Rems-Murr-Sport

Ein Jungspund übernimmt Verantwortung

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Der Chef spring am höchsten: Lukas Tauschek ist bei den Schlechtbachern Spieler und Abteilungsleiter – und einer der jüngsten obendrein. © Ralph Steinemann Pressefoto

Ehrenamtliche Funktionsträger in Vereinen sitzen derzeit zwischen den Stühlen. Der Sportbetrieb ruht, es gibt nichts zu tun, das dicke Ende kommt erst noch. Die Arbeit nach Ende der Corona-Krise dürfte schwierig werden. Lukas Tauschek vom TSV Schlechtbach geht es nicht anders, er trägt es mit Fassung. Dabei ist er ein Jungspund im Kreise überwiegend altgedienter Abteilungsleiter im Fußballbezirk Rems-Murr. 25 Jahre ist er erst alt und nebenbei auch noch Spieler der ersten Mannschaft. Eine Ausnahme und gleichzeitig auch Lichtblick auf einem Posten, den sich kaum noch einer anzutreten traut.

Abteilungsleiter mit 20 Jahren

Angefangen hat Lukas Tauschek sogar bereits mit 20 Jahren. Der TSV war 2015 in der Krise. Abteilungsleiter Serkan Degirmenci hatte sein Amt frustriert hingeworfen, die Stimmung in der Mannschaft war schlecht gewesen, „die Abstimmung zwischen erster und zweiter Mannschaft“, erinnert sich Tauschek, „hat überhaupt nicht mehr gepasst“. Der TSV brauchte eine neue Führungsmannschaft.

In dieser Situation zeigten die Spieler Haltung. „Wir wollten nicht, dass jemand das übernimmt, nur damit es gemacht ist, wir wollten das aus der Mannschaft heraus aufbauen“, erinnert sich Tauschek. „Sechs bis acht Jungs“ beratschlagten, wie’s weitergehen sollte, erarbeiteten Ziele für die Zukunft und teilten die Aufgaben untereinander auf. Nur einen Job wollte keiner übernehmen: den des Abteilungsleiters. Tauschek: „Dann habe ich gesagt: Um der Diskussion ein Ende zu setzen, schreibt meinen Namen auf. Wir teilen uns ja die Aufgaben auf.“

Dass der Posten des Abteilungsleiters nicht nur ein Name auf einem Papier ist, merkte Tauschek schnell. „Der Hauptaufgabenanteil ist an mir hängengeblieben.“ Aber das habe ihn nicht gestört. Auch die Verantwortung, die er nun für die ganze Abteilung trug, nicht. Schon früh habe er gelernt, sich einzubringen, nicht nur mitzumachen, sondern selbst aktiv zu werden. Eine große Rolle spielte dabei Vater Hans, der den Sohn trainierte und zur Selbstständigkeit ermunterte. „Der hat darauf viel Wert gelegt und mir das vorgelebt.“

Lukas war früh im Mannschaftsrat, Spielführer, Meinungsmacher. Dabei sei er als Kind eher schüchtern und zurückhaltend gewesen. „Über den Sport, mit meinem Vater im Hintergrund, bin ich immer mutiger geworden.“

Vom Schüler zum Chef

Ähnlich hat sich der Schlechtbacher im Ferienfußballcamp, das Zeitungsverlag und Kreissparkasse seit 2008 ausrichten, entwickelt. Erst als schüchterner Teilnehmer, der damals aber schon wegen seines sozialen Verhaltens aufgefallen ist, später als Trainer im Camp und mittlerweile ist er neben Organisator Detlef Olaidotter Chef des Ganzen.

Im Verein hat er mit denselben Problemen zu kämpfen wie alle Abteilungsleiter. „Viele helfen, aber ein dauerhafter Posten mit Verantwortung, da scheuen sich die meisten“.

Und zuweilen wird auch an falscher Stelle gesucht. Beim TSV Schlechtbach helfen hinter den Kulissen auch einige, die es als Fußballer nicht unter die Besten geschafft haben. „Man darf die schlechteren Kicker nicht vergessen“, sagt Tauschek. „Man muss sich um sie kümmern, muss sie mitmachen lassen. Sie danken es einem, weil sie Spaß am Vereinsleben haben.“

Zu oft nur Problemlöser

In den ersten beiden Jahren stand dem jungen Abteilungsleiter mit Ingo Strobel noch ein Stellvertreter zur Seite, seit mittlerweile drei Jahren ist Lukas Tauschek alleine verantwortlich. Eines seiner Hauptprobleme: „Du hast nicht die Freiheit, etwas im Hintergrund zu machen, weil du immer vorne stehen musst.“ All die Ideen, die die Abteilung voranbringen sollen, könne er als Abteilungsleiter selten umsetzen, weil er mit anderen Dingen beschäftigt ist. Tauschek: „Du bist mehr als Problemlöser im Einsatz, als derjenige, der etwas Neues strukturiert.“

Dabei mache es ihm „Spaß, Dinge im Vereinsleben zu organisieren, mit andern zusammenzuarbeiten, gemeinsam mit anderen zusammen etwas zu bewegen“. Und so wünscht er sich, dass mehr Menschen von sich aus auf ihn zukommen und sagen: Ich helfe, was kann ich tun? Tauscheks Erfahrung allerdings ist: „Wenn man jemanden fragt, sagt er meistens zu, aber von selbst kommt keiner.“

Tauschek will anderen Mut machen

Tauschek habe viel von dem Amt profitiert. Deshalb möchte er auch anderen jungen Menschen Mut machen, sich zu engagieren. Er rät, „das Ganze einfach mal auszuprobieren. Erst dann merkt man, dass das Spaß machen kann.“ Hätte er das Amt schon früher übernommen, hätte er sich wahrscheinlich sogar beruflich anders entschieden, hätte statt Wirtschaftsinformatik Sportmanagement studiert.

Angst, dass die Alten die Jungen nicht ernst nähmen, müsse auch niemand haben. „Das habe ich nie erlebt, im Gegenteil. Die freuen sich alle, wenn sich ein junger Mensch engagiert. Sie helfen einem und verzeihen auch Fehler.“

Das motiviert den 25-Jährigen dazu, das Amt als Abteilungschef noch eine Weile weiter zu bekleiden.