Rems-Murr-Sport

Der nächste Schritt zum Profi

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Miranda Wilson spielt zwar weiterhin für die SG Schorndorf, lebt und trainiert künftig aber in Mühlheim/Ruh am Olympiastützpunkt. © Kolb

Miranda Wilson hat es schon weit gebracht. Die 16-jährige Badmintonspielerin der SG Schorndorf ist im Nationalkader, mehrfache Deutsche Jugendmeisterin und Mitglied der Schorndorfer Zweitliga-Mannschaft. Doch sie hat höhere Ziele. Sie möchte Profi werden. Deshalb hat sie Schorndorf nun verlassen. Allerdings nicht ganz.

Soweit sie Zeit hat, wird sie weiterhin in der Zweitligamannschaft der SG spielen. Ansonsten ist ihr Lebensmittelpunkt nun Mühlheim an der Ruhr. Dort besucht sie das Internat, das dem Olympiastützpunkt angeschlossen ist. Benjamin Wahl, Manager und Trainer der Schorndorfer, steht hinter der Entscheidung seiner besten Nachwuchsspielerin: „Das ist der notwendige Schritt auf dem Weg zum Profi.“

Schon im vergangenen Jahr hätten die Mühlheimer Miranda Wilson gerne bei sich gehabt. Doch die entschied sich zusammen mit ihrem Vater Gunter Bialasik dagegen. „Der Schulabschluss war wichtiger“, sagt der Vater. Zudem sei solch ein Schritt durchaus nicht ohne Risiko. Es gebe genügend Beispiele, in denen Spieler zu früh den Weg beschritten haben und gescheitert sind. Bialasik: „Die haben zu viel gewollt und sich übernommen.“

Seiner Tochter traut er den Schritt jetzt aber – mit dem Realschulabschluss in der Tasche – zu. Er kennt sie am besten, als Vater und als Trainer. Der Wechsel zum Olympiastützpunkt komme nun genau richtig. Dort sei für Frauen das Umfeld optimal. „Dazu gibt es keine Alternative in Deutschland.“

Mühlheim bietet mehr und bessere Trainingseinheiten

Das sieht auch die Tochter so. „Ich habe dort ein noch besseres Umfeld, mehr Trainingseinheiten und bessere Qualität in den Einheiten“, sagt Miranda Wilson. In Schorndorf trainierte sie sieben-, achtmal in der Woche. In Mühlheim kämen weitere zwei, drei Trainingseinheiten hinzu. Auf höchstem Niveau.

„Wir haben auch in Schorndorf Topbedingungen“, sagt Bialasik. Und seine Tochter hätte in der Zeit bei der SG Riesenfortschritte gemacht. „Aber wenn man mal den Schritt vor Augen hat, dass sich die Tür öffnet für die Olympiade, dann ist man an einem solchen Stützpunkt gut aufgehoben.“ Zum besten Training und zur besten Beratung kommen auch die besten Beziehungen hinzu. Benjamin Wahl: „Als Einzelkämpfer hat man immer mit Problemen zu kämpfen.“ Beispielsweise wenn es um Nominierungen geht. „Wir denken, wenn sie jetzt vor Ort ist, dann kann nichts mehr an ihr vorbeilaufen.“

Miranda Wilson fühlte zwar den Trennungsschmerz, die Freude auf die neue Aufgabe jedoch überwog. Schließlich hat sie große Ziele: die Olympischen Spiele und irgendwann einmal als Profi von ihrem Sport leben zu können. Dazu allerdings müsste sie es in die internationale Spitze schaffen.

Bialasik: „Der neue Weg hat eine neue Qualität. Aber es gibt keine Garantie. Miranda muss eine Menge investieren in diesen Prozess.“

Benjamin Wahl ist zuversichtlich, dass es sein Schützling schafft: „Miranda ist unglaublich diszipliniert.“ Als sie in Schorndorf begann, habe sie weniger Technik lernen müssen als vielmehr, „dass der Körper auch mal Ruhe braucht“.

Von der wird sie künftig in Mühlheim allerdings sicher weniger haben als in den vergangenen sieben Jahren in Schorndorf.

Miranda Wilson:

Geboren am 6. April 2000, stammt aus Stuttgart.

Seit 2009 bei der SG Schorndorf

Jugend-Nationalspielerin, mehrfache Deutsche Jugendmeisterin. Es wären noch mehr zusammengekommen, wäre sie nicht oft in einer höheren Altersklasse angetreten.

Ihr Ziel ist es, Profi zu werden. Als deutscher Spitzenspieler kann man 80 000 bis 100 000 Euro im Jahr verdienen, allerdings nur, wenn man gleichzeitig internationale Spitze ist. Allerdings, so SG-Mananger Benjamin Wahl, „stocken die Turniere die Preisgelder gerade immer mehr auf. In zehn Jahren kann man wahrscheinlich auch in Deutschland Badmintonmillionär werden.“