Rems-Murr-Sport

Der "Psycho" als Erfolgsgarant

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Sven Helferich (links) mit dem Werkstatt-Chef des Rosbergteams, Armin Joerß. © Klaus-Eckhard Jost

Sven Helferich ist Physiotherapeut in Waiblingen – und weltweit an Rennstrecken aktiv. Wer ihn dieser Tage sieht, dem zeigt er drei Finger. Jeder einzelne steht für eine Meisterschaft, an der Helferich beteiligt war, und das nicht nur als Physiotherapeut.

29. September. Auf dem Sachsenring findet das Finale des ADAC-GT-Masters statt. Als Sieger überqueren der Schweizer Patric Niederhauser und Kelvin van der Linde (Südafrika) im Audi R8 des Teams HCB-Rutronic-Racing als Erste die Ziellinie. Und sind damit Meister. In der Box steht Sven Helferich mit einem breiten Grinsen im Gesicht, betreut er doch die beiden Rennfahrer auch im mentalen Bereich.

6. Oktober. Als letzte Entscheidung beim DTM-Finale in Hockenheim steht die in der Teamwertung an. Die einzigen Kandidaten: die beiden Audi-Teams Abt und Rosberg. Dank Platz drei von Meister René Rast und Platz fünf durch Jamie Green geht der Pokal an das Team des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg. In der Garage klatscht Helferich mit den Mechanikern ab. Seit 2014 betreibt er mit diesen ein spezifisches Krafttraining, übt permanent die Boxenstopps und versucht, ihnen durch Hilfestellungen die Angst vor dem Versagen beim Reifenwechsel zu nehmen.

Sogar einen US-Titel hat er auf der Liste

13. Oktober. Auf der Rennstrecke Road Atlanta wird das letzte Rennen der IMSA-Saison 2019 ausgetragen. Mit am Start des Zehn-Stunden-Rennens in Braselton im US-Bundesstaat Georgia sind die beiden Porsche-Piloten Laurens Vanthoor und Earl Bamber. Das belgisch-neuseeländische Duo kommt zwar nur als Fünfter ins Ziel, zum Titel in der US-amerikanischen Langstreckenmeisterschaft reicht dies nach drei Siegen trotzdem. Im 7440 Kilometer entfernten Waiblingen ballt Helferich die Siegerfaust. Seit acht Jahren arbeitet er mit dem 28-jährigen Rennfahrer aus Belgien zusammen.

Laurens Vanthoor war einer der ersten Kunden von Helferich, als dieser im Frühjahr 2011 seine Zusatzausbildung zum Mentaltrainer abgeschlossen hatte. Der Kontakt kam über den Waiblinger Riccardo Brutschin zustande. Dies war Helferichs Einstieg in den Motorsport. Die Zusammenarbeit hält bis heute an.

Für VfL und TVB im Einsatz

Davor hatte Helferich, der früher selber auf hohem Niveau Fußball gespielt hatte, verschiedene Mannschaften in der Region als Physiotherapeut betreut. Zuerst die Handballer des VfL Waiblingen, danach begleitete er die erste Mannschaft des TV Bittenfeld auf ihrem märchenhaften Erfolgsweg bis in die zweite Liga. Darauf folgte für zwei Jahre ein Wechsel zu den Fußballern der SG Sonnenhof Großaspach. Dann kam Vanthoor – und Helferich war mit dem Motorsport-Virus infiziert.

Seit fünf Jahren fährt er jede Woche nach Neustadt an der Weinstraße zum Team Rosberg. Zunächst hat Helferich in einer Ecke einer Werkstatt einen Kraftraum eingerichtet, danach den Mechanikern und Ingenieuren einen individuell angepassten Trainingsplan ausgearbeitet.

Schließlich wiegen die Räder knapp über 20 Kilogramm und müssen schnell aus den engen Radkästen rausgewuchtet und wieder auf die Achse gesteckt werden. Weil es dabei auf Zehntelsekunden ankommt, wird dies nicht nur regelmäßig geübt. Bei den drei Mechanikern pro Seite kommt es auch auf absolute Harmonie an.

Entscheidend: Der Glaube an das Ziel

Vor dieser Saison war das HCB-Rutronic-Team auf ihn aufmerksam geworden und hat sich seine Dienste gesichert. Neben den Meistern van der Linder und Niederhauser kümmert er sich noch um die zweite Fahrerpaarung mit Carrie Schreiner (Völklingen) und Dennis Marschall (Eggenstein-Leopoldshafen).

Und um die richtige Einstellung. In Gesprächen versucht Helferich, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Das Ziel sei es, „dass der Glaube an das Ziel größer ist als die negativen Gedanken“.

Unterstützend setzt Helferich dabei auf Frequenzmusik. Die läuft regelmäßig auch in der Werkstatt des Teams Rosberg.

„Unser Psycho ist wieder da“, sagt Teamchef Arno Zensen, wenn er die Töne hört. Auf das Ergebnis aber möchte er nicht verzichten.