Fußball im Rems-Murr-Kreis

Drachenbootrennen: Viel mehr als nur Funsport

Drachenboot Symbol Symbolbild Symbolfoto
Symbolfoto. © pixabay.com/Licht-aus

Zweimal Gold, dreimal Bronze: Eine Bilanz einer Weltmeisterschaft, die sich sehen lassen kann. Thomas Stocker brachte aus Sarasota, Florida, einiges an Edelmetall zurück in seine Heimat Waiblingen. Das Kajakfahren ist sein Sport, das Drachenbootrennen seine Leidenschaft.

Seit 2015 betreibt er bei den Neckardrachen Heilbronn diesen Sport, ist einer von zehn Paddlern an Bord des wuchtigen, beeindruckenden Bootes. Im zehn Meter langen Drachenboot sitzen eben jene zehn Paddler, ein Steuermann und ein Trommler. Der gibt den Takt vor. Und das ist die große Herausforderung, wie Stocker erklärt: „Der Takt spielt eine wichtige Rolle. Wenn einer nicht exakt im Takt ist, funktioniert es nicht.“ Jeder muss zur absolut gleichen Zeit am Paddel ziehen. Das erfordert Teamgeist und absolute Abstimmung aufeinander. „Wenn man nicht aufeinander abgestimmt ist, ist man nicht schnell.“ Erst kurz vor Wettkampfbeginn wird entschieden, wer im Zehner sitzt und auch wo - schließlich muss auch das Gewicht perfekt austariert sein.

Erfolgreiche Heilbronner Mannschaft hat sich einen Namen gemacht

Mitte Juli flog Stocker mit den Heilbronner Neckardrachen für rund eine Woche nach Florida zur Club-WM. Qualifiziert hatten sie sich dafür bei der deutschen Meisterschaft, als sie den Titel einfuhren. Fünf vollgepackte Wettkampftage, von 7 bis 17 Uhr waren die rund 80 Neckardrachen-Sportler dabei, die aus der Heilbronner Umgebung, aber auch von weiter her, wie Konstanz, Friedrichshafen oder der Pfalz, kommen. „Die Neckardrachen nehmen diese Disziplin sehr ernst und haben Ambitionen, das ist nicht überall so“, erklärt Stocker.

Viele Kanuvereine bieten zwar diesen Sport an, nehmen aber kaum oder selten an Wettkämpfen teil. Der Drachenbootsport ist international in der International Dragon Boat Federation (IDBF) und dem Internationalen Kanu-Verband (ICF) sowie national im Deutschen Drachenboot-Verband (DDV) und dem Deutschen Kanu-Verband (DKV) mit dem Ressort „Kanu-Drachenboot“ organisiert. Im Leistungssport werden Läufe über die Distanz von 200, 500, 1000 und 2000 Meter ausgetragen. Unterteilt wird ebenfalls in Männer-, Frauen- und Mixed-Boote.

Hitze macht dem Team zu schaffen

„Die Hitze in Florida war unerträglich“, erinnert sich Stocker. Drückende Schwüle machte das Ankommen nicht leicht, die Regatten auch nicht. Die Gewässer, in denen die Rennen stattfanden, sorgten für keinerlei Abkühlung, eher für Badewannentemperatur. „Baden war sowieso verboten, schließlich tummeln sich dort auch Alligatoren.“

Teams aus den USA und Kanada waren in Florida stark vertreten, auch Teams aus der Ukraine, den Philippinen oder Frankreich gingen an den Start. Die Vorbereitung auf die anstehenden sportlichen Herausforderungen begann mit den vom Ausrichter gestellten Booten. „Wir haben uns akklimatisiert, uns an das Wasser und den Durchzug im Wasser gewöhnt, den Druck am Paddel erfühlt“, so der Bittenfelder. Dann immer wieder Wettkämpfe über den Tag verteilt, lange warten in der Hitze und dann aufs Startsignal die beste Leistung abrufen.

Zweimal Gold für Bittenfelder

Das gelang Thomas Stocker gleich zweimal mit dem Smallboat, zweimal Gold: Im Mixed fuhren sie die 500 m in 2:15:449 min und im Open 2000 m in 9:47.077 min.

Doch hinter diesen zwei Goldmedaillen stecken auch viel Schweiß, Zeit und Frust. Bereits für 2020 waren die Neckardrachen für eine WM qualifiziert, ebenso im darauffolgenden Jahr. Beide fielen der Pandemie zum Opfer. „Als ich erfahren habe, dass auch die WM in Polen kurzfristig abgesagt wurde, war ich erst einmal total sauer und gefrustet.“ All das Training, all die Vorfreude - in einem kurzen Moment dahin. „Die Motivation war im Eimer.“

An diesem Tag ließ er das Training sein. Doch schon bald startete er wieder. Mehrmals die Woche trainiert er in Stuttgart, oft zusammen mit Teamkameraden, die ebenfalls für die Neckardrachen starten. Auch Krafttraining gehört für den Paddler ständig dazu. Vor wichtigen Drachenboot-Ereignissen wird dann gemeinsam trainiert. Gerne im Trainingslager mit bis zu drei Einheiten pro Tag.

"Ich gebe alles"

„Das sind gewaltige Kräfte, die da wirken. Man muss als Mannschaft viel bewegen. Und schießt dann mit diesem großen Boot übers Wasser“, erzählt Thomas Stocker begeistert von seiner Sportart. „Ich gebe beim Drachenbootrennen alles, bis gar nichts mehr geht.“ An die Grenzen gehen, vielleicht auch mal einen Schritt über sich hinauswachsen - das bereitet dem Waiblinger Spaß.

Spaß, der sich in Erfolg umsetzt und sich auszahlt. Mehrere Medaillen hat Stocker mit seinem Team bereits geholt. An die Europameisterschaft in Sevilla 2019 erinnert er sich besonders gerne zurück. „Wir waren das jüngste Team, keiner hat erwartet, dass wir zweimal Gold holen. Das war supertoll“, erinnert sich der Sportler stolz.

Als nächstes Großevent steht die deutsche Meisterschaft in München an. Dort ist das Ziel klar definiert: „Wir wollen ganz vorne sein, damit wir uns für die nächste EM wieder qualifizieren.“

Zweimal Gold, dreimal Bronze: Eine Bilanz einer Weltmeisterschaft, die sich sehen lassen kann. Thomas Stocker brachte aus Sarasota, Florida, einiges an Edelmetall zurück in seine Heimat Waiblingen. Das Kajakfahren ist sein Sport, das Drachenbootrennen seine Leidenschaft.

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Seit 2015 betreibt er bei den Neckardrachen Heilbronn diesen Sport, ist einer von zehn Paddlern an Bord des wuchtigen, beeindruckenden Bootes. Im zehn Meter langen Drachenboot sitzen eben jene zehn Paddler,

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