Rems-Murr-Sport

Der Marathonmann aus Winterbach

1/2
KutziasH2[1]_0
Hans Kutzias beim Lauf in Steinenberg – hier mit Wasser statt Weizenbier. © Mathias Ellwanger
2/2
KutziasH1
Hans Kutzias beim Lauf in Steinenberg – hier mit Wasser statt Weizenbier. © Steinemann / ZVW

Hans Kutzias läuft. Und läuft. Und läuft. Durchaus auch mal nachts um drei. Ehrgeizig nennt er sich, und doch nicht fixiert auf Zeiten und Platzierungen. „Ich muss nicht laufen, ich darf“, sagt er. Und wenn er nach einem Rennen im Ziel ist, zieht er zuweilen verwunderte Blicke auf sich.

Video: Hans Kutzias, Läufer aus Leidenschaft

Welzheim, 8. Mai 2015. Hans Kutzias hat vor wenigen Minuten den Marathonlauf nach 3:09:13 Stunden auf Platz drei beendet. Jetzt steht er auf dem Rasen des Sportplatzes bei der Justinus-Kerner-Halle, plaudert mit anderen Läufern und hält ein Weizenbier in der Hand. „Alkoholfrei?“, fragt der Reporter und erntet ein entsetztes „Nein! Natürlich mit!“

Die Zeitung berichtet über die gute Platzierung – und den Durst danach. Als Kutzias den Reporter Wochen später wieder trifft, sagt er: „Du hast was Falsches geschrieben.“ – „Wieso?“– „Du hast geschrieben, ich habe zwei Weizenbier getrunken. Es waren drei.“ Dazu grinst er breit.

Laufen ist für Hans Kutzias ein großer Spaß. Und der fängt dort an, wo er für die meisten längst aufgehört hat. Die Geschichte von Welzheim ist mit dem Weizenbier nur halb erzählt. Kutzias ist an diesem Tag nicht nur den Marathon durch den Welzheimer Wald gelaufen. Er ist zuvor auch von Winterbach nach Welzheim gejoggt – und danach wieder zurück. „Eine lange Trainingseinheit“, sagt er. 72 Kilometer.

Wie kommt man auf die Idee, so viel und so lange zu laufen? „Ich habe immer Sport getrieben“, erzählt Kutzias. Fußball, Eishockey (in Adelberg und Stuttgart). Doch als vor 26 Jahren die Kinder geboren werden, sind feste Trainingszeiten ein Problem. Was also tun? „Laufen kann man immer.“

Der Mann aber, der 64 Marathons hinter sich hat und drei Läufe über 100 Kilometer, scheitert zu Beginn an 2,4 Kilometern. „Ich hab’ dreimal anhalten müssen.“

Doch er ist ehrgeizig. „Erst läuft man zehn Kilometer, dann mal einen Halbmarathon. Dann willst du einen Halbmarathon unter zwei Stunden laufen, dann unter 1:45, dann unter 1:30.“ Schließlich folgt das Spiel auf der doppelten Distanz. Hier allerdings komme man an einen Punkt, an dem einen nur „brutales Tempotraining“ noch weiterbringt. „Und das tut wahnsinnig weh.“

Kutzias drückt seine Marathonbestzeit schließlich auf 2:39 Stunden. Davon träumen viele. Der Winterbacher aber träumt von anderem: Er steigt um auf Ultraläufe. Das bedeutet hohe Trainingsumfänge. „Ich komm’ heim von der Arbeit, trink’ einen Kaffee, ess’ einen Kuchen und dann geh’ ich zum Laufen.“ Zur Vorbereitung auf einen 100-Kilometer-Lauf kommen in der Woche 120 bis 130 Kilometer zusammen.

Das Training ist ihm mindestens so wichtig wie die Wettbewerbe. „Wenn man durch den Wald läuft und sieht ein Reh oder einen Feuersalamander – das ist ein absoluter Traum.“ Oder man blickt nach einem Rennen direkt auf das Matterhorn: „Gigantisch.“ Das bringt dem Winterbacher „innere Zufriedenheit“. Und Gesundheit. Um sich herum habe er ständig Menschen, die es hier oder da zwickt. „Mir geht’s blendend.“

Dass sein Hobby womöglich schon zur Sucht geworden ist, weist er weit von sich. Ohne Sport aber, gesteht er, könne er nicht sein. Zu seinem persönlichen Glück allerdings gehöre es auch, am Vatertag mal ein Bier zu viel zu trinken oder von der SchoWo erst früh morgens heimzukommen.

In Ulm hat er sich vor kurzem einen weiteren Traum erfüllt: 100 Kilometer unter zehn Stunden zu laufen. Und weil Hans Kutzias kein Läufer ist wie jeder andere, ist ihm das in einer besonderen Zeit gelungen: 9:59:59 Stunden.

Hans Kutzias

... ist KFZ-Mechaniker

und über 100 Kilometer in Ulm Siebter unter 81 Startern geworden.