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Der „Handball-Österreicher“ aus Korb

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Felix Klötzel in Aktion, hier im Turnierspiel gegen den TVB (vorne Martin Kienzle, hintern Djibril M’Bengue, Trainer Thomas König und Simon Baumgarten). © Jamuna Siehler

Mit 16 Jahren debütierte Felix Klötzel für ULZ Sparkasse Schwaz in der höchsten österreichischen Liga, seit dieser Saison spielt der Rechtsaußen beim Meister HC Alpla Hard. Vor acht Jahren zog die Familie aus Korb ins Nachbarland, wo Klötzel als „Handball-Österreicher“ gilt. „Ich bin Deutscher durch und durch“, sagt er – mit unverkennbarem österreichischen Dialekt.

Viermal in Folge holte sich der HC Alpla Hard die österreichische Meisterschaft, in dieser Saison indes wird’s mit der Titelverteidigung nichts werden: Im Halbfinale scheiterten die „Roten Teufel vom Bodensee“, wie sie sich nennen, am Nachbarn Bregenz. „Wir sind nicht ganz zufrieden mit der Saison“, sagt Felix Klötzel. „Wir hatten das Gefühl, dass wir etwas zu viele Pfiffe gegen uns bekommen haben.“ Andererseits sei Bregenz in beiden Play-off-Spielen die bessere Mannschaft gewesen.

Die Meisterschaft wäre die Krönung gewesen für den 20-jährigen Rechtsaußen, der bis zur C-Jugend das Trikot des SC Korb trug. Schon mit fünf Jahren kam er zum Handball, Trainerin bei den Minis war damals Marion Zerrer. Nach der Bezirksklassen-Meisterschaft mit den Korbern in der Saison 2007/2008 folgte ein Einschnitt im Leben des Realschülers: Aus beruflichen Gründen zog die Familie nach Tirol.

„Es war schon eine Umstellung, vor allem in der Schule“, sagt Klötzel, der eine 18 Jahre alte Schwester hat. Das Notensystem in Österreich unterscheide sich wesentlich von dem in Deutschland. Der Handball habe ihm die Eingewöhnung erleichtert, bereits am zweiten Tag trainierte er beim Team ULZ Sparkasse Schwaz. Er hatte Glück und erwischte einen guten Jahrgang. „Wir spielten fast jedes Jahr um die österreichische Meisterschaft.“ In der U 16 hat’s dann geklappt mit dem Titel.

Debüt in der Männermannschaft mit 16 Jahren

Die Trainer in Schwaz erkannten offensichtlich Klötzels großes Talent. „Sie fragten meine Eltern, ob sie mich schleifen dürfen“, sagt Klötzel. Das bedeutet so viel wie formen oder ausbilden. Für den Youngster selbst stand das außer Frage. „Ich bin immer schon sehr ehrgeizig gewesen, und meine Eltern haben mich stets unterstützt.“ Was wenig verwunderlich ist, schließlich ist die Familie sehr sportbegeistert: Fußball, Turnen, Tischtennis und Tennis standen unter anderem hoch im Kurs.

Mit 16 Jahren feierte Felix Klötzel, als einer der jüngsten Spieler überhaupt, sein Debüt in der Männermannschaft, die in der höchsten österreichischen Liga spielt. Dabei gelang ihm auch gleich ein Tor. Im Jahr darauf schlossen sich Innsbruck und das rund 30 Kilometer östlich gelegene Schwaz zum Projekt Handball Tirol zusammen. Mit diesem Team wurde Klötzel Österreichischer Vizemeister – und es ging weiter steil bergauf: Im Mai vergangenen Jahres klingelte das Handy, Felix Klötzel saß gerade als Beifahrer neben seiner Freundin Anita im Auto. Sein Vater war dran und sagte, Alpla HC Hard suche händeringend einen Rechtsaußen. „Im ersten Moment war ich schon perplex, das klang nicht wirklich realistisch.“ Nach ein paar Telefonaten und Treffen unterschrieb Felix Klötzel einen Zweijahres-Vertrag. Wobei sich der Youngster bewusst war, dass er zunächst in erster Linie die Backup-Rolle für den auf dem rechten Flügel arrivierten, international erfahrenen Michael Knauth einnehmen würde. Die Einsatzzeiten in der Liga waren entsprechend überschaubar. „Das war aber überhaupt kein Problem für mich, damit hatte ich ja gerechnet“, sagt Klötzel. „Michael ist ein sehr gewiefter Handballer, und ich komme super mit ihm aus.“

Spielpraxis sammelte Klötzel in der Juniorenmannschaft von Hard, und bereut hat er den Wechsel keine Sekunde. Im Gegenteil: „Ich habe mich persönlich weiterentwickelt.“ Einer seiner Förderer ist übrigens ein Deutscher: Der Co-Trainer und Nachwuchsleiter Severin Engelmann („Er hat mir viel beigebracht“) war vor Jahren bei der SG BBM Bietigheim zugange.

Als gebürtiger Waiblinger und Spieler des SC Korb verfolgt Klötzel natürlich die Entwicklung des TVB 1898 Stuttgart. Im Dezember 2013 trainierte er zwei Tage beim TVB mit, im August vergangenen Jahres spielte er mit dem Alpla HC Hard beim Pfänder-Cup in Bregenz gegen die Bittenfelder. „Das war schon etwas ganz Besonderes für mich, ich hatte viele Einsatzzeiten und habe auch Tore gemacht.“

Kontakt zur Familie Schweikardt bestehe immer noch, sagt er – und freut sich, dass der TVB den Ligaverbleib geschafft hat. „Ich hoffe, er bleibt lange in der ersten Liga. Die Voraussetzungen hierfür sind jedenfalls gut.“ Mit der mündlichen Prüfung hat Klötzel vor ein paar Tagen seine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen, nun hängt er eine dreijährige Zusatzausbildung an, die mit dem Abitur endet. Seine sportliche Karriere hat Klötzel weiter fest im Blick. Er werde versuchen, sich in Hard durchzusetzen und mehr Einsatzzeiten zu bekommen. Sein Motto lautet: „Immer kämpfen, nie aufgeben und auf die Chance warten.“

Wer weiß, vielleicht ergibt sie sich auch eines Tages bei einem anderen Verein. „Mal sehen, wo die Reise hingeht“, sagt Klötzel. Geografisch habe er sich der Heimat bereits angenähert mit dem Umzug von Schwaz an den Bodensee. Österreicher sind in der deutschen Bundesliga ja keine Exoten – wobei sich Klötzel klar bekennt. „Den Dialekt habe ich zwar angenommen, ich bin aber Deutscher durch und durch“, sagt er und schiebt lachend hinterher. „Wenn ich mal in der Nationalmannschaft spiele, dann nur für Deutschland.“

Felix Klötzel

Felix Klötzel wurde am 15. November 1995 in Waiblingen geboren. Er ist 1,80 Meter groß und wiegt 85 Kilogramm.

Von den Minis bis zur C-Jugend spielte der Rechtsaußen und rechte Rückraumspieler beim SC Korb.

Nach dem Umzug nach Tirol schloss er sich dem ULZ Sparkasse Schwaz an. Mit 16 debütierte Klötzel in der ersten Männermannschaft.

Zwei Jahre spielte er bei Handball Tirol, zur Saison 2015/2016 wechselte er zum fünffachen österreichischen Meister HC Alpla Hard. Sein Vertrag läuft bis zum Sommer 2017.

Klötzel gilt als „Handball-Österreicher“. So werden im Nachbarland Spieler bezeichnet, die vor ihrem 14. Lebensjahr in Österreich mit dem Handballspielen begonnen haben.