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Friedensschule bildet Trainer aus

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Die Schule als Trainerausbildungszentrum: In der Friedensschule Neustadt leitete Verbandstrainer Martin Hägele einen einwöchigen Kurs zum DFB-Junior-Coach für Schüler der Klasse neun. © Jamuna Siehler

Fußball wird in der Friedensschule in Waiblingen-Neustadt schon immer groß geschrieben. Als der Deutsche Fußballbund 2012 ein Programm zur Ausbildung von Nachwuchstrainern testete, waren die Neustädter dabei. Mittlerweile läuft die Ausbildung zum DFB-Junior-Coach offiziell – natürlich auch in Neustadt.

17 Jungen und drei Mädchen stehen auf dem Rasenplatz des TSV Neustadt und lauschen der Stimme von Verbandstrainer Martin Hägele. Es ist der letzte Tag der Ausbildungswoche, die Schüler gestalten jetzt selbst ein Training. Hägele ist nicht ganz zufrieden: „Das Spielfeld habt ihr zu klein gewählt. Was lässt sich sonst noch verbessern?“

Die Jungen und Mädchen überlegen, steuern ihre Überlegungen bei. So zeigt sich, was sie in den Einheiten bisher gelernt haben. Da ging es um Stationentraining, ballorientiertes Spiel, Technik und Coaching. Fünf Tage lang, von 9 bis 17 Uhr, Praxis und Theorie. Wobei allen der Praxisteil offenbar besser gefallen hat. Die Theorie sei bisweilen etwas schwierig gewesen, sagt Hägele. „Sie waren oft unkonzentriert.“

Dennoch ist er zufrieden mit seinen Schützlingen. Immerhin haben sie durchgehalten. Zwei Teilnehmern hingegen war die Ausbildung von 9 bis 17 Uhr statt Schule von 7 bis 13 Uhr zu viel, zu anstrengend. Sie gingen lieber wieder zurück in den Unterricht.

Drei Mädchen trotzen der männlichen Übermacht

Immer noch dabei sind die drei Mädchen. Die haben’s nicht leicht gegen die männliche Übermacht. Hägele beschreibt es so: „Empathie und Einfühlungsvermögen ist noch nicht die große Stärke der Jungs.“ Deshalb lobt der Verbands-Trainer vor allem Johanna. Sie steht sogar trotz gebrochenen Fußes auf dem Platz.

Ziel des Lehrgangs, so Hägele, ist es, die Schüler dazu zu motivieren, „im Verein Eigenverantwortung zu übernehmen“. Die Vereine verlieren spätestens ab der C-Jugend zu viele Kinder. Hägele: „Ein Hauptgrund dafür, das zeigen auch Studien, ist: Wir haben zu wenig Trainer und die sind oft nicht ausgebildet.“

Hier setzte das Projekt Junior-Coach an. 2012 startete es der Deutsche Fußball-Bund mit einer Orientierungsphase an drei Schulen in Deutschland: Hamburg, Berlin und Neustadt, ursprünglich mit Schülern der Klasse acht. Konrektor Martin Stein: „Wir haben damals festgestellt, dass die Schüler aber noch zu jung sind.“ Deshalb wendet sich das Angebot nun an Schüler der Klasse neun, Mindestalter 15 Jahre. In Neustadt sind die Teilnehmer zwischen 15 und 19 Jahren alt; acht von der Friedensschule, sieben von Kooperationspartner Staufer-Gymnasium. Ein Junge kommt von der Taus-Schule in Backnang und einer sogar aus Göppingen. Dort waren keine Kurse zustande gekommen, die Schüler wurden deshalb der Friedensschule zugeordnet.

Die soll auch künftig Austragungsort bleiben, weil sie beste Trainingsmöglichkeiten bietet: Rasenplatz, Kunstrasen und auch Halle sind direkt vor Ort. Stein: „Wir wollen den Kurs in den nächsten Jahren hier etablieren.“ Die Kooperation soll ausgeweitet werden auf alle weiterführenden Schulen (Realschulen und Gymnasien) in Waiblingen. Die sollen Schüler schicken zu Kursen mit maximal 28 Teilnehmern. Nach einer Woche haben die die Grundstufe zur Trainerlizenz in der Tasche.

Martin Hägele hofft, „dass etwas hängenbleibt und der eine oder andere animiert wird, Trainer zu werden“. Das scheint bei dieser Gruppe gelungen zu sein. Zwei der Jungen arbeiten jetzt schon in ihren Vereinen als Trainer oder Betreuer. Und auf die Frage, ob die anderen sich nun auch in ihren Vereinen engagieren wollen, gehen fast alle Hände in die Höhe.

Der DFB-Junior-Coach

Der DFB-Junior-Coach ist als Einstieg in die lizenzierte Trainertätigkeit gedacht, heißt es auf der Homepage des DFB, und eine neue Säule innerhalb der DFB-Qualifizierungsoffensive. Fußballbegeisterte Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren werden in einer kostenlosen 40-stündigen Schulung an ausgewählten Ausbildungsschulen ausgebildet.

Der Kurs wird anerkannt als erster Baustein für eine offizielle Trainer-C-Lizenz des DFB.