Rems-Murr-Sport

Disziplinlose Fußballer: Was ist mit den Zuschauern?

RedelfsKillinger_0
Oliver Redelfs (links, mit Albrecht Killinger) kritisiert den Verband © Gisbert Niederführ

„Hat der Fußball ein Disziplinproblem?“, hatten wir verschiedene Trainer und Funktionäre gefragt. Dazu hat sich nun auch Oliver Redelfs, langjähriger Abteilungsleiter beim TSV Nellmersbach, gemeldet. Mit einer Antwort, die ein ganz anderes Fass aufmacht.

„Die Frage“, schreibt Redelfs, „ist für mich zu pauschal gestellt. Ich denke nicht, dass der Fußball ein Problem mit der Disziplin hat, sondern eher einzelne Spieler, aber auch Zuschauer. Von daher würde ich die Disziplinfrage gerne in zwei Sparten aufteilen.

1. Fehlverhalten von Spielern auf dem Platz

2. Fehlverhalten von Zuschauern neben dem Platz

Zu 1: Der Großteil der Spiele an den Wochenenden läuft ohne große Probleme ab. Das zeugt von gut geschulten Schiedsrichtern, aber auch einem fairen Gegeneinander und Miteinander. Leider kommt es vor, dass sich einzelne Spieler einfach nicht im Griff haben und durch körperliche Attacken gegen den Schiedsrichter oder die Gegenspieler negativ auffallen. Hier greift das Regelwerk des DFB (WFV) bereits gut. Von daher ist eine Überarbeitung in diesem Punkt nicht nötig.

Aber es sind nicht immer die Spieler, die eine heikle Situation in einem Fußballspiel herbeiführen. Womit ich bereits bei Punkt 2, Fehlverhalten von Zuschauern neben dem Platz, wäre. Denn da platzt mir wirklich die Halsschlagader.

Zuschauer, die sich nicht im Griff haben

Jeder hat ein paar Zuschauer, die sich manchmal nicht ganz im Griff haben. Um diese im Zaum zu halten gibt es ja die vom Verband vorgeschriebenen zwei Ordner (wirklich auch schon hier im Amateurbereich schwer zu finden), die sich mit ihren orangefarbenen Signalwesten kenntlich machen müssen. So weit, so gut.

Was machen denn die Ordner, wenn Zuschauer den Sportplatz „stürmen“ und Spieler verprügeln oder dem Schiri an den Kragen wollen? Das sind doch hier die angesprochenen Themen. Dazu sind doch diese Ordner gar nicht geschult. Und wenn mir jetzt einer kommt, der WFV bietet Ordnerschulungen an, dem muss ich leider sagen, dass diese drei Stunden Crashkurs nicht ausreichen (selbst mehrfach mitgemacht). Vielmehr wären hier mehrere Module sinnvoll, um wirklich geschulte Ordner vor Ort zu haben.

Ordnerschulung - nur eine Alibiveranstaltung des WFV

Am Freitag, 14. Februar, findet in der Geschäftsstelle des WFV die nächste Ordnerschulung für Anfänger statt. Gute Sache, sollte man meinen. Aber sind 25 Seminarplätze ausreichend für fünf !!! angeschriebene Bezirke? Meines Erachtens eine reine Alibiveranstaltung, kann sich aber jeder mal selbst überlegen.

Fakt ist, dass die Vereine immer mehr Aufgaben vom Verband zugeteilt bekommen und jeden Verstoß über Geldstrafen unter Vereinshaftung auferlegt bekommen. Und da muss ich unserem Bezirksspielleiter Ralph Rolli vehement widersprechen, wenn er sagt, dass die Geldstrafen wehtun müssten. Falsch, auch wenn die Geldstrafen höher wären, wäre das Problem der pöbelnden Zuschauer nicht gelöst. Wie geht es denn dann weiter? Richtig. Geldbuße unter Vereinshaftung des Vereins.

Das Problem mit den Zuschauern muss über die geschulten Ordner gelöst werden, denn nur dann kann sich ein langfristiger „Erziehungserfolg“ einstellen.

Übrigens, die Profis spielen für mich hier keine Rolle. Jeder Mensch sollte so viel Verstand haben, um zwischen Gut und Schlecht unterscheiden zu können, was auch zumeist zutrifft.