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David Yeldell: Aus der Landesliga in die Champions League

2015 noch hat David Yelldell mit Bayer Leverkusen gegen die SG Sonnenhof Großaspach gespielt. Mittlerweile ist er SG-Torwarttrainer._0
2015 noch hat David Yelldell mit Bayer Leverkusen gegen die SG Sonnenhof Großaspach gespielt. Mittlerweile ist er SG-Torwarttrainer. © Alexander Becher

David Yelldell war Fußballtorwart in der Premier League und bei Bundesligist Bayer Leverkusen. Auf eine glanzvolle Karriere kann der Torwarttrainer der SG Sonnenhof Großaspach trotzdem nicht zurückblicken. Das aber trübt seine Stimmung nicht. „Man muss auch sehen, wo ich herkomme.“ Aus der Landesliga in die Champions League – das schaffe schließlich nicht jeder.

Im Video: David Yelldell, Torwarttrainer der SG Sonnenhof Großaspach.

Der Deutsch-Amerikaner mit Wurzeln in Jugendmannschaften von VfL Waiblingen und Spvgg Rommelshausen stand 2002 noch im Tor von Landesligist TSG Backnang, als er mit Uli Ferber und dessen Agentur fair-sport seine Karrierechancen auslotete. „Wir haben gedacht, wenn alles überragend läuft, kann ich Zweite Liga schaffen. Dazu muss aber alles passen.“

Ab auf die Insel

David Yelldell hat nicht nur das erreicht. Von der TSG ging’s zunächst zur Oberligamannschaft der Stuttgarter Kickers. Als dann das Angebot von den Blackburn Rovers kam, „war für mich gleich klar, dass ich die Chance wahrnehme“. Die Rovers spielten damals in der Premier League, im Kader standen Leute wie der amerikanische Nationaltorwart Brad Friedel oder der britische Nationalspieler Andi Cole.

Für Yelldell stand damit auch fest: Er hatte sich für eine Profifußball-Karriere entschieden. Der Sprung zur großen Karriere war’s letztlich dann doch nicht. Yelldell saß einige Male auf der Bank, spielte überwiegend aber im Blackburn-Reserveteam außer Konkurrenz. Trotz Dreijahresvertrags zog es ihn deshalb bereits nach zwei Jahren zurück nach Deutschland. Zum einen wollte er in Konkurrenz spielen, zum anderen hatte er Heimweh.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Brighton gewechselt

Die Erfahrung möchte er dennoch nicht missen, und vor allem an den Abschluss denkt er gerne zurück. „In einer Nacht-und-Nebel-Aktion“ wurde er für einen Monat an den Zweitligisten Brighton & Hove Albion ausgeliehen. Am Donnerstag kam die Anfrage, am Freitag ging es nach Leeds, wo er am Samstag – ohne ein gemeinsames Training – mit Brighton spielte. Die erste von drei Partien. „Das war eine schöne Zeit“, sagt er. Und nicht nur, weil ihm die Studentenstadt am Meer gut gefiel.

Zurück in Deutschland ging es über die Stationen Kickers (Regionalliga) und TuS Koblenz zum MSV Duisburg (jeweils 2. Liga). Vor allem die Spielzeit 2010/11 in Duisburg „war ein intensives Jahr, das kam mir wie drei vor“. Yelldell spielte stark, erreichte das DFB-Pokalfinale (das allerdings 0:5 gegen Schalke verloren ging) und bestritt sein erstes (und einziges) Länderspiel für die USA. Das Jahr beim MSV war seine erfolgreichste Saison, dennoch sagt er: „Für mich war die beste Zeit das erste Jahr in Koblenz.“

"Leno hat eingeschlagen wie eine Bombe"

Eine noch bessere Zeit hätte in Leverkusen folgen können. Als dort 2011 Stammtorwart René Adler verletzt war, bekam Yelldell den Vorzug vor Fabian Giefer. Das erste Spiel – DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden – ging allerdings mit 3:4 verloren. Yelldell: „Da sieht man auch als Torwart nicht so gut aus.“ Der Platz im Tor war weg, und als dann auch noch Bernd Leno kam („Der hat eingeschlagen wie eine Bombe“), nicht mehr zu bekommen.

Trotzdem blieb Yelldell bis 2016 beim Werksclub, musste auf seinen ersten Bundesligaeinsatz aber bis zum letzten Spieltag warten. Eine verlorene Zeit? Yelldell: „Natürlich habe ich mir mehr erhofft, aber ich bin auch realistisch. Ich bereue nichts. Ich hatte fünf schöne Jahre, habe viel erlebt, war als Ersatztorhüter in Champions- und Euro-League-Spielen dabei und habe auf tollem Niveau trainiert.“

In Großaspach bremsten ihn Verletzungen aus

Dann klopfte die SG Sonnenhof Großaspach an. „Ich wollte noch einmal angreifen“, sagt Yelldell. Doch auch in Aspach lief es nicht optimal. „Ich hatte viele Verletzungen. Das kannte ich vorher gar nicht.“ Es reichte nur zu acht Einsätzen in der dritten Liga.

Seit Juli ist er nun Torwarttrainer bei der SG. „Das ist die Chance, nach der aktiven Karriere im Fußball zu bleiben.“ Bei der SG fühle er sich sehr wohl, und das Leben als Trainer habe seine Vorteile. Er komme morgens deutlich leichter aus dem Bett.

Dass es zur ganz großen Karriere nicht gereicht hat, kann er gut verschmerzen – als ehemaliger Landesligatorwart mit Champions-League-Erfahrung.


David Yeldell

  • Geboren am 1. Oktober 1981 in Stuttgart, wohnt jetzt in Winnenden
  • Jugendspieler bis zur C-Jugend bei VfL Waiblingen und Spvgg Rommelshausen, danach Stuttgarter Kickers und TSG Backnang.
  • Berufsausbildung: Gas- und Wasserinstallateur
  • Aktive Karriere bei den Kickers (Ober- und Regionalliga), Blackburn Rovers (Premier League), TuS Koblenz, MSV Duisburg (2. Liga), Bayer Leverkusen (1. Liga und Regionalliga), SG Sonnenhof (3. Liga).
  • Die SG spielt am Samstag in Unterhaching und erwartet am Dienstag den KSC zum Heimspiel.