Rems-Murr-Sport

Eine Physio betreut zwei Bundesligisten: ASV Schorndorf und VfL Waiblingen

Physiotherapie
Eine sportlich engagierte Physio-Familie: Tanja und Gregor Blankenhagen mit Sohn Marvin und dessen Freundin Celina Meißner, Zweitliga-Torhüterin des VfL Waiblingen. © Benjamin Büttner

Die Belastung für Hochleistungssportler ist gewaltig. Ohne gute medizinische Versorgung kommt niemand durch die Saison. Die Schorndorfer Physio Blankenhagen macht offenbar vieles richtig: Sie arbeitet sowohl mit den Erstliga-Ringern des ASV Schorndorf als auch mit den Zweitliga-Handballerinnen des VfL Waiblingen.

Vertrauen und Verlässlichkeit sind das Wichtigste im Verhältnis zwischen Sportlern und Therapeuten. Ach, wie gerne würde man wissen, wo es bei der Waiblinger Handballerin Sinah Hagen zwickt oder ob ASV-Koloss Jello Krahmer auf der Behandlungsbank aufjault. Doch solche Infos geben die Blankenhagens natürlich nicht heraus. Sie nehmen die Schweigepflicht ernst.

Die Physiopraxis in Schorndorf-Weiler ist trotz der insgesamt 16 Beschäftigten ein echtes Familienunternehmen. Gregor Blankenhagen (53) ist seit 1993 selbstständig. Seine Frau Tanja (55) kümmert sich als Gesundheitsberaterin um die komplette Organisation der Praxis sowie die Kommunikation zwischen Arzt, Patient und Krankenkassen. Der 25-jährige Sohn Marvin ist Therapeut, seine Freundin Celina Meißner (23) arbeitet nebenher an der Rezeption.

Marvin Blankenhagen arbeitete schon während der Ausbildung fürs VfL-Team

Warum nur nebenher? Meißner studiert – und ist vor allem Torhüterin beim Handball-Zweitligisten VfL Waiblingen. Über den Verein hat sie Marvin Blankenhagen kennengelernt. Er betreut die Handballerinnen schon seit vier Jahren als Physio. Wie kam’s dazu?

„Ich war noch in der Ausbildung in Fellbach. Eines Tages hat ein Dozent gesagt, dass der VfL jemand für die Zweitliga-Mannschaft sucht.“ Erst habe er sich gar nicht melden wollen, sagt Blankenhagen. Seine Eltern überzeugten ihn aber. „Wir haben ihn ins kalte Wasser geworfen“, schmunzelt Vater Gregor.

Marvin Blankenhagen arbeitete erst mal zur Probe. Zweite Physiotherapeutin war die Frau des damaligen Trainers Nicolaj Andersson. „Wir hatten eine klare Aufgabenteilung“, sagt der Schorndorfer. Er zeichnete beispielsweise für Bestellungen verantwortlich.

Anfangs fehlt es beim VfL Waiblingen an der Physio-Ausrüstung 

Die Ausrüstung des VfL ließ noch zu wünschen übrig: „Da gab es einen Rucksack mit Tape und Stripes für Platzwunden.“ Schnell kamen Kompressionsbinden, Foam, Schmerz- und Wundsalben und wasserfestes Pflaster hinzu.

Blankenhagen stürzte sich in die Arbeit. „Ich habe während der Ausbildung locker 15 Stunden pro Woche investiert und so immer wieder dazugelernt.“ Eine spannende Zeit sei das gewesen. Nach und nach habe er das Vertrauen von Verein, Spielerinnen und Trainerteam gewonnen.

Marvin Blankenhagen und seit Januar 2021 auch Praxis-Mitarbeiterin Anne Gehrung sorgen bei Verletzungen für Erstmaßnahmen am Spielfeldrand und später in Abstimmung mit dem Arzt für die komplette physiotherapeutische Behandlung. „Wir berücksichtigen bei der Rehabilitationszeit auch den Wunsch der Spielerin.“

Ein Physiotherapeut muss auch mal hart sein

Doch das sei eine Gratwanderung, betont Blankenhagen. Klar, eine Sportlerin will so schnell wie möglich wieder auf dem Feld stehen. Eine Verletzung heilt aber nicht über Nacht.

Da muss der Physio auch mal hart bleiben: „Konsequenz gehört dazu.“ Zwar werde etwa ein Außenbandriss im Leistungssport deutlich intensiver behandelt als bei Normalbürgern. Die Spielfähigkeit sei im Idealfall deshalb bereits nach drei Wochen wiederhergestellt. „Aber der Arzt muss eine Spielerin trotzdem erst gesundschreiben. Es geht ja darum, eine langfristige Beschwerdefreiheit zu erreichen.“

Marvin Blankenhagen lobt VfL-Trainer Thomas Zeitz 

Der aktuelle VfL-Trainer Thomas Zeitz agiere in diesem Punkt sehr vernünftig und nehme lieber die längere Therapie einer Spielerin in Kauf, als ein Risiko einzugehen. Das sei ein „Riesenunterschied“ zum Vorgänger Andersson.

Inzwischen sind die Blankenhagens beim VfL auch ins Sponsoring eingestiegen. Derzeit stattet die Praxis einen Raum in der Rundsporthalle mit Behandlungsbank und anderen Gerätschaften etwa für die Elektro- und Wärmetherapie aus. Und ab kommender Saison wird Marvin Blankenhagen seine Dienste kostenlos anbieten. Für die Behandlung beim VfL ist nun auch Physiotherapie-Schüler Noah Epple eingestellt worden.

Für den ASV Schorndorf ist Gregor Blankenhagen zuständig

Die Praxis sponsort zudem die Erstliga-Ringer des ASV Schorndorf. Für die ist seit zwei Jahren wieder Gregor Blankenhagen zuständig, der sie früher schon mal betreute. „Der ASV bekommt Geld und die Physio-Dienstleistung von uns.“ Blankenhagen ist sowohl bei Heim- als auch bei vielen Auswärtskämpfen vor Ort. Unterstützt oder vertreten wird er gelegentlich von seinem früheren Mitarbeiter Johannes Kelbel.

Insgesamt ist der zeitliche Aufwand für den ASV deutlich geringer als für den VfL. Denn die Ringer reisen oft nur zu Kämpfen an. „Ich habe an Kampftagen zu tun. Circa zwei Stunden, bevor es losgeht, bin ich da. Ich behandle Ringer auch während des Kampfgeschehens und tape zum Beispiel schnell eine gebrochene Rippe. Außerdem mache ich Nachsorge“, sagt Blankenhagen.

Typische Spätfolge bei Ringern: Bandscheibenprobleme 

Besonders häufig seien im Ringen Verletzungen in den Gelenken. Zu den möglichen Langzeitfolgen des Sports gehörten degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule sowie Bandscheibenprobleme.

Was Gregor Blankenhagen an seiner Arbeit für den ASV gefällt, ist der Kontakt zu Sportlern aus aller Welt. „Das Sprachkauderwelsch macht die Sache schön. Und Ringer sind sehr freundlich und oft sehr sensibel.“ Doch mitunter auch verpeilt. „Die vergessen zum Teil Duschgel und Handtuch.“ Sogar dafür ist Gregor Blankenhagen gewappnet. Ein echter Profi eben.

Die Belastung für Hochleistungssportler ist gewaltig. Ohne gute medizinische Versorgung kommt niemand durch die Saison. Die Schorndorfer Physio Blankenhagen macht offenbar vieles richtig: Sie arbeitet sowohl mit den Erstliga-Ringern des ASV Schorndorf als auch mit den Zweitliga-Handballerinnen des VfL Waiblingen.

Vertrauen und Verlässlichkeit sind das Wichtigste im Verhältnis zwischen Sportlern und Therapeuten. Ach, wie gerne würde man wissen, wo es bei der Waiblinger Handballerin

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