Fußball in Rems-Murr

Das halten Fußballer, Trainer und Funktionäre vom Abbruch der Fußballsaison

SaltarelliG1
Giuseppe Saltarelli und der FSV Waiblingen (hier im Spiel gegen die SG Schorndorf) hatten in der Bezirksliga noch Chancen im Aufstiegsrennen, aber auch für die Waiblinger ist der Saisonabbruch jetzt die einzig richtige Lösung. © Ralph Steinemann Pressefoto

Es fühlt sich an wie ein Déjà-vu: Nach einer monatelangen Unterbrechung wird die Saison 2020/2021 in allen württembergischen Ligen (Verbandsliga bis Kreisligen) nicht fortgesetzt und stattdessen komplett annulliert. Diese endgültige Entscheidung hat der Beirat des Württembergischen Fußballverbands letzte Woche bekanntgegeben. Der einzige Unterschied zum Abbruch der Vorsaison ist, dass es diesmal auch keine Aufsteiger geben wird.

Wir haben bei Spielern, Trainern und Verantwortlichen etlicher Rems-Murr-Vereine nachgefragt, was sie von diesem Beschluss halten. Sowohl Aufstiegsanwärter als auch Abstiegsgefährdete sind sich zumeist einig: Der Abbruch ist alternativlos! Zugleich ist die Hoffnung aber groß, dass im Sommer die Vorbereitung auf die neue Saison komplikationslos durchführbar sein wird. Der SV Hertmannsweiler hat unterdessen die aktuelle Saison noch nicht ganz abgeschrieben, er hofft auf eine Fortführung des Pokalwettbewerbs.

Landesliga

Hannes Stanke, Trainer des SV Allmersbach (14. zum Zeitpunkt der Annullierung): Grundsätzlich hätten wir die Saison, also zumindest die Vorrunde, gerne zu Ende gespielt, um auf dieser Grundlage eine sportliche Entscheidung herbeizuführen. Aber unter den momentanen Umständen ist es die einzig richtige Entscheidung, die Saison abzubrechen, und das würde ich auch als Tabellenführer sagen. Ich kann mich nicht mit gutem Gewissen an die Seitenlinie stellen und meinem Hobby nachgehen, wenn andernorts Menschen ihren Beruf nicht ausüben dürfen und Existenzen den Bach runtergehen.

Ich hoffe aber natürlich, dass 2021/22 endlich wieder eine komplette Saison gespielt werden kann.

Yannick Urbitsch, Spieler des TSV Schwaikheim (15. zum Zeitpunkt der Annullierung): Der Saisonabbruch war meiner Meinung nach alternativlos und absolut richtig; auch wenn es als Sportler wehtut. Nach knapp einem halben Jahr Pause ohne längere Vorbereitungszeit die Vorrunde irgendwie zu Ende zu bringen, wäre sicher nicht der sinnvollste Weg gewesen. Ich hoffe, dass sich das Infektionsgeschehen mit Blick auf den Sommer abschwächt und die Impfungen dazu führen, dass der Ball schon bald wieder rollen kann.

Bezirksliga

Norbert Gundelsweiler, Trainer des SV Unterweissach (1. zum Zeitpunkt der Annullierung): Je nach Tabellenstand freuen sich manche über den erneuten Saisonabbruch und manche ärgern sich - zu welcher Kategorie der SVU gehört liegt auf der Hand (zwinkert). Es bringt aber nichts, sich über Entscheidungen aufzuregen, die man selbst nicht beeinflussen kann; so wie in diesem Fall. Ergo auf ein Neues in der Saison 2021/22, und diesmal hoffentlich mit stabiler Gesundheit und einem baldigen Ende der aktuellen Pandemie.

Giuseppe Catizone, Trainer des FSV Waiblingen (3. zum Zeitpunkt der Annullierung): Der Abbruch ist zu diesem Zeitpunkt genau das Richtige. Jetzt haben wir Klarheit und können für die neue Saison planen. Klar ist es schade, dass jetzt schon zweimal die Saison abgebrochen wurde und wir uns beide Male in einer guten Ausgangsposition befanden. Wir respektieren diese Entscheidung aber und hoffen, dass wir im Sommer in eine normale Saison starten können.

Zoran Cutura, Trainer der SG Schorndorf (5. zum Zeitpunkt der Annullierung): Aufgrund der aktuellen Situation war die vorzeitige Beendigung der Saison leider abzusehen. Dass es nun zum zweiten Mal passiert, ist für die Zukunft des Amateurfußballs - insbesondere im Jugendbereich - eine Katastrophe. Ich hoffe sehr, dass diese Phase den Amateursport nicht kaputt macht.

Sascha Ricker, Trainer der SV Remshalden (6. zum Zeitpunkt der Annullierung): Es ist gut, dass endlich überhaupt eine Entscheidung getroffen wurde. Der Abbruch und die Annullierung sind aus meiner Sicht die einzig logische Entscheidung. Die Saison ist viel zu verzerrt und könnte so nicht gewertet werden. Die letzten Spiele waren Ende Oktober...

Wir alle können nur hoffen, dass wir im Juli mit der Vorbereitung auf die Saison 2021/22 starten dürfen. Und die dann unter halbwegs normalen Umständen durchgeführt und insbesondere vollständig durchgezogen werden kann.

Thomas Sommer, Trainer des SSV Steinach-Reichenbach (8. zum Zeitpunkt der Annullierung): Der Saisonabbruch ist die logische Folge in der jetzigen Pandemiephase. Hoffentlich können wir trotzdem bald wieder trainieren, um der schönsten Nebensache der Welt nachzugehen.

Oliver Redelfs, Abteilungsleiter Fußball des TSV Nellmersbach (9. zum Zeitpunkt der Annullierung): Letztendlich war der Abbruch der Saison die einzig logische Konsequenz. Ich persönlich hätte mir allerdings eine frühere Entscheidung des Verbands gewünscht, um einfach eine Planungssicherheit zu haben. Das ständige Hin und Her, das der Corona-Stufenplan der Politik verursacht, ist kaum verständlich. Insbesondere im Jugendbereich: anfänglich war Training für 20 Kinder unter 14 Jahre erlaubt, dann für zehn, kurz darauf nur noch für fünf und jetzt gar nicht mehr. So kann man nicht planen. Mir ist bewusst, dass die Entscheidung, wie viele Spieler trainieren dürfen, von den Kommunen festgelegt wird. Allerdings kann ich mich auch noch gut an einen Bericht des WFV erinnern, in dem es hieß, dass die Ansteckungsgefahr im Freien mehr als gering sei. So sind Missverständnisse vorprogrammiert.

Sebastian Kristen, Spieler des SC Korb (10. zum Zeitpunkt der Annullierung): Ich finde es sehr schade, dass die Saison nun doch beendet wurde; aber in der jetzigen Situation bleibt einem nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren. Ich persönlich vermisse es, mit 20 anderen Jungs auf dem Sportplatz zu kicken.

Mika Abraham, Spieler des SV Steinbach (15. zum Zeitpunkt der Annullierung): Aus Vereinssicht ist es natürlich nicht schlecht, dass wir den Klassenerhalt jetzt sicher haben. Aber ich bin zu hundert Prozent davon überzeugt, dass wir mit unserer Qualität auch sportlich nicht abgestiegen wären; immerhin hätten wir noch gegen etliche direkte Konkurrenten gespielt...

Die Annullierung der Saison hat sich mehr als angebahnt. Die jetzige Entscheidung ist definitiv das richtige Zeichen. In der aktuell undurchsichtigen Lage, in der sich die Infektionszahlen stetig erhöhen, hat der Fußball leider keine Sonderstellung. Auch wenn es schade ist und ich gerne endlich mal wieder den Sport ausüben würde, den ich liebe.

Kreisliga A

Jürgen Rube, Sportlicher Leiter des SC Urbach (1. zum Zeitpunkt der Annullierung, Kreisliga A 1): Der SC Urbach bedauert den Saisonabbruch sehr, zumal wir nach einem kompletten Neustart in die Saison 2020/21 einen richtig guten Lauf hatten und die neuformierte Truppe sich sehr schnell eingespielt und eine richtig gute Kameradschaft entwickelt hat. Der Abbruch ist in meinen Augen jedoch die richtige Entscheidung, auch wenn es uns aufgrund der aktuellen Tabellensituation „hart“ trifft. Aber es zählt für die junge Truppe nur ein Motto: „Wir haben gezeigt, dass wir mittlerweile eine eingefleischte Truppe sind und haben nun erneut die Chance es nochmals unter Beweis zu stellen. Wir haben bis dahin eine supertolle Runde gespielt und jetzt schaun wir mal, was dann in der neuen Spielzeit passiert..

Devin Becker, Spieler des SV Breuningsweiler (2. zum Zeitpunkt der Annullierung, Kreisliga A1): Aus meiner Sicht ist der Saisonabbruch die logische Folge der aktuellen Situation. Auch wenn alle drei Mannschaften des SVB an einen Aufstieg glauben konnten, war es in meinen Augen die richtige Entscheidung. Hoffentlich können wir im Sommer in einer besseren Lage in die Vorbereitung starten.

Pascal Disch, Trainer der SKG Erbstetten (3. zum Zeitpunkt der Annullierung, Kreisliga A2): Es wurde in den letzten Wochen immer unwahrscheinlicher, dass die Saison weitergeführt wird, und somit war die Verkündung auch keine allzu große Überraschung für mich. Für den Verein ist das sehr schade und ärgerlich. Vor allem für meine Spieler tut es mir leid, die bis jetzt eine super Saison gespielt haben. Nichtsdestotrotz müssen wir jetzt optimistisch nach vorne schauen und uns, sobald es wieder möglich ist, bestmöglich auf die kommende Saison vorbereiten.

Kreisliga B

Simon Klein, Abteilungsleiter und Spieler des SV Hertmannsweiler (3. zum Zeitpunkt der Annullierung, Kreisliga B1): Endlich haben wir Klarheit. Der Abbruch war aufgrund der aktuellen Lage und der knappen Zeit bis zum Saisonende abzusehen und ist daher leider absolut nachvollziehbar. Für das Team und alle Beteiligten ist das sehr schade, da die wenigen Trainingstage im März mit toller Trainingsbeteiligung gezeigt haben, was uns allen derzeit fehlt. Unsere Tabellensituation und die zwischenzeitlich angedachte Quotientenregel haben uns allen nochmals einen Schub gegeben.

Was bleibt ist die Hoffnung der Fortführung des Pokalwettbewerbs, bei dem wir im Viertelfinale für eine große Überraschung sorgen könnten...

Frauen-Bezirksliga

Magdalena Kiefer, Spielerin der SG Birkmannsweiler/Steinach (6. zum Zeitpunkt der Annullierung): Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn wir die Saison irgendwie zu Ende gespielt hätten. Das Training mit den Mädels und die Sonntage auf dem Sportplatz gehören definitiv zu den Dingen, die ich während dieser Zeit am meisten vermisse. Aber trotzdem bin ich der Meinung, dass der Abbruch der Saison unter diesen Umständen die sinnvollste Entscheidung ist.

Für uns bedeutet das, dass wir auch nächste Saison in der Bezirksliga spielen werden. Als Frauenmannschaft haben wir jedoch immer damit zu kämpfen, genügend Spielerinnen zusammenzubekommen. Daher hoffe ich sehr, dass wir wieder eine Mannschaft stellen können und die Saison dann wie gewohnt stattfinden kann.

Bezirksspielleiter Ralph Rolli: „Ich bzw. wir waren lange zuversichtlich, dass noch genügend Zeit bleibt, damit so viel Spiele gespielt werden können und eine Saisonwertung möglich ist. Leider war dem nicht so. Die aktuelle Lage kennt jeder und ist sich bewusst, mit welchen Einschränkungen wir derzeit leben müssen und was noch kommen kann. Ich halte es für vernünftig und richtig, dass nun Klarheit herrscht. Auch wenn es natürlich nicht für jeden zufriedenstellend ist, dass die Saison annulliert werden musste. Nur: Es bleibt gar keine Möglichkeit - die vorgegebene Zeit ist abgelaufen. Lieber jetzt einen klaren Schnitt und dann auf eine „normale“ Saison 2021/22 hoffen.