Rems-Murr-Sport

Corona-Pandemie trifft den organisierten Sport empfindlich

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So sah es über Monate hinweg nicht nur in Waiblingen aus. © Benjamin Büttner

Über ein Jahr Einschränkungen durch die Corona-Pandemie treffen den organisierten Sport in Baden-Württemberg hart. Das, so meldet der Landessportverband, zeige sich deutlich in der jährlichen Mitgliederbestandserhebung. Das größte Minus gibt es bei den Neueintritten der Altersgruppe bis acht Jahre.

Mitglieder-Rückgang 2,5 Prozent

3,8 Millionen Mitglieder haben die baden-württembergischen Sportvereine. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 98 048 Mitglieder weniger. Dies, so die Verbände in einer Pressemitteilung, entspreche einem Defizit von 2,46 Prozent. Die Austritte dagegen „bewegen sich im Bereich der normalen Fluktuation“, so Elvira Menzer-Haasis, Präsidentin des Landessportverbandes Baden-Württemberg (LSVBW).

Mit einem Minus von 3,14 Prozent hat der Badische Sportbund Nord die wenigsten Neueintritte. Der BSB Freiburg (minus 2,10 %) und der Württembergische Landessportbund (minus 2,38 %) liegen deutlich unter der Drei-Prozent-Marke.

Starker Rückgang im Behindertensport

Bei den Sportfachverbänden verzeichnet der Behinderten-/Rehabilitationssport die größten Rückgänge (minus 12,93 %). Diese Entwicklung resultiert u. a. aus den zwischenzeitlich ausgefallenen Rehabilitationssportgruppen und -angeboten der Sportvereine. Außer den drei Sportarten Karate (-11,25 %), Judo (-11,09 %) und Gewichtheben (-10,68 %) hat jedoch keine weitere Sportart einen Rückgang von mehr als zehn Prozent.

Plus bei Individualsportarten

Sogar ein leichter Mitgliederzuwachs lässt sich in den Individualsportarten im Freien feststellen. Mit den Sportarten Bergsport/Klettern (+2,6 %), Radsport (+0,9 %), Tennis (+0,69 %), Golf (+0,4 %) und Kanu (+0,32 %) sind vor allem die Sportarten, die auch während der Pandemie allein oder mit Partner/-in durchgeführt werden konnten, leicht angestiegen.

Vor allem Kinder betroffen

Insbesondere in den Altersklassen der Kinder und Jugendlichen trifft es den organisierten Sport besonders. In der Altersklasse der Sieben- bis Zehnjährigen sind es 5,77 Prozent weniger Mitglieder als im Vorjahr, in der Altersklasse der Drei- bis Sechsjährigen rund 12 Prozent und bei Kindern unter zwei Jahren über 30 Prozent. Weil während der Corona-Pandemie Angebote für diese Altersgruppen fehlten, meldete auch niemand seine Kinder an. Deshalb sagt Elvira Menzer-Haasis: „Wir müssen die Kinder und Jugendlichen abholen. Große Anstrengungen in diesem Bereich sind essenziell.“

Das klassische Eintrittsalter für Kinder und Jugendliche ist zwischen null und zehn Jahren. Menzer-Haasis: „Hier erreichen wir den Großteil der Kinder. Wir müssen es schnell schaffen, den Jüngsten ein Angebot zum Sporttreiben zu unterbreiten.“ Dazu müssten Vereine und Verbände, Schulen und Kindergärten sowie Städte und Gemeinden an einem Strang ziehen. „Sportstätten müssen in den Schulferien geöffnet bleiben, damit der Nachholbedarf gedeckt werden kann“, so Menzer-Haasis.

Zuwachs bei den über 80-Jährigen

Zwischen 15 und 79 Jahren pendle sich der Wert stabil ein, der Rückgang entspreche der Fluktuation der letzten Jahre. Im Bereich der über 80-jährigen Sportmitglieder dagegen verzeichnet die Mitgliederstatistik für Baden-Württemberg einen deutlichen Zuwachs von rund fünf bis 7,5 Prozent (80 - 89 Jahre: 7,61 Prozent; 90 bis 120 Jahre: 5,31 Prozent).

Trotz der Rückgänge, die Zahlen, so der Landessportverband, bestätigten die gute Arbeit in den Vereinen. Es bestehe weiterhin eine sehr hohe Bindung zwischen Sportvereinen und ihren Mitgliedern.

Die Zahlen in Württemberg

Begrenzt man die Sicht auf den Württembergischen Sportbund, sind die Zahlen ähnlich. 2,4 Prozent oder rund 53 400 Sportlerinnen und Sportler weniger in den 5760 Mitgliedsvereinen (Gesamt 2 193 604 Mitglieder). Über 40 000 Kinder und Jugendliche haben den Sportvereinen den Rücken gekehrt, drei Viertel davon aus der Altersgruppe bis einschließlich zehn Jahre.

Sportvereine mit bis zu 1500 Mitgliedern sind vergleichsweise stabil durch die Krise gekommen (minus 0,6 Prozent), bei Großvereinen dagegen sind es etwas mehr als sechs Prozent. Einige Vereine liegen sogar bei über 15 Prozent und haben damit etwa jedes sechste Mitglied verloren.

Hallensport in der Krise

Vor allem Hallensportarten verzeichnen zum Teil erhebliche Rückgänge: Turnen minus 4,5 Prozent, Handball 3,2 Prozent, Tischtennis 2,9 Prozent, Volleyball 2,6 Prozent. Kontaktsportarten wie Ringen, Karate, Judo oder auch Tanzen haben Rückgänge von teils über zehn Prozent. Auch der Behinderten- und Rehabilitationssport ist um über acht Prozent eingebrochen.

Auch hier haben die Freiluft-Sportarten Klettern, Tennis und Golf Zugewinne. Die Leichtathletik und der Ski- wie auch der Radsport jedoch mussten einen deutlichen Mitgliederschwund hinnehmen. Der Schwimmsport wiederum ist mit einem Minus von 1,7 Prozent bislang vergleichsweise glimpflich davongekommen, trotz verriegelter Hallenbäder. Trotzdem haben die Vereine Probleme, weil die Schwimmkurse ausfielen.