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EM-Ausstieg von Hanna Klein hat Spuren hinterlassen

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Die Enttäuschung steht ihr ins Gesicht geschrieben: Hanna Klein kurz nach dem Ausstieg aus dem EM-Rennen über 5000 Meter in Berlin. © Iris Hensel

Der EM-Lauf in Berlin über 5000 Meter hätte für Hanna Klein von der SG Schorndorf der Höhepunkt einer herausragenden Saison sein sollen. Doch er wurde zu einer riesigen Enttäuschung, die Deutsche Meisterin stieg aus. Das hat Spuren hinterlassen, sogar die weitere Zusammenarbeit mit Trainer Uwe Schneider stand infrage.

Es gibt eine eherne Regel unter Leichtathleten: Ein Wettkampf wird nicht abgebrochen, es sei denn, eine Verletzung oder Krankheit zwingen den Sportler dazu. Noch dazu bei einer Heim-EM. Es war also klar, dass es Diskussionsbedarf geben würde, als die Urbacherin am 12. August die Bahn nach 3400 Metern mit einer Miene tiefster Niedergeschlagenheit verließ. Selten hatte man auch Trainer Uwe Schneider so ratlos erlebt. Es sei auf jeden Fall kein physisches Problem gewesen, sagte er noch unter dem Einfluss des Schocks und der Enttäuschung nach dem Rennen.

Klein: Erreger im Körper hat Kraft geraubt

Sogar Kleins Lebensgefährte Marcel Fehr, der in Berlin in einem immens schnellen Männer-Rennen über die 5000 Meter mit Platz 18 überzeugt hatte, konnte sich im Gespräch mit der Sportredaktion am Tag nach dem Lauf der Frauen Sie liege nun mit einem Infekt flach. Kleins Begründung für den Ausstieg lautete somit: Der Erreger im Körper hatte ihr im Rennen die Kraft geraubt.

Trainer Uwe Schneider: „Der selbst gemachte Druck hat sie gelähmt“

Bislang hatten Athletin und Trainer stets Einigkeit demonstriert, in diesem Punkt sind sich die beiden aber auch fast zwei Monate nach der EM uneins. Zwar sagt Uwe Schneider, die sich andeutende Erkältung habe Klein vielleicht zusätzlich geschwächt. Doch grundsätzlich bleibt er dabei: „Der selbst gemachte Druck hat sie gelähmt.“ Seine Vorgabe fürs Rennen habe „Top zwölf“ gelautet. „Aber Hanna hat sich viel mehr vorgenommen.“

Die Erwartungen waren hoch

Nach Meinung des Trainers wirkten sich gleich mehrere Faktoren negativ aus. Nach Kleins beeindruckendem elften Platz bei der WM 2017 in London über 1500 Meter und dem deutschen Meistertitel heuer über 5000 Meter seien die Erwartungen hoch gewesen. Dass sich die Läuferin in Berlin kurzfristig dazu entschloss, nicht über 1500, sondern über 5000 Meter zu starten, bewertet Schneider als ein Zeichen von Stress. Der kurzfristige Wechsel, den er unterstützte, sei nicht professionell gewesen. Dafür habe er sich bei den Bundestrainern entschuldigt.

Schneider musste auf der Tribüne sitzen

Schneider kritisiert aber auch den Deutschen Leichtathletik-Verband. Dass der Schorndorfer Heimtrainer keine Akkreditierung für den Innenraum im Berliner Olympiastadion bekam, sondern auf eigene Rechnung auf der Tribüne hatte Platz nehmen müssen, während etwa die deutsche Konkurrentin Konstanze Klosterhalfen kurz vor dem Rennen noch von Sebastian Weiß unterstützt wurde, der nicht nur deren Heim- sondern auch Bundestrainer ist, sieht Schneider als „Puzzleteil“, warum das Rennen danebenging. Klein sei „das fünfte Rad am Wagen“ gewesen.

Nach ernsten Gesprächen rauft sich das Duo zusammen

Insgesamt nimmt Schneider seine Athletin in Schutz und betont die abgesehen von der EM herausragende Saisonleistung. Doch der Ausstieg der Läuferin in Berlin gab dem Coach zu denken. „Ich war enttäuscht von Hanna, das lässt sich nicht schönreden. Aber ihr selbst hat es auch sehr wehgetan.“ Ernste Gespräche hätten sie geführt und sogar über das Ende der Zusammenarbeit nachgedacht. Aber nur kurz – der Trainer und die Athletin haben schon zu viel gemeinsam erlebt, um jetzt gleich alles hinzuschmeißen.

Laut Trainer ist beschlossen worden, Konsequenzen aus der EM zu ziehen. „Wir werden im trainingstaktischen Bereich noch intensiver arbeiten, damit eine Qualifikation kein Problem ist. Außerdem suchen wir Hilfe im psychologischen Bereich.“ Zudem ist Schneider der Meinung, die Auswahl der Strecke sei Sache des Trainers.

Studienort Köln ist ein Problem

Als Problem sieht er Kleins Studienort Köln. Zwar sei es toll, dass sie es schaffe, Psychologie zu studieren und gleichzeitig sportliche Topergebnisse zu erzielen. „Aber die Distanz tut nicht gut, Hanna muss die Trainingseinheiten allein machen. Ich sehe ihre Körpersprache nicht.“ Deshalb werde sich Klein für eine Masterarbeit in Stuttgart bewerben und, wenn’s klappt, im Frühjahr 2019 zurückkehren.

Hanna Klein: „Der menschliche Körper ist keine Maschine“

Das bestätigt Klein. Doch sie widerspricht auch ihrem Trainer: Ihr Ausstieg sei nicht primär eine Sache des Kopfes gewesen. „In der Nacht nach dem Rennen habe ich gemerkt, dass ich krank werde. Der Lauf selbst war eine Quälerei, ich wusste nicht mehr, wie ich ins Ziel kommen sollte. Emotional wäre es besser gewesen, durchzulaufen, aber der menschliche Körper ist keine Maschine.“ Vor allem sei sie enttäuscht, weil sie nicht gewusst habe, warum sie sich so schlapp fühlte. Folglich sei es sogar eine Erleichterung gewesen, als die Erkältung tags darauf richtig ausgebrochen sei.

Schneider setzte Klein nicht unter Leistungsdruck

Klein findet, wegen eines schlechten Wettkampfs dürfe nicht gleich alles umgekrempelt werden. Die Frage nach einem Trainerwechsel habe sich für sie gar nicht gestellt. Das Training in Köln habe gut funktioniert, der Gewinn des deutschen Meistertitels, Kleins erster bei den Aktiven, sei die Erfüllung eines Traums gewesen. Für sie stehe jedoch mehr im Vordergrund, sich zu verbessern. „Uwes Motivation ist vielleicht eher der Erfolg.“ Tatsächlich habe Schneider sie vor der EM aber nicht unter Leistungsdruck gesetzt.

Nun wollen Hanna Klein und Uwe Schneider die negative Erfahrung hinter sich lassen und nach vorne blicken. Von Rückschlägen will sich die Läuferin nicht entmutigen lassen: „Ich werde mir den Spaß am Laufen nie nehmen lassen.“


Saisonplan ohne WM

Im Saisonplan von Hanna Klein und Trainer Uwe Schneider fehlt für das Jahr 2019 die WM. Sie findet erst im Oktober statt, und das auch noch in Katar. Angesichts der sengenden Hitze werden die Rennen dort mitten in der Nacht ausgetragen.

Den Fokus will das Duo laut Schneider darauf richten, mehr Wettkämpfe zu bestreiten als bisher, „damit Hanna mehr Wettkampfhärte kriegt“. Außerdem wird die Deutsche Meisterin versuchen, bei der nächsten DM wieder eine Medaille zu ergattern.