Fitness und Gesundheit

Das Immunsystem stärken klappt nicht ohne genügend Schlaf

Schlaf
Schlaf ist viel wichtiger, als wir alle denken. © pixabay Claudio Scott

Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf, oder? Der Spruch stimmt – weitgehend. Ob’s nun der Herr ist oder die Natur, im Schlaf regeneriert der Körper. Während wir ruhen, arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren.

Wer jung ist, will von Schlaf wenig wissen. Nachts geht die Post ab, da muss man dabei sein. Schlafen kann man im Ruhestand doch noch genug.

Vielleicht.

Vielleicht ist die Rentenzeit aber auch zu kurz, um noch ausgiebig schlafen zu können. Weil der Körper erschöpft, k. o., am Ende ist? Weil er nämlich zuvor, wenn’s wichtig gewesen wäre, zu wenig geschlafen hat? So eine durchfeierte Nacht schadet dem Körper nicht nur, weil zu viel Alkohol oder Schlimmeres konsumiert wird. Der Körper muss sich danach nicht nur um die dadurch verursachten Schäden kümmern, nein, er wird zudem noch von der Arbeit abgehalten, die er in dieser Zeit eigentlich verrichten würde: nämlich davon, uns zu heilen. Das Immunsystem schläft nie, aber in der Nacht läuft es zur Hochform auf. Allerdings nur, wenn wir dann schlafen.

Sogar beschädigte DNA wird repariert

Während wir schlummern, repariert unser Körper Gewebe, reinigt über den Tag angesammelte Stoffwechselabfälle und repariert sogar beschädigte DNA. Gewebe wird aus Stammzellen produziert und als Gerüst für neues Gewebe verwendet. „Die körperlichen Abwehrkräfte stehen im engen Zusammenhang mit der Dauer und Qualität des Schlafes“, heißt es beispielsweise auf der Homepage des Schlafmedizinischen Zentrums Prosomno in München. Jeder kann das an sich selbst beobachten. Liegen wir mit Fieber im Bett, wollen wir nur noch eins: schlafen.

Klarer Vorsprung Schläfer gegen Nichtschläfer

Aktuelle Studien belegen, heißt es auf der Seite des Zentrums, „dass im Schlaf die Zahl der natürlichen Abwehrzellen steigt, was für die erfolgreiche Bekämpfung von Bakterien und Viren von großer Bedeutung ist“. Forscher der Universität Lübeck impften in einer Studie eine Gruppe von Studenten gegen Hepatitis A (eine Virusinfektion, die zur Leberentzündung führt). In der folgenden Nacht durfte die eine Hälfte der Gruppe ganz normal schlafen, die andere Hälfte musste noch bis zum nächsten Abend wach bleiben. Einige Wochen später zeigten sich im Blut der Nichtschläfer nur halb so viele Antikörper gegen den Hepatitis-Erreger wie bei den Schläfern.

Die Lübecker Kollegen der Universität Tübingen haben 2019 in einer Studie einen Mechanismus nachgewiesen, über den Schlaf das Immunsystem fördert. Schlaf ist vor allem für die T-Killerzellen wichtig. Sie zirkulieren im Blut und heften sich an Fremdzellen an, um sie zu beseitigen. Die Studien in Tübingen und auch Lübeck haben gezeigt: Bereits nach drei Stunden ohne Schlaf ist die Funktion der T-Zellen beeinträchtigt. Eine durchzechte Nacht kann die Anzahl der Killerzellen gleich mal um 70 Prozent reduzieren.

Fitnesstraining für die Killerzellen

Im Schlaf werden aber nicht nur Killerzellen fit gemacht, es finden auch Reparaturen statt, das reicht sogar bis in der DNA der Zellen. Das Magazin Spektrum berichtet in der Ausgabe 10/2019 darüber, dass Nervenzellen den Schlaf nutzen, um Schäden an ihrem Genom zu reparieren. Zu diesem Schluss ist eine Arbeitsgruppe um den israelischen Schlafforscher Lior Appelbaum von der Bar-Ilan-Universität in Ramat-Gan gekommen. Der Befund, heißt es, „passt zu früheren Ergebnissen, die auf einen Zusammenhang mit der DNA-Reparatur hindeuten“, also nicht nur der von Nervenzellen.

Studien, schreibt das Magazin, „haben gezeigt, dass Schlaf für so unterschiedliche Aspekte wichtig ist wie die Regulierung der Immunreaktion einerseits und schlichte Müllabfuhr im Gehirn andererseits“.

Schlafentzug kann Folter sein

Schlaf ist also existenziell wichtig für den Menschen. Nicht umsonst wird Schlafentzug gerne zum Foltern genutzt.

Laut Hirnforscher Frieder Beck aus Auenwald ist der Schlaf zudem „ungemein wichtig fürs Hirn, fürs Lernen und für die Motivation“. Denn im Schlaf werde unser Gehirn durch Spinalflüssigkeit gereinigt. In den letzten beiden Stunden vor dem natürlichen Aufwachen würden außerdem sogenannte Schlafspindeln auftreten – kleine Aktivierungsgewitter, die Gelerntes im Gehirn verfestigen. Mehr Schlafspindeln bedeuten: bessere Lernleistung in den folgenden Tagen und einen besseren Behaltenseffekt. Ausreichender Schlaf fördert also auch unsere Hirnleistung.

Schlafdefizit aufholen? Das funktioniert nicht

Und wie lange sollte man schlafen? Sieben bis neun Stunden, sagt Dr. Verena Senn, Neurobiologin und Schlafexpertin aus Frankfurt. Andere gehen von sechs bis acht Stunden aus. Auf jeden Fall aber regelmäßig. Auf Vorrat zu schlafen sei nämlich nicht möglich. Und auch hinterher das Defizit wieder aufzuholen funktioniere nur in begrenztem Umfang.

Und hier lesen Sie, was der Arzt dazu sagt.

Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf, oder? Der Spruch stimmt – weitgehend. Ob’s nun der Herr ist oder die Natur, im Schlaf regeneriert der Körper. Während wir ruhen, arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren.

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Vielleicht.

Vielleicht ist die Rentenzeit aber auch zu kurz, um noch ausgiebig schlafen zu können. Weil

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