Rems-Murr-Sport

Die Deutschen Meister aus dem Kreis

EngelkeKenzel
Erfolg macht glücklich: Die Deutschen U-20-Meister Alina Kenzel und Joshua Engelke. © Ralph Steinemann

Aus Rems-Murr-Sicht hätte es nicht besser laufen können. Mit Alina Kenzel und Joshua Engelke kommen gleich zwei Deutsche U-20-Hallenmeister aus dem Kreis. Während die Kugelstoßerin in Dortmund ihrer Favoritenrolle gerecht wurde und nach mehreren Anläufen endlich Gold holte, war der Hochspringer von seinem Triumph selbst überrascht.

Dass Erfolg glücklich macht, ist den beiden 18-Jährigen anzusehen. Für Alina Kenzel vom VfL Waiblingen ist es der vorläufige Höhepunkt einer Saison, in der nahezu alles zu klappen scheint. Kürzlich steigerte die Kugelstoßerin ihre persönliche Bestleistung auf famose 16,98 Meter, in Dortmund bestätigte sie ihre tolle Form und wurde mit 16,96 Metern Deutsche Meisterin. Auf diese Goldmedaille hatte sie lange warten müssen: „Seit 2013 war ich immer Vizemeisterin oder Dritte, habe aber im Kugelstoßen noch keinen Titel gewonnen. Jetzt hat es endlich geklappt!“

Sie habe sich im Wettkampf sehr gut gefühlt, sagt Kenzel. „Ich hatte mich nach der Bestleistung von 16,98 Metern ein bisschen selber unter Druck gesetzt. Aber dann hab’ ich mir gesagt: Ich will einfach Spaß haben. Mach’s, wie du’s immer machst, dann wird die Leistung schon kommen.“ Es hat geklappt. Doch ehrgeizig wie Kenzel ist, hat sie trotz des DM-Sieges mit 51 Zentimetern Vorsprung eine Kleinigkeit auszusetzen. „Schade, dass die 17-Meter-Marke nicht gefallen ist.“ Aber ist es nicht besser, Gold zu holen, als über 17 Meter weit zu stoßen und dann doch wieder nur Zweite zu sein? „Ja, stimmt!“, sagt sie und verzieht den Mund zu einem breiten Grinsen.

Kenzel trainiert zusammen mit dem Deutschen Hallenmeister

Dass ihre Leistungen seit einiger Zeit kontinuierlich besser werden, erklärt Alina Kenzel so: „Letztes Jahr hatte ich viel Schulstress, in diesem Jahr ist es lockerer. Da kann ich mich mehr auf den Sport konzentrieren.“ Die Athletin des VfL Waiblingen hat zudem das Glück, des Öfteren mit Thomas Dahm (VfL Sindelfingen) trainieren zu können, dem Achtplatzierten der Hallen-Europameisterschaft von 2015 und amtierenden Deutschen Hallenmeister bei den Männern. „Er verwendet wie ich die Angleittechnik. Ihm zuzuschauen, hilft einem weiter.“

Während Alina Kenzel als Favoritin nach Dortmund gefahren war, waren die Erwartungen bei Joshua Engelke von der SV Winnenden eher gedämpft gewesen. Der Hochspringer, Deutscher Freiluft-Meister der U 18 im Jahr 2014, war mit der viertbesten Meldehöhe von 2,08 Metern angereist und hatte nur Außenseiterchancen. Zumal die Vorbereitung alles andere als gut gelaufen war. „Drei Wochen vor der DM hatte ich zwei Zerrungen und bei den süddeutschen Meisterschaften der Männer Probleme mit dem Bein.“ Erst am Donnerstag direkt vor der U-20-DM konnte Engelke erstmals wieder trainieren.

Umso mehr freute sich der Athlet über den großartigen Auftritt in Dortmund. Joshua Engelke siegte mit der persönlichen Bestleistung von 2,12 Metern. Wie war das möglich? „Erklären kann ich es mir auch nicht. Ich hatte mir eine Bestleistung vorgenommen, aber nicht unbedingt eine Medaille erwartet. Das hat wohl geholfen. Es war aber auch früher schon so, dass ich nach einer Pause oft besser gesprungen bin.“ Vielleicht sollte er dann künftig öfter mal pausieren? Der Winnender schmunzelt.

Nach dem Titelgewinn ließ Engelke die Latte noch auf 2,16 Meter legen. Zwar scheiterte er, aber nur knapp. Es sei „für den Kopf“ wichtig gewesen, sich an der Höhe zu versuchen. Denn 2,16 Meter sind die Qualifikationsnorm für die Weltmeisterschaft der U 20, die Mitte Juli in Polen stattfindet. Allerdings muss Engelke die Höhe bei einem Freiluft-Wettkampf meistern. Und es gibt eine weitere Hürde. Wenn es mehrere Athleten gibt, die eine Norm knacken, dürfen nur die beiden besten zur WM. Engelke wird mit drei Konkurrenten um die Teilnahme kämpfen. Die Qualifikation ist sein großes Ziel für 2016.

Das hat er mit Kenzel gemeinsam. Ihre Chance, in Polen mit dabei zu sein, ist groß, die Kugelstoßerin führt die deutsche Bestenliste der U 20 an. Dennoch erwartet sie einen spannenden Kampf um die Weltmeisterschaftstickets: „Noch drei weitere Athletinnen haben über 16 Meter weit gestoßen.“ Und damit den ersten Teil der Bedingungen für die Qualifikation erfüllt. Doch Kenzel denkt nicht nur an die WM, sondern auch an eine erneute persönliche Bestleistung: „Mein Ziel sind 17 Meter plus.“ Daran, dass Alina Kenzel das schafft, zweifelt derzeit wohl niemand.

Studium und Ausbildung

Alina Kenzel macht in diesem Jahr am Berufskolleg in Bad Cannstatt ihr Fachabitur in den Bereichen Sport und Vereinsmanagement. Danach möchte die Kugelstoßerin gerne studieren. „Sportmanagement würde mich interessieren. Das bietet sich sehr gut an.“ Zumal das Studium mit dem Leistungssport gut in Einklang zu bringen wäre.

Hochspringer Joshua Engelke hat seine Ausbildung zum Vermessungstechniker abgeschlossen. Eine weitere soll bald folgen, entweder als Polizist oder als Kfz-Mechatroniker.