Fußball im Rems-Murr-Kreis

Deutscher Fußball-Bund zeichnet Sascha Geck vom SV Breuningsweiler aus

Sascha Geck
Sascha Geck vom SV Breuningsweiler freut sich über die beiden Auszeichnungen, die er vom Deutschen Fußball-Bund und Württembergischen Fußballverband für seine Verdienste im Fußball bekommen hat. © Gabriel Habermann

Spielgemeinschaften und Kooperationen bündeln Kräfte, halten den Spielbetrieb am Laufen und bieten Kindern und Jugendlichen die Chance, zumindest in der Nähe ihres Wohnorts ihrer Leidenschaft nachzugehen. Vor 15 Jahren schlossen sich zwei Fußballvereine aus Winnender Stadtteilen und einer aus Berglen zusammen – mit einem einzigartigen Konzept: Die Jugendlichen werden auch abseits des Fußballplatzes betreut, sie bekommen Unterstützung in der Schule und im Berufsleben.

Doppelte Ehrung

Sascha Geck vom SV Breuningsweiler ist nun für seine Verdienste und Leistungen in diesem Projekt, aber auch für mehr als 35 Jahre im Fußball insgesamt in verschiedenen Tätigkeiten, gleich zweimal ausgezeichnet worden: mit der Ehrennadel in Bronze des Württembergischen Fußballverbands (WFV) und der Ehrenamtsurkunde des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Schon lange blicken die Fußballvereine bei ihrer jährlichen Bestandsaufnahme mit einer Mischung aus Hoffen und Bangen auf ihre Jugendteams. Nach dem Schäfchenzählen stellt sich häufig die Frage: Werden wir in diesem und jenem Jahrgang in der nächsten Saison noch ausreichend Kinder und Jugendliche haben, um den Spielbetrieb zu gewährleisten?

Ein Team der Gleichgesinnten

So ging’s auch dem SSV Steinach-Reichenbach Mitte der 2000er Jahre. „Wir wurden mit der C-Jugend in der Kreisstaffel Meister, hätten aber im nächsten Jahr keine Mannschaft stellen können“, sagt Sascha Geck, damals Jugendleiter im Verein. „Aus diesem Kreislauf wollten wir raus.“ Also schaute sich der SSV nach Partnern um - und fand sie im SV Breuningsweiler und VfR Birkmannsweiler. „Wir hatten das große Glück, auf gleichgesinnte Menschen zu treffen“, sagt Geck. „Ohne Hannes Stanke, Mike Kristen und meine Stellvertreterin Marina Brandstetter wäre das Projekt wohl kaum zustande gekommen.“ Von Beginn an treue Partner und Ratgeber gewesen seien Thommy Weller (CEO Harro Höfliger), Kärcher-Chef Hartmut Jenner und der Trikot-Sponsor Dirk Kallenberg (GF Just Pack GmbH).

Die Suche nach einem Namen für die Spielgemeinschaft wurde zu einem kleinen Abenteuer. Der WFV wollte eine Örtlichkeit im Namen sehen. „Eigentlich wäre Lehnenberg die geografische Mitte gewesen, aber SMG Lehnenberg passte irgendwie nicht“, so Geck. „SGM Berglen hätte zur Landschaft gepasst, aber den Ort gibt’s ja nicht.“ So einigten sich die Verantwortlichen auf SGM BSB Juniorteam.

Verzicht auf Aufstiege

Schon im Gründungsjahr waren die D-, C-, B- und A-Jugendmannschaften doppelt besetzt, im zweiten Jahr war das Juniorteam in sämtlichen Altersklassen in der höchsten Liga im Bezirk vertreten. Vom Start weg lautet das Motto: Kinder- und Spaßfußball bis zur D-Jugend, danach sollten die Besten in der ersten Mannschaft und die anderen in der zweiten spielen. Dieses Prinzip sei stets offen kommuniziert worden gegenüber den Eltern. „Und es hat gut funktioniert.“

Bei der Masse an Spielern und Teams bleiben Erfolge logischerweise nicht aus. Bei Meisterschaften und damit verbundenen Aufstiegen wägten die Verantwortlichen allerdings ab. So sei mehrmals auf einen Aufstieg verzichtet worden, weil klar gewesen sei, dass die höhere Liga mit den eigenen Spielern nicht zu stemmen gewesen wäre. „Wenn wir auswärtige Spieler holen, die nur wegen der Liga wechseln, kommen unsere eigenen nicht mehr zum Spielen.“ Also hinge sich die Spielgemeinschaft lieber einen weiteren Meisterwimpel an die Wand und organisierte schöne Fest und Ausflüge oder mietete das komplette Kino in Winnenden an.

Unterstützung abseits des Spielfelds 

In der A- und B-Jugend habe es hin und wieder Diskussionen über den Aufstiegsverzicht gegeben. „Wir haben aber immer gesagt, das ist nicht unsere Kragenweite“, sagt Geck. Schließlich ging’s – und geht’s – bei der Spielgemeinschaft nicht nur um die sportliche Weiterentwicklung der Jugendlichen, sondern um ein ganzheitliches Projekt: Sport, Schule und Beruf sollen unter einen Hut gebracht werden. „Wir möchten für die Kinder und Jugendlichen unserer drei Vereine da sein, wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gibt“, sagt Geck. Wenn einer super kicken könne, aber beispielsweise in Mathe nicht so gut sei und vielleicht deswegen keine Lehrstelle bekomme, „schauen wir, dass wir in der Schule helfen oder ein Praktikum vermitteln können“. Es sei aber keinesfalls so, dass ein Spieler automatisch eine Lehrstelle bekomme, nur weil er hier spiele. „Wir öffnen die Tür zum Bewerbungsgespräch, durchgehen muss der Spieler oder die Spielerin selbst.“

Unterstützt wird das Projekt von etlichen Firmen wie Höfliger, Kärcher oder Just Pack. Die IHK bietet eine Berufsberatung an, die AOK hilft bei den ersten Schritten im Beruf. Auch die Eltern hätten Beratungsbedarf. „Wir versuchen, ein breites Spektrum abzudecken. Sport ist die schönste Nebensache der Welt und für viele wichtig“, sagt Geck. Das Wichtigste sei aber das Leben, und da gehörten die Schule und eine Ausbildung dazu. „Wir freuen uns, wenn wir sozial schwachen Jugendlichen helfen und eine Perspektive aufzeigen können, die keine Unterstützung von daheim haben.“

Kritische Konkurrenz

Sascha Geck ist stolz auf das „einzigartige Modell“, das auch von der Politik gelobt und von anderen gerne kopiert werden darf. „Für uns ist das der richtige Ansatz, den wir auch bei den Aktiven weiterführen.“ So würde jungen Menschen ein Praktikum vermittelt. „Oder wir schauen, dass sie in ein Duales Studium reinrutschen.“ Viele Betriebe suchten Fachkräfte und seien froh, dass sie Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen könnten. „Es ist eine Win-win-Situation. Wir freuen uns, wenn sie untergekommen sind und wir ein bisschen mitgeholfen haben.“

Das indes sieht nicht jeder so. Seit Jahren wird der SV Breuningsweiler von der Konkurrenz kritisch beäugt, tauchen doch im Kader der ersten Mannschaft immer wieder namhafte Spieler auf. Oder zumindest welche, die in höheren Ligen aktiv waren. „Viele nennen uns den FC Chelsea“, sagt Geck und schmunzelt. „Da stehen wir drüber. Ich sage immer, Neid ist die höchste Form der Anerkennung.“

Die meisten Kritiker hätten keinen Einblick. Sicherlich habe Breuningsweiler Spieler, die bis zur dritten Liga gespielt hätten. Die jedoch seien ehrgeizig, motiviert und hätten ein Ziel. „Sie haben parallel zum Sport studiert und werden nicht eingestellt, weil sie gut kicken können. Wir sind sehr gut damit gefahren, sonst würden wir das ja nicht immer wieder machen.“

Sascha Geck ist stolz darauf, dass es die Spielgemeinschaft heute noch immer gibt. Aktuell sind die Jugendklassen überwiegend nur noch einfach besetzt, und seit einem Jahr gibt’s auch einen neuen Partner: Die Sportfreunde Höfen-Baach haben den SSV Steinach-Reichenbach ersetzt, „der einen eigenen Weg gehen wollte“. Geck ist sehr froh darüber, dass sich die Sportfreunde angeschlossen haben. Zu dritt sei die Spielgemeinschaft stärker und kriege auch die Trainerfrage besser geklärt. „Ich hoffe, das Projekt bleibt uns erhalten. Eine Garantie hat man natürlich nie.“

Schönster Sportplatz Württembergs

Ziemlich sicher behalten wird der SV Breuningsweiler einen - inoffiziellen - Titel, der ihm vor ein paar Jahren verliehen worden ist. Seit der SVB in der Verbandsliga spielte, werden die Partien im Internet übertragen. Die Düsseldorfer Firma, welche die dazu nötigen Kameras installierte, war begeistert von der Lage des Sportgeländes mit ausschweifendem Blick über die Weinberge - und kürte die Anlage zum „schönsten Sportplatz Württembergs“.

Die Verantwortlichen des SVB nutzten diese Steilvorlage und warben mit dem Slogan „Football on a higher level“ - Fußball auf einem höheren Niveau. „Das wurde uns wieder als Arroganz ausgelegt“, sagt Geck und zuckt mit den Schultern. Dabei sei der Spruch anders gemeint gewesen. „Wir hatten auf der Dauerkarte nur die Höhenmeter drauf.“

Spielgemeinschaften und Kooperationen bündeln Kräfte, halten den Spielbetrieb am Laufen und bieten Kindern und Jugendlichen die Chance, zumindest in der Nähe ihres Wohnorts ihrer Leidenschaft nachzugehen. Vor 15 Jahren schlossen sich zwei Fußballvereine aus Winnender Stadtteilen und einer aus Berglen zusammen – mit einem einzigartigen Konzept: Die Jugendlichen werden auch abseits des Fußballplatzes betreut, sie bekommen Unterstützung in der Schule und im Berufsleben.

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