Rems-Murr-Sport

Die Trainingshalle ist ihr Zuhause

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Wieder mal bei der Arbeit: Leandra Sommer und Johannes Kurz mit ihrem Trainer Giuseppe De Mitri. © Ralf Steinemann

Dass Giuseppe De Mitri, der Chef des Schorndorfer Kickbox-Centers DMG, quasi in seiner Trainingshalle wohnt, ist bekannt. Doch auch einige seiner Schüler bekommen nicht genug vom Studio. Für zwei der Fleißigsten hat sich das ausgezahlt. Der 15-jährige Johannes Kurz ist jüngst in Florida Doppel-Weltmeister geworden, Leandra Sommer holte Bronze.

Im Video: Guiseppe De Mitri bereitet Johannes Kurz(15) und Leandra Sommer (18) auf die Deutschen Meisterschaften in Kickboxen vor.

Talent plus Trainingseinsatz, der fast an Besessenheit grenzt. Solche Schützlinge wünscht sich jeder Coach. „Das ist ein Geschenk. Die beiden sind eigentlich immer da“, sagt der mehrfache Weltmeister De Mitri, während sich Kurz und Sommer im Ring die Kicks um die Ohren hauen. Zum Glück ist das hier nur Leichtkontakt, sonst würde es ganz schön scheppern.

Große Begabung bereits beim ersten Training erkannt

Während der Buhlbronner seine Stärken eher im Angriff sieht, bevorzugt die Kämpferin aus den Berglen eher eine Mischung aus defensivem und offensivem Kampfstil. De Mitri sagt, er habe die große Begabung der beiden bereits im ersten Training erkannt. „Leandra zum Beispiel hat es beim Sidekick auf Anhieb besser gemacht als andere, die schon länger da waren.“ Sommer brachte aber schon große Kampfsporterfahrung mit, als sie vor eineinhalb Jahren mit dem Kickboxen begann.

Seit sie zwölf Jahre alt ist, macht sie Judo. Erfolgreich? Die 18-Jährige zögert, bevor sie, ermuntert von einem wissenden Lächeln De Mitris, fast schüchtern „Ja“ sagt. Mit Erfolgen prahlt man nicht, man genießt sie. Doch jetzt mal Butter bei die Fische . . . also? „Na ja, ich war Zweite bei den deutschen Meisterschaften der U 18 bis 48 Kilo.“ Und weiter? Tja, dann kämpfe sie noch für das Aktiven-Team der TSG Backnang in der 1. Bundesliga. „Aber ich bin gerade verletzt.“ Und Kickboxen geht? „Ja ja, das geht.“ Sie trainiere so vier-, fünfmal die Woche.

Johannes Kurz: Ein Mann der Tat

Und trifft in der Halle regelmäßig auf Johannes Kurz. Auch er ist ein Mann der Tat und keine Plaudertasche. Vor drei Jahren hat der Buhlbronner mit dem Kickboxen angefangen, 2015 gab er sein WM-Debüt in Spanien. Und, wie lief’s? Ein Lächeln, gefolgt von einem kurzen Verziehen der Mundwinkel: „Ich bin in der ersten Runde rausgeflogen.“ Da war’s diesmal schon besser, gell? Der 15-jährige Doppelweltmeister strahlt über beide Ohren.

Eine Woche lang waren die DMGler, die sich die Qualifikation auf mehreren Turnieren, Meisterschaften und Lehrgängen verdient hatten, mit ihrem Coach in Orlando, Florida. „Wir finanzieren das im Amateurbereich mit kleineren Sponsoren und der Familie. Außerdem habe ich extra einen kleinen Förderverein gegründet“, sagt Giuseppe De Mitri. Für Sommer und Kurz, erstmals so weit von zu Hause fort, war es ein Riesenereignis. Rund 1000 Kämpfer maßen sich in zwei gewaltigen Hallen in verschiedenen Disziplinen, Alters- und Gewichtsklassen.

Im Vollkontakt holt Kurz seinen ersten WM-Titel

Bei den Kadetten bis 55 Kilogramm trat Johannes Kurz zunächst im Vollkontakt an, es gab nur einen Finalkampf. „Ich war sehr nervös“, sagt der Jugendliche. „Er war recht cool“, sagt der Trainer. Wie auch immer: Kurz war klar überlegen und siegte gegen einen Nordiren mit 2:1 Richterstimmen. Ein Urteil, das De Mitri erzürnte. „Der eine Kampfrichter hat wohl nebenher Fernsehen geguckt, Johannes war eindeutig besser.“ Egal, WM-Titel eins war im Sack.

Nach einem Tag Pause folgten die beiden Vorkämpfe im Leichtkontakt gegen Karim Mrawed (Libanon) und Arman Shahbazyan (USA). Beide Duelle verliefen sehr eng. „Johannes ist der Vollkontaktkampf noch in den Knochen gesteckt“, so De Mitris Begründung. Dennoch setzte sich der Buhlbronner durch. Das Finale tags darauf war dann wieder eine eindeutige Angelegenheit – 3:0 gegen den Österreicher Paul Schwendinger, WM-Titel zwei.

Bronzemedaille bei der ersten WM-Teilnahme

Für Leandra Sommer war’s die erste WM-Teilnahme, sie startete in der gleichen Gewichtsklasse wie Kurz im Leichtkontakt der Frauen. „Ich hatte das Glück, gleich im Halbfinale zu sein.“ Doch da war auch Endstation, in zwei Runden unterlag sie der erfahrenen, 24 Jahre alten Tschechin Barbora Maresowa. Aufgrund ihrer Nervosität habe sich Sommer taktisch unklug verhalten, analysiert De Mitri. „Sie hat die erste Runde ein bisschen verschlafen.“ So etwas sei dann kaum mehr aufzuholen. Deshalb, so Sommer, habe sie sich direkt nach dem Kampf schon etwas geärgert. „Am nächsten Tag war es dann aber gut.“ Zumal eine Bronzemedaille ja auch nicht schlecht ist.

Und die nächste WM kommt bestimmt, 2017, in Kerry, Irland. „Unser Ziel ist es, hinzugehen“, sagt De Mitri. Und natürlich zu gewinnen? Leandra Sommer und Johannes Kurz lachen, schauen sich an, schauen ihren Trainer an. Dann nicken alle.

Deutsche Meisterschaften in Neuwied:

Das nächste Großereignis steht für Leandra Sommer und Johannes Kurz bereits vor der Tür. Am Wochenende, 12./13. November, geht’s zu den deutschen Meisterschaften nach Neuwied. Ziel ist der Titel. „Aber die deutschen Kämpfer sind top, und die beiden sind jetzt die Gejagten“, warnt Trainer Giuseppe De Mitri.

Das Kickbox-Center DMG Schorndorf wird mit mindestens fünf Kämpfern bei der DM vertreten sein.