer Lieblingsdisziplin, dem Riesenslalom, so um: „Im Ziel war komplette Ungläubigkeit, als die vor mir platzierte Schwedin Ebba Aarsjoe plötzlich am Boden lag und ausgeschieden war. Als meine Medaille feststand, gab es einen totalen Gefühlsausbruch im gesamten deutschen Team.“ Denn auch das hatte diesen Erfolg nicht für möglich gehalten.

Lässt man die vorherigen Disziplinen Revue passieren, war Rothfuss’ Auftritt im Riesenslalom umso faszinierender. Auf Platz vier in der Abfahrt waren zwei herbe Enttäuschungen gefolgt. Im Super-G kam die Rennläuferin nie in Schwung und wurde nur Neunte. Und in der Super-Kombination verpasste sie im ersten Lauf ein Tor und schied aus. Wie schafft man es, sich danach wieder aufzurichten? Mit Eigenmotivation und der Hilfe des Teams.

„Die Leichtsinnsfehler im Super-G und der Super-Kombination dürfen eigentlich nicht passieren. Im Riesenslalom wollte ich noch mal ein richtig gutes Rennen abliefern, weil ich wusste, dass ich es kann“, sagt Rothfuss.

Trainer des deutschen Paralympics-Teams: Andrea Rothfuss soll nicht versuchen, perfekt zu fahren

Zu Herzen nahm sie sich den Tipp der Trainer: „Sie haben gesagt, es geht nicht darum, perfekt und schön zu fahren, sondern sich auf der Strecke schnell zu bewegen und viel zu arbeiten.“ Rothfuss hielt sich dran und bekam den schwierigen Kunstschnee-Hang in den Griff.

Auch Service-Mann Karl-Heinz Vachenauer hatte seinen Anteil am Erfolg. Vor dem zweiten Durchgang gestand ihm Rothfuss, sie habe Angst. „Da hat er gemeint: ,Wenn du schon Angst hast, wie viel haben dann die anderen?‘“ Mit dieser Lockerheit brachte Vachenauer die Athletin wieder entscheidend auf Kurs.

Die Bronzemedaille ist Andrea Rothfuss mehr wert als der Paralympics-Sieg von Sotschi 2014

Auch wenn Andrea Rothfuss in der letzten Disziplin, dem Slalom, ausschied – die Riesenslalom-Bronzemedaille bleibt. Die ist ihr sogar mehr wert als das Gold von den Spielen in Sotschi (2014). Denn vor zwei Jahren hatte die Rommelshäuserin ihre schlechteste Saison erlebt und am Tiefpunkt sogar mit dem Karriereende gespielt.

Davon ist nun keine Rede mehr. Skifahren macht wieder Spaß. Den will Rothfuss genießen – auch bei der Para-WM 2023.

Andrea Rothfuss heult, lacht, umarmt Teammitglieder, heult und lacht. Auch knapp zwei Wochen nach den Paralympics in Peking sind diese Bilder omnipräsent. Der Gewinn der Bronzemedaille im Riesenslalom ist für die in Rommelshausen lebende Skirennläuferin nach wie vor mehr Traum als Realität.

Zurück in Deutschland spannt Rothfuss ein paar Tage bei ihrer Familie im Schwarzwald aus. Es gibt so viel zu verarbeiten. Eigentlich hätte die 32-Jährige ja ihre fünften Paralympics entspannt

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