Rems-Murr-Sport

Die Rennerei lässt Werner Fischer nicht los

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Beim diesjährigen AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring hat der Waiblinger Werner Fischer in beiden Rennen die Klasse für Formel-3-Fahrzeuge der Jahrgänge 1971 bis 1973 gewonnen. © BRfoto
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Mit diesem Formel-3-Rennwagen startete Werner Fischer bereits 1974 im In- und Ausland. Jetzt, 43 Jahre später, fährt er damit im historischen Rennsport. © BRfoto

Waiblingen. Der Waiblinger Werner Fischer hat seinen Sturzhelm mehrfach an den vielzitierten Nagel gehängt. 2010 für immer – dachte er. Doch dann haben ihm seine beiden Söhne zum 65. Geburtstag eine nie für möglich gehaltene Überraschung beschert. Seitdem fährt er wieder Rennen und hat beim 45. AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring zwei Klassensiege erzielt.

„Ich war schon etwas stutzig, als beim Oldtimer-Grand-Prix 2015 plötzlich einige Freunde von mir ganz unerwartet auftauchten und mich drängten, unbedingt in Box 13 zu kommen, dort stünde ein ganz tolles Auto“, erzählt Werner Fischer.

„Papa, der gehört jetzt wieder dir“

„Neben einigen Formel-3-Fahrzeugen sah ich auch einen abgedeckten Rennwagen und meine beiden Jungs, ich dachte mir aber zunächst nichts dabei“, erinnert sich der Waiblinger Unternehmer. Was seine Söhne Marc-Daniel und Ronny dann enthüllten, rührte Werner Fischer zu Tränen. Da stand sein erster Formel-3-Rennwagen, mit dem er 1974 in der deutschen Formel-3-Meisterschaft gestartet ist. „Papa, der gehört jetzt wieder dir“, erklärten ihm beide Söhne wie aus einem Munde.

„Da der Wagen heute anders lackiert ist als damals, habe ich ihn gar nicht gleich wiedererkannt“, gesteht der 67-Jährige. Anstatt in Gelb ist der March 713 Lotus TC, so die genaue Typenbezeichnung, nun wieder in den Original-Farben Weiß-Blau lackiert. So, wie ihn einst das Team Eifelland-Racing eingesetzt hatte. Das Fahrzeug wurde 1971 gebaut und im selben Jahr von der bekannten Rennfahrerin Hannelore Werner aus St. Jost in der Eifel gefahren.

Gemeinsame Mopedfahrten mit Manfred Winkelhock

Fischer hatte das Fahrzeug Ende 1974 nach einem schweren Unfall, bei dem das Monocoque beschädigt wurde, an einen Mercedes-Mitarbeiter verkauft und dann nie mehr etwas davon gehört. Sein heutiger Teamchef Marcel Biehl, der in Mönchengladbach eine Werkstatt für historische Rennfahrzeuge betreibt, erfuhr über Umwege, dass der Unfallwagen in Einzelteilen in einer Garage in Stuttgart liegt. „Also kaufte ich den „Scheunenfund“ und baute ihn wieder vollkommen neu auf“, erklärte Biehl.

Über den original ONS-Wagenpass, der eine Art Kfz-Brief für Rennfahrzeuge darstellt, erfuhr der Mönchengladbacher von Werner Fischer und schrieb ihn an. „Ich wollte ihn fragen, ob er an dem Fahrzeug interessiert sei“, so Biehl. „Diese E-Mail wurde aber von meinen Söhnen abgefangen und kam nie bei mir an“, entrüstet sich Fischer mit erhobener Stimme und lacht. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Geschwindigkeiten bis zu 240 km/h

Bevor Fischer jedoch sein Comeback in Angriff nehmen konnte, musste er seine internationale Fahrer-Lizenz neu beantragen. „Als ich die wieder in der Tasche hatte war klar, dass ich dieses Jahr die komplette historische Meisterschaft fahre“, sagt Fischer, der eng mit Manfred Winkelhock befreundet war. „Wir fuhren immer zusammen Moped“, erinnert sich Fischer noch heute gerne an die gemeinsame Zeit.

Obwohl der 1,6-Liter-Lotus-Ford-Twin-Cam-Motor seines Formel-3-Rennwagens nur 130 PS leistet, geht es flott zur Sache. „Da das Auto nur rund 400 Kilogramm wiegt, lassen sich damit je nach Übersetzung Geschwindigkeiten bis zu 240 km/h erreichen“, sagt Fischer.

„Meine langjährige Erfahrung im Motorsport kam mir da sicherlich zugute“

Beim 45. AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring hatte er nun in beiden Rennen trotz nasskalter Bedingungen die Nase vorn und gewann souverän die Klasse der Formel-3- Fahrzeuge von 1971 bis 1973. „Meine langjährige Erfahrung im Motorsport kam mir da sicherlich zugute“, betont Fischer.

Der Waiblinger begann seine Motorsport-Karriere 1968 in der Formel V und fuhr bereits ein Jahr später einen Formel-V-Werkswagen. 1974 stieg Fischer in die Formel 3 auf, wo er zunächst in der deutschen und später auch in der Europa-Meisterschaft startete.

Werner Fischer will erneut durchstarten

Nach einer längeren Pause wechselte der Waiblinger in den Tourenwagensport und startete ab 2001 in der VLN-Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring und fünfmal beim 24-Stunden-Rennen. „2010 habe ich dann aufgehört, da ich in der ersten Liga nicht mehr mitspielen konnte“, gibt Fischer neidlos zu.

Jetzt hat er den Sturzhelm wieder aufgesetzt, um im historischen Motorsport erneut durchzustarten. Die Rennerei lässt Werner Fischer einfach nicht los.