Rems-Murr-Sport

Das muss der Sportverein der Zukunft bieten

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© Gisbert Niederfuehr

Wie sieht der Sportverein im Jahr 2030 aus, das wollte auch der Schwäbische Turnerbund im vergangenen Jahr wissen. Trendforscherin Anja Kirig vom Zukunftsinstitut in Frankfurt hat dazu beim Sportkongress in Stuttgart Antworten gegeben. Teil 3 unserer Serie zur Zukunft des Sportvereins.

Auch der kleine Sportverein wird nur überstehen, wenn er sich um Megatrends kümmert, Trends, die oft die ganze Welt betreffen. Er muss flexibler werden, die Digitalisierung nicht beklagen, sondern nutzen und oftmals völlig neue Wege gehen.

Sportvereine müssen sich auf diese Megatrends einstellen

Megatrends sind keine kurzfristigen Moden, sie wirken vielmehr über Jahrzehnte hinweg und verändern dabei global Werte. Aktuelle Megatrends sind:

Mobilität. „Die Menschen kommen nicht mehr zum Sport, sondern der Sport muss zu ihnen kommen“, heißt es in der Studie. Zudem müssen sich die Sportvereine stärker um

Kooperationen kümmern. „Neben Schulen und Kindergärten sollte sich die Vereine Partner in Unternehmen suchen.“ Die altbekannten Vereinsstrukturen werden zumindest teilweise ersetzt werden durch

Communitys. „Man trifft sich über soziale Netzwerke in einer informellen Gruppe, um Sport zu treiben. Das zeigt, dass die

Digitalisierung große Herausforderungen mit sich bringt. „Vereinsvertreter müssen sich für das Thema öffnen. Wer sich dagegen sträubt, wird in den kommenden Jahren negative Konsequenzen erleben – bis hin zur Vereinsauflösung“, sagt das Zukunftsinstitut. Das heißt, die Vereine müssen sich auseinandersetzen mit digitalem Gerätetraining, Virtual-Reality-Brillen und sogenannten Wearables wie Fitness-Armbändern.

Weitere Megatrends sind Individualisierung (das schließt eine feste Mitgliedschaft oft aus), Sicherheit (wo, in welcher Umgebung oder Atmosphäre fühle ich mich wohl?), New Work (die Art, wie wir arbeiten, verändert sich: Heimarbeit und Maschinen verschaffen uns mehr Zeit, wir wechseln auch öfter den Wohnort) und immer noch Gesundheit.

Chance für die Vereine: Das Interesse am Sport wächst

Das Interesse am Sport wächst in der gesamten Gesellschaft. Eine Umfrage des Zukunftsinstituts kam zu dem Ergebnis:

- 47 Prozent tun etwas für ihre Gesundheit,

- 36 Prozent treiben Sport,

- 33 Prozent fahren Fahrrad,

- elf Prozent joggen oder betreiben Nordic Walking und

- elf Prozent besuchen ein Fitnessstudio.

Drei Thesen für den Sportverein

These 1: Sport ist künftig mehr denn je eine Frage von Ort und Zeit. Der Verein muss Angebote möglichst rund um die Uhr im Programm haben und nicht nur in einer Halle oder auf einem Sportplatz. Er muss zu den Menschen gehen, ob in die Schule oder an den Arbeitsplatz, ins Hotel oder an den Flughafen und sogar in die virtuellen Räume im Internet (Homepages, Facebook etc). Zudem muss er sich von der festen Bindung über mindestens ein Jahr verabschieden.

These 2: Technische Evolutionen revolutionieren das Training. Immer mehr Menschen haben eine Fitness-App auf dem Handy, das ihre sportlichen Aktivitäten misst, auswertet und gegebenenfalls vorgibt. In Fitnessstudios sind elektronische Geräte gang und gäbe. Die Technik bringt den Verein weiter, er muss ihr gegenüber jedoch auch offen sein.

These 3: Die Menschen suchen weiterhin – trotz des Trends zur Individualisierung – die Gemeinschaft, aber anders als früher. Sie suchen keine feste Bindung. Der Breitensport ist deshalb attraktiv für Menschen, die einerseits soziale Kontakte suchen und andererseits Lebensqualität jenseits des Leistungsgedankens.

Der Verein müsse sich auf jeden Fall, so Kirig, Gedanken darüber machen: Was ist meine Vision der Zukunft, beispielsweise fürs Jahr 2030? Jeder Verein müsse dazu seine ganz eigene Antwort finden, sich aber darüber in Klaren sein, dass seine neue Kundschaft anders denkt als die bisherige. Die sogenannten Millenials, also die zu Beginn des Jahrtausends Geborenen, haben einen globalen Anspruch, wollen schnell Ergebnisse sehen, sind im Internet zu Hause, unterstützen soziale Unternehmen und schätzen gemeinsames/geteiltes Wissen und Handeln.
Klar sei: Der Sport der Zukunft ist bunter, findet in den unterschiedlichsten, auch kleinen Nischen statt.

Beispiele: So können die neuen Anforderungen umgesetzt werden

Der TV Altenstadt ist den Weg in die digitale Zukunft schon einen Schritt weit gegangen. Er wurde ausgezeichnet für seine Vereins-App. Auf der können sich Mitglieder für Kurse anmelden. Mehr als 50 Prozent der Mitglieder, so der Verein, nutzten diese Möglichkeit. In der Voralb-Kooperation der Vereine TSV Bad Boll, GSV Dürnau, TSV Eschenbach und TSV Heiningen können Mitglieder Angebote in allen vier Vereinen wahrnehmen.

Ähnlich ist das Geschäftsprinzip des Urban Sports Club, einer Internetplattform, bei der eine monatlich kündbare Mitgliedschaft – mit drei unterschiedlichen Preismodellen – abgeschlossen werden kann. 
Gym Entry wurde von Studenten aus Hamburg für Menschen entwickelt, die gemeinsam trainieren wollen, allerdings flexibel und ohne Vertragsbindung. In rund 50 deutschen Städten (auch in Stuttgart) stehen 350 Studios bereit.

Der Verein muss Netzwerke aufbauen mit Partnern aus den verschiedensten Bereichen, beispielsweise über eine Kooperationsplattform im Internet. Er kann als Ausbilder auftreten, Geflüchtete oder schwer Vermittelbare zu Trainern ausbilden. Mit neuem Wissen und Selbstvertrauen steigen deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der SV Breuningsweiler ist schon lange erfolgreich damit, seinen Jugendlichen bei der Praktikums- oder Ausbildungsplatzssuche zu helfen.

Das Projekt Sportverein 2030, Vortrag in  Althütte

Aus dem Vortrag beim Sportkongress entstand ein Buch, genauer gesagt ein Arbeitsbuch: Sportverein 2030. Das Buch steht seit kurzem zum Kauf bereit. Der STB wirbt dafür folgendermaßen: „Du kannst das Buch alleine oder auch im Team bearbeiten. Du kannst es zum Gegenstand von Workshops machen oder die Inhalte mit Vereins-Kollegen diskutieren. Der perfekte Begleiter für alle, denen die Zukunft ihres Vereins am Herzen liegt.“

Der Turngau Rems-Murr bietet am 8. März von 19 Uhr an im Sitzungssaal des Rathauses Althütte aeinen Vortrag zum Thema an.Die Zukunft im Verein gemeinsam gestalten heißt der Vortrag von Sportwissenschaftlerin Melanie Haag. Welche aktuellen Entwicklungen gibt es? Welche sind wichtig für die Vereinsentwicklung? Wo soll unser Verein in Zukunft stehen?

Melanie Haag studierte Wirtschaftspädadogik und Sport in Konstanz, ihre Diplomarbeit schrieb sie zum Thema „Fit in die Zukunft — Beratung und Steuerung eines geplanten Wandels im Sportverein“. Haag promovierte im Bereich Sportmanagement/Soziologie zum Thema Wissensmanagement im Sportverein. Seit fünf Jahren ist sie Geschäftsführerin des Hochschulsports an der Uni Stuttgart, seit 2008 ehrenamtliche Vereinsberaterin beim STB und seit 2012 Referentin in der Vereinsmanagerausbildung beim BSB Freiburg.
Anmeldungen sind möglich bis 28. Februar: info@turngau-rm.de.