Rems-Murr-Sport

Die älteste Mannschaft Deutschlands

Prellballsenioren
Die Senioren-Prellballer des VfL Waiblingen. Von links Werner Reichl, Klaus Held, Karlheinz Bareis, Fritz Schelling, Eduard Pfisterer, Ferdinand Baur, Jochen Lene, Kurt Kurz, Ulrich Link, Fred Wörner, Herbert Wolf, Manfred Link und Gerhard Bracht. © Jamuna Siehler

Vier Spieler, eine Mannschaft, 362 Jahre – das ist kein Tippfehler, dennoch kaum zu glauben. Deshalb ist sich der VfL Waiblingen auch sicher, die älteste Prellballmannschaft Deutschlands zu stellen. Der Jüngste ist 87, der älteste 97.

Nun gut, die vier treten nicht mehr bei Turnieren an, sondern messen sich mit ihren Kollegen der Heinrich-Arnold-Riege beim Training am Freitagabend, aber das muss ihnen erst mal einer nachmachen. Wo sich doch nicht wenige ihrer Altersgenossen nur mit Rollator fortbewegen können.

Gerhard Bracht ist mit 87 sozusagen das Nesthäkchen der Truppe. Er war überdies viele Jahre lang im Turngau Rems-Murr für Prellball zuständig. Ferdinand Baur ist ein Jahr älter, Fritz Schelling, früher Vorsitzender des VfL, hat schon die Neun an erster Stelle und Kurt Kurz geht stramm auf die Dreistelligkeit zu. 97 Jahre ist er und betreibt heute noch – wieder kein Tippfehler – jeden Tag Sport.

Hauptsächlich mit dem Fahrrad ist er unterwegs. Früher, erzählt er, sei er Rennen gefahren, heute besucht er Freunde. 8000 Kilometer pro Jahr ist er problemlos unterwegs, wenn ihn nicht gerade ein Wildschwein vom Sattel holt.

Nur die Wildsau kann Kurt Kurz bremsen

Kurz’ Riegen-Kollege Werner Reichl (auch schon mal VfL-Vorsitzender und mit 75 Jahren fast ein Jungspund) erinnert sich gut daran: „Wie ich gehört habe, bei Schwaikheim ist einer von der Wildsau überrannt worden, war mir sofort klar: Das kann nur der Kurt sein.“ Ein Gutes hatte der Unfall. Reichl: „Jetzt fährt er mit Helm.“

Das ist dringend nötig, denn er zieht bei jedem Wetter los. Warum? „Ich fahr’ den jungen Mädle nach.“ Das Problem: „Die fahren mir davon.“

Wer weiß, wozu’s gut ist. So hat er noch Zeit – wie auch Ferdinand Baur –, zweimal in der Woche eine weitere Gymnastikgruppe des VfL zu besuchen.

Die vier haben in ihrer Jugend allesamt jede Menge Sport betrieben, zumeist in mehreren Sportarten. Da hört man doch nicht auf, nur weil man plötzlich 70 ist. Oder 80. Oder 97.

Ganz so flott wie früher geht’s zwar in der Halle nicht mehr zu, aber intensiv. Am Freitagabend stehen zunächst 45 Minuten Gymnastik an (geleitet von Helmut Wurst), danach wird noch einmal so lange Prellball gespielt. Und weil das immer noch nicht reicht, schließt sich Phase drei an: Stammtisch in der VfL-Gaststätte.

So viel Spaß das Training auch macht, die Prellball-Senioren haben auch Sorgen. Werner Reichl: „Ein bisschen Schwund ist schon.“ Es mangelt überdies an Nachwuchs.

Vielleicht fühlt sich ja nun einer angesprochen und will die Truppe – zwischen 15 und 19 kommen regelmäßig am Freitagabend – aufstocken. Und damit er sich ungefähr vorstellen kann, was da abgeht, kann er sich unser Video anschauen. Vorsicht: Ganz heiße Sache.

Die Heinrich-Arnold-Riege

Die Gymnastikgruppe im VfL Waiblingen gibt es bereits seit 1948. Ursprünglich hieß sie Männer-Altersriege und betrieb Gymnastik und Faustball.

Erster Übungsleiter war Heinrich Arnold. Zu dessen Ehren wurde die Riege 1955 in Heinrich-Arnold-Riege umbenannt.

Prellball wird erst seit 1968 gespielt.

Aktueller Übungsleiter, seit 1977 bereits, ist Helmut Wurst. Trainiert wird freitags von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr.