Rems-Murr-Sport

Das neue Sportlerleben des Marcel Lindner

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Marcel Lindner zu seiner Zeit als Spielertrainer beim VfR Birkmannsweiler. © Ralph Steinemann Pessefoto
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Cellll_i auf Instagram

Marcel Lindner ist Fußballer - normalerweise. Er hat für die SG Sonnenhof, TSG und Viktoria Backnang und in der Oberliga beim VfL Kirchheim gespielt, war später Trainer unter anderem bei SV Allmersbach, TSV Rudersberg und VfL Winterbach. In den vergangenen Wochen aber ist er nur noch als Läufer in Erscheinung getreten, seit einigen Tagen nun behilft er sich mit Klorollen-Gymnastik.

Die Übungen mit Deutschlands wertvollster Ressource aber sind rein beruflich bedingt. Der 50-Jährige ist Lehrer für Sport, Technik und Informatik an der Max-Eyth-Realschule in Backnang und derzeit mit seinen Schülern nur über das Internet verbunden. Und so hat er sich die Klorollen-Gymnastik ausgedacht, die seine Schüler auf Youtube abrufen können. „Die Schüler machen auch regen Gebrauch davon.“ Die finden das toll, den Lehrer auf Youtube zu sehen.

Von Marcel zu Celllli_i

Schon als das Leben noch normale Verhaltensweisen erlaubte, war Marcel Lindner regelmäßig auf Instagram zu sehen gewesen. Als Cellll_i („Celi war immer mein Spitzname, aber der war auf Instagram schon vergeben“) schickte er Fotos und kurze Meldungen darüber, wie viele Kilometer er gerade wieder gelaufen war. Ist er vom Kicker zum Läufer mutiert?

„Nein“, sagt er. Er sei immer noch Fußballer mit Leib und Seele, aber auch schon immer viel gelaufen: Stadtlauf in Backnang, Silvesterlauf, Stuttgart-Lauf etc. „Aber ich wollte schon immer einen Haken hinter einen Marathonlauf machen.“ Er suchte sich jenen in Barcelona am 15. März aus. „Der erste Marathon bleibt in Erinnerung, und wenn ich mich jetzt schon dazu durchringe, soll’s einer mit vielen Zuschauern sein.“

Cellll_i auf Instagram

Darauf bereitete er sich von Oktober an vor. Die Instagram-Meldungen, der Countdown für Barcelona, seien nicht dazu bestimmt gewesen, zu zeigen, „ was ich kann. Das sollte für mich ein Trainingstagebuch sein.“ Damit er später einmal sagen könnte: „Oh, damals, 2020, das war cool.“

Cool - die Erinnerung wird eine andere sein. Corona hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht: Der Barcelona-Marathon wurde verschoben auf 25. Oktober, Lindner jäh gebremst. So sehr ihn das Training (jeden zweiten Tag laufen, von fünf bis schließlich 31 Kilometer) gefordert habe, es fehlt ihm. „Das treibt mich schon um, dass ich nicht mehr laufen kann.“

Trainerlaufbahn ist beendet

Fußballspielen ist genauso tabu. Lange hat Lindner in der AH der SG Sonnenhof gespielt. Nachdem die sich abgemeldet hat, als Gastspieler beim SV Allmersbach. Seine Trainerlaufbahn habe er beendet. Er habe zwar viele Angebote bekommen, könne sich aber allenfalls mal eine Hilfestellung oder eine interne Fortbildung im nächsten Umkreis vorstellen. Auf dem neuesten Stand ist Lindner. Im Bezirk ist er für die Trainerfortbildungen zuständig.

Sportlich jedoch ist er weitgehend zum Warten verdammt. „Ich bin Sportler durch und durch. Ich würde jetzt gerne Fahrrad fahren und halte mich in meinem Keller in einem kleinen Kraftraum fit. Es wäre für mich das Schlimmste, wenn ich nichts mehr machen würde.“ Außerdem hat er den Barcelona-Marathon immer noch im Blick.

Und so muss er nun wohl vor allem darauf achten, immer genügend Klorollen zu Hause zu haben.