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Für Klein und Fehr wird es ernst

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Marcel Fehr und Hanna Klein treten am Wochenende bei der Leichtathletik-EM in Berlin an. © Ramona Adolf

Kurz vor ihrem Start bei der Leichtathletik-EM in Berlin hat sich Hanna Klein von der SG Schorndorf umentschieden. Sie wird nicht über 1500 Meter, sondern über jene Strecke antreten, auf der sie Deutsche Meisterin geworden ist. „Über 5000 Meter fühle ich mich sicherer.“ Bereits am Samstag nimmt ihr Freund Marcel Fehr bei den Männern dieselbe Strecke in Angriff.

Eigentlich war Hanna Klein fürs Frauenrennen über 1500 Meter vorgesehen gewesen. Und sie hatte lange an dieser Entscheidung festgehalten, „weil ich dachte, ich muss das laufen“. Schließlich war die 25-Jährige im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft in London mit einem famosen Auftritt überraschend Elfte über diese Distanz geworden. Doch die Vorzeichen haben sich geändert. „Es war eine andere Situation im letzten Jahr. Ich bin mit persönlicher Bestleistung über 1500 Meter nach London gereist.“ Und heuer ist sie amtierende Deutsche Meisterin – aber über 5000 Meter. Außerdem habe sie seit längerem „ein bisschen“ Schmerzen an der Achillessehne. Im Trainingslager des deutschen EM-Teams in Kienbaum „konnte ich deshalb keine Schnellkraft trainieren“. Zudem gibt es über 5000 Meter nur ein Rennen bei der EM, während sich die Athleten über 1500 Meter auch einem Vorlauf stellen müssen. Die Ausscheidungsrennen finden am Freitag von 12 Uhr an statt, dann wird das Olympiastadion ein Glutofen sein.

Klein schaffte die Norm über beide Strekcen

Zum Glück hat Klein die EM-Norm über beide Strecken in der Tasche. In Abstimmung mit ihrem Heimtrainer Uwe Schneider sowie dem Leitenden Bundestrainer Lauf Thomas Dreißigacker hat sich Klein entschlossen, nun doch die 5000 Meter in Angriff zu nehmen. Grundvoraussetzung dafür war, dass die Läuferin keiner anderen Deutschen den Platz wegnimmt. Und sportlich ist der Start über die längere Strecke ebenfalls sinnvoll. „Über die 1500 Meter sind auch starke 800-Meter-Läuferinnen am Start. Das kann ein Pokerspiel werden.“ Denn mit ihrer Sprintstärke machen die Unterdistanz-Spezialistinnen der Konkurrenz das Leben sehr schwer.

Das Frauen-Rennen über 5000 Meter beginnt an diesem Sonntag um 20.15 Uhr. „Mal schauen, wie warm es da in diesem Hexenkessel ist“, sagt Klein. Sie erwartet ein schnelles Rennen und ist optimistisch, mit den Bedingungen zurechtzukommen. Mit ihrer Saisonbestzeit von 15:17,47 Minuten, gelaufen beim DM-Triumph in Nürnberg, steht sie in der Meldeliste unter den besten zehn (persönliche Bestleistung 15:17,14). Für die Urbacherin ist das ein Ansporn: „In den Top Ten zu landen wäre schön.“ Coach Uwe Schneider ist überzeugt: „Sie wird gut laufen. Wenn sie am Start steht, hat sie das Messer zwischen den Zähnen.“

Warnendes Beispiel Amanal Petros: Bloß nicht durchgereicht werden

Wesentlich kleinere Brötchen backen muss in Berlin Kleins Lebensgefährte und Teamkollege Marcel Fehr. Unter 32 Startern in der Liste steht er mit seiner Meldezeit von 14:13,37 (persönliche Bestzeit 13:31, aufgestellt 2017) nur auf Rang 29. Für ihn wird es am Samstagabend vor allem darauf ankommen, „dass ich das Tempo nicht überziehe. Das ist wirklich tödlich auf der Langstrecke.“ Fehr will daher nicht versuchen, um jeden Preis mit den Überfliegern mitzuhalten, sondern sich das Rennen gut einteilen. „Sonst kann das nach hinten losgehen.“ So wie bei Amanal Petros, der sich in Berlin über 10 000 Meter überschätzte, zu lange an der Spitze mitmischte und am Ende bis auf Rang 16 durchgereicht wurde. Oder wie Fehr selbst, der bei der DM mit einem solchen Taktikfehler seine Medaillenchance und fast auch noch das EM-Ticket verspielt hatte und Fünfter geworden war. Das werde ihm diesmal nicht passieren, verspricht der 26-Jährige.

Entscheidender Faktor: Das Wetter

Ein entscheidender Faktor bei der EM wird das Wetter sein. Marcel Fehr mag die Hitze nicht, schon im Trainingszentrum in Kienbaum habe sie ihn so einiges an Energie gekostet. „Und im Stadion ist es noch wärmer als draußen.“ Da aber das Rennen am Samstag erst auf 20.55 Uhr angesetzt ist, sollte der Läufer bei seiner ersten internationalen Aktiven-Meisterschaft keine Probleme bekommen. Er hofft darauf, einige Plätze im Feld gutzumachen. Bei der Heim-EM wäre das ein großer Erfolg.


EM im Fernsehen

Das EM-Rennen der Männer über 5000 Meter mit Marcel Fehr beginnt im Berliner Olympiastadion am Samstag, 11. August, um 20.55 Uhr. Das ZDF berichtet im Fernsehen und im Livestream.

Hanna Klein startet am Sonntag, 12. August, um 20.15 Uhr über die 5000 Meter der Frauen. Zu sehen ist der Lauf in der ARD und bei Eurosport. Die ARD überträgt den Lauf zudem im Livestream.