Rems-Murr-Sport

Die befreiende Kraft des Atems

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Thema - ENTSPANNUNG  31-01-03
Thema - ENTSPANNUNG 31-01-03 Foto - Pavlovic © Pavlovic
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Katja Ostertag
Katja Ostertag. Foto: AOK © privat

„Jetzt erst mal richtig durchatmen!“ - Wer würde das in Anbetracht der schwierigen Zeit nicht gerne tun? Katja Ostertag, Sportfachkraft bei der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr, erläutert, wie bei Stress bewusste Atemübungen eine befreiende Wirkung ermöglichen.

Viele Dinge, die wir gerade erleben, nehmen uns mitunter sprichwörtlich den Atem: ungewisse Situationen, Angst vor Ansteckung oder Angst um unsere Arbeit und unsere Existenz. Vielleicht ist es aber auch die belastende Situation zu Hause, Kinderbetreuung und Arbeit unter einen Hut zu bringen oder die soziale Isolation.

All diese Stressauslöser versetzen unseren Körper in Alarmbereitschaft und erhöhen den Blutdruck und die Atemfrequenz. Außerdem steigt auch unser Muskeltonus an und kann bei länger andauernden seelischen Belastungen zu spürbaren Muskelverspannungen führen. Ein mögliches Gegenmittel sind konzentriert durchgeführte Atemübungen. Sie können in kritischen Situationen ein wichtiges Entlastungswerkzeug sein, um Ruhe zu bewahren und zu einer gesunden Balance zurückzufinden.

Die eigene Widerstandsfähigkeit gegen Stress (in Fachkreisen auch Resilienz genannt) kann also verbessert werden, indem wir lernen, uns in aufreibenden Situationen selbst zu regulieren. Mit bewusst eingesetzter Atemtechnik helfen wir zudem, unsere Lunge besser zu belüften und so unseren Körperzellen genügend Sauerstoff zur Verfügung zu stellen. Damit schaffen wir es, überschießende Erregung, Beklemmung oder Angst abzubauen und anstehende Aufgaben mit klarem Kopf und mit mehr Energie zu bewältigen.

Atmen gegen den Stress

Probieren Sie folgende Übung für akute Stresssituationen aus:

Setzen Sie sich aufrecht und locker auf einen Stuhl. Stellen Sie die Füße flach auf den Boden. Legen Sie die Handflächen leicht auf die Oberschenkel. Schließen Sie sanft die Augen oder öffnen Sie sie nur halb.

Atmen Sie nun etwas tiefer ein und nach dem Einatmen ohne Pause gleich ganz langsam wieder aus. Die Ausatmung wird gezügelt. Das heißt, sie erfolgt langsamer als sonst beim normalen Ausatmen. So dauert das Ausatmen deutlich länger als das Einatmen (etwa drei Sekunden Einatmen und sechs Sekunden Zeit zum Ausatmen). Nach dem Ausatmen ergibt sich automatisch eine kleine Pause, bevor erneut das Einatmen beginnt.

Versuchen Sie, sich dabei vorzustellen, wie Sie mit der Einatmung neue Kraft, frischen Sauerstoff und Energie auftanken und wie mit der Ausatmung alles Belastende, alle Anspannung wieder aus Ihrem Körper entweicht. Führen Sie die Übung zwischen zwei bis fünf Minuten durch. Anschließend recken und strecken Sie sich, atmen Sie tief ein und aus und öffnen Sie die Augen. Nehmen Sie die Wirkung bewusst wahr und genießen Sie das befreiende Gefühl.