Rems-Murr-Sport

Der Sportbetrieb ruht wegen Corona: Was hat der Vereins-Vorstand jetzt eigentlich zu tun?

vfl winterbach
Lothar Balle und Michael Rieger vor dem Winterbacher Sportgelände. Rieger, bewaffnet mit einer Starterklappe, die er benötigt, um Raben zu erschrecken. Die graben derzeit den Winterbacher Rasenplatz um. © Niederführ

Noch bis zum Monatsende sind die Sportvereine durch den Corona-Teillockdown lahmgelegt; mindestens. Niemand spielt Fußball, Handball oder turnt. Eine wunderbare Zeit für die Funktionäre. Endlich einmal nichts zu tun, oder?

„Das täuscht“, sagt Lothar Balle, Mitglied im fünfköpfigen Vorstandsteam des VfL Winterbach. „Die Arbeit ist nicht weniger geworden, die schönen Dinge darunter allerdings schon.“ Auch ein Vorsitzender mag es, sich mit Kollegen von Angesicht zu Angesicht zu treffen, sich dabei nicht nur über die Aufgaben im Verein zu unterhalten und am Wochenende ein Fußball- oder Handballspiel zu besuchen. Alles gerade nicht möglich.

Und so bleibt Lothar Balle und seinem Vorstandskollegen Michael Rieger vor allem eines: sich Sorgen zu machen. „Thema Nummer eins ist gerade die Finanzplanung“, sagt Rieger. „Wir sind ein gesunder Verein, hängen nicht von der Gemeinde oder einem Sponsor ab, sondern erwirtschaften alles selbst.“ Und gerade das ist nun nicht möglich. Veranstaltungen sind nicht erlaubt.

Absehbar dagegen sei, dass Geld benötigt wird. „Das Vereinsheim mit den Umkleidekabinen ist 40 Jahre alt.“ Hier stehen Renovierungsarbeiten an. „Das wird in Zukunft unser größtes Projekt“, sagt Rieger. Und das teuerste.

Sorgen um die Finanzen ...

Die Finanzplanung ist problematisch, weil nicht absehbar ist, ob und, wenn ja, wie viele Mitglieder austreten werden (und ob weiterhin kaum neue hinzukommen), und weil offen ist, wann Veranstaltungen wieder möglich sind, um Einnahmen zu kreieren. Deshalb hat sich auch der VfL Winterbach nach langem Zögern dazu entschlossen, die Soforthilfe Sport beim Land zu beantragen. Eine Menge Arbeit sei das für die Vorstandsmitglieder gewesen, obwohl der VfL als Verein mit 2500 Mitgliedern eine Geschäftsstelle hat.

Kümmern können sich Rieger und Kollegen jetzt um Dinge, die bisher liegengeblieben sind, kümmern müssen sie sich um die Sorgen und Nöte der einzelnen Abteilungen, und sei es nur ein Bewirtungswagen, der irgendwo auf dem Sportgelände einen Platz finden muss. Gibt’s keine einfache Lösung, sind womöglich Gespräche mit der Gemeinde nötig, weil ein Bauantrag fällig wird. „Da stecken bestimmt zehn, zwölf Stunden Arbeit drin“, sagt Rieger.

... die Ehrenamtlichen

Gleichzeitig müssten Abteilungsleiter, Trainer, Eltern einerseits beruhigt, andererseits auch motiviert werden, weiterzumachen, die Kinder nicht abzumelden, den Trainerjob nicht aufzugeben. Seinen Ehrenamtlichen könne er aktuell zudem nicht einmal eine kleine Anerkennung in Form einer Weihnachtsfeier bieten. „Und du bestrafst sie auch noch mit einer geringeren Spendenbescheinigung, weil sie ja weniger Zeit für den Verein aufbringen.“

Rieger macht sich deshalb große Sorgen um die Zukunft. „Wir merken, dass die Abteilungen immer unsicherer werden, weil sie nicht wissen, wo’s hingeht.“ Den ersten Lockdown habe der VfL noch gut gemeistert, er habe kaum Trainer und Mitglieder verloren. „Der zweite aber hat uns brutal ausgebremst.“ Gerade war es wieder aufwärtsgegangen, kehrte Leben auf das Sportgelände zurück, jetzt ist nur noch Stille. Unterbrochen lediglich von Riegers Versuchen, mit eine Klatsche die Raben zu verjagen, die derzeit den Rasensportplatz – auch ein Corona-Opfer - umgraben.

Schon im Sommer sei auffällig gewesen, wie der Sportentzug manche Kinder verändert habe. Vor allem Einzelkinder seien teilweise verstört (ich statt wir) zurückgekehrt. Jetzt fürchten die Winterbacher, dass viele Kinder gar nicht mehr kommen werden. Im Fußball hatte der VfL vor einigen Jahren Nachwuchsprobleme, mittlerweile sind wieder alle Jahrgangsstufen besetzt, teilweise mehrfach. Das könne jetzt in kürzester Zeit in sich zusammenbrechen.

... und um die Hallensportarten

Am schlimmsten könnte es jedoch Handballer und Turner treffen. Wenn in der Halle kein Sport erlaubt sei, „dann sind bei uns davon mit einem Schlag 50 Prozent der Mitglieder betroffen“, sagt Rieger. Vor allem Kinder. „Das treibt die Leute in die Perspektivlosigkeit. Die muss man bei Laune halten, sonst sind sie weg.“ Was die Halle betrifft, müsse sich auch die Gemeinde Gedanken über Lüftungsanlagen machen.

Der VfL, so Rieger und Balle, mache sich intensiv Gedanken darüber, wie er sein Angebot trotz der Einschränkungen attraktiv halten oder noch attraktiver machen kann. Falle beispielsweise 2021 das größte Winterbacher Fest, das Brunnenfest, erneut aus, dann will der VfL ein eigenes Sportfest anbieten. Ziel sei dabei nicht in erster Linie, Geld zu verdienen. Aber der Verein müsse sich präsentieren.

Arbeit also, so Rieger und Balle, gebe es weiterhin genug. Geringer geworden sei letztlich nur der Teil, der Spaß macht.

Noch bis zum Monatsende sind die Sportvereine durch den Corona-Teillockdown lahmgelegt; mindestens. Niemand spielt Fußball, Handball oder turnt. Eine wunderbare Zeit für die Funktionäre. Endlich einmal nichts zu tun, oder?

„Das täuscht“, sagt Lothar Balle, Mitglied im fünfköpfigen Vorstandsteam des VfL Winterbach. „Die Arbeit ist nicht weniger geworden, die schönen Dinge darunter allerdings schon.“ Auch ein Vorsitzender mag es, sich mit Kollegen von Angesicht zu Angesicht zu treffen,

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