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FSV Waiblingen: Endlich auf dem richtigen Weg?

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© Ralph Steinemann Pressefoto
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Giuseppe Catizone
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Fabian Tress

Der FSV Waiblingen steht in der Fußball-Bezirksliga auf Platz drei. Durchaus überraschend, schließlich war er in der vorangegangenen Saison nach gutem Beginn noch in Abstiegsgefahr geraten. Beim FSV allerdings scheint ein neuer Geist Einzug gehalten zu haben. Abteilungsleiter, Trainer und Spielführer betonen unisono: „Wir müssen auf dem Boden bleiben.“

Die aktuelle Situation: Nach harten Rückschlägen geht es aufwärts

Fest auf dem Boden hatte der FSV in den zurückliegenden Jahren nicht immer gestanden. Die Erfolge in der Jugendabteilung – wenn auch nur in den unteren Altersgruppen – hatten hochfliegende Pläne bei den Aktiven zur Folge. Nach der Fusion 2003 mit Zwangsversetzung in die Kreisliga B hatten es die Waiblinger 2010 bis in die Landesliga geschafft, drei Jahre später jedoch brach das Konstrukt zusammen. Der FSV vergraulte langjährige Spieler, als Trainer Michael Hoskins 2012 seine eigenen Spieler mitbrachte und dennoch abstieg. Die neuen Spieler zogen weiter, die alten, eigenen, waren ebenfalls weg. Der FSV stand fast ohne Spieler da, stieg ein Jahr später aus der Bezirksliga ab und musste die zweite Mannschaft noch während der Saison abmelden.

Die Waiblinger ernteten dafür viel Häme, vor allem weil ihr Auftreten, besonders jenes der Jugendabteilung mit der Kinderfußball-Akademie (KFA), von vielen als arrogant wahrgenommen worden war.

Aktuell sieht es ganz anders aus. Die erste Mannschaft überzeugt mit attraktivem und erfolgreichem Fußball, die zweite Mannschaft ist in die Kreisliga A aufgestiegen, Jugend- und Gesamtabteilung rücken enger zusammen, der FSV profitiert jetzt von der Jugendarbeit. Dennoch verfolgt er keine überehrgeizigen Pläne, sondern einen Zwei- bis Drei-Jahres-Plan, der, wie es Trainer Giuseppe Catizone beschreibt, „den ganzen Verein betrifft“, nicht nur die Aktiven.

An dieser Entwicklung sind viele beteiligt, Trainer und Abteilungsleiter aber haben eine besondere Rolle.

Abteilungsleiter Lothar Obermayer spricht von einer Runderneuerung 

Lothar Obermayer (59) arbeitet seit vielen Jahren für den Verein, schon lange vor der Fusion war er aktiv. Im FSV war er unter anderem bereits Jugendleiter. „Deshalb kenne ich viele Spieler noch aus dieser Zeit. Mindestens 80 Prozent der aktiven Spieler haben die FSV-Schule durchgemacht.“ Viele derer, die den Verein nach 2012 verlassen haben (die meisten Richtung SV Hegnach, einige zum SV Fellbach), sind zurückgekehrt. Mit den Hegnach-Waiblinger-Spielern kam auch Trainer Martin Schaser zur zweiten Mannschaft.

Besonders freut es Obermayer, dass aus der A-Jugend acht Spieler den Sprung in die Aktiventeams geschafft haben. Vier wurden in die erste, vier in die zweite Mannschaft integriert, wurden überwiegend sogar zu Stammspielern. Anders als früher habe auch kaum jemand den FSV verlassen. Das soll am Ende der Saison 2018/19 wieder der Fall sein. Obermayer: „Wir führen jetzt schon die ersten Gespräche.“

Weil er vor zwei Jahren bei der Post vorzeitig in den Ruhestand gehen konnte, hat Obermayer die Zeit genutzt, sich beim Verband zum Vereinsmanager ausbilden zu lassen. Das kommt ihm nun zugute bei der, wie er sagt, Runderneuerung des Vereins. „Wichtig ist, dass die Kommunikation stimmt.“ Das sei zuvor nicht optimal gewesen. Jetzt rücken Jugend und Aktive zusammen, und auch die Senioren bringen sich ein.

Aufstiegsplänen aber erteilt Obermayer eine Absage. Es gelte, so schnell wie möglich viele Punkte zu sammeln, um sich weiter ohne Sorgen um die Integration der Jugendspieler kümmern zu können.

Trainer Giuseppe Catizone: Alle im Verein müssen einbezogen werden

Der Abteilungsleiter liegt damit ganz auf der Linie des neuen Trainers, Giuseppe Catizone (41). „Wir müssen schnell punkten, damit wir dann den nächsten Schritt in Ruhe machen können.“ Einig sind sich die beiden auch darin, alle im Verein einzubinden. „Es bringt nichts, nur auf die erste Mannschaft zu schauen“, sagt Catizone. „Wir wollen langfristig Erfolg haben.“

Er selbst lege viel Wert auf die Jugendarbeit. Immer wieder mal werde ein Jugendspieler mit der ersten Mannschaft trainieren, er wiederum besuche so oft es geht Jugendspiele.

Vier Jugendspieler hat er in die erste Mannschaft eingebaut; Valentin Schulze beispielsweise („Er ist nicht wegzudenken aus der Mannschaft“), der als einziger zusammen mit Spielführer Fabian Tress noch keine Minute versäumt hat. Auch Hadis Beshi und Luca Haag standen in mehr als der Hälfte der Spiele auf dem Platz.

Derzeit laufe alles bestens. „Wir funktionieren gut im Kollektiv“, sagt Catizone. Die Neuzugänge passten sportlich und charakterlich, und insgesamt stimme die Mischung zwischen Jung und Alt. Die Spieler setzen Catizones Vorstellung vom Fußball (viel Ballbesitz, aber mit Tempo nach vorne) bisher gut um. Eine Niederlage gab es lediglich im Auftaktspiel: 0:4 gegen den SV Kaisersbach. Catizone: „Das kam vielleicht zum richtigen Zeitpunkt. Da haben alle gesehen: Eine gute Vorbereitung alleine reicht nicht.“

Bis zu Platz eins fehlen nur zwei Punkte. Lautet das neue Saisonziel nun Aufstieg? „Nein“, sagt Catizone. „Ein Platz zwischen drei und acht wäre gut. Wir müssen alle mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Die Rückschläge werden noch kommen.“

Spielführer Fabian Tress: Der FSV bietet ein gutes Gesamtpaket

Wie schnell das gehen kann, hat Torwart Fabian Tress (28) in der vergangenen Saison erlebt. Der FSV stürzte von Platz fünf ab in den Abstiegskampf. Deshalb sagt auch er: „Wir sind gut beraten, auf dem Boden zu bleiben.“

Tress ist Ur-Waiblinger, wurde beim VfR Waiblingen groß. Als nach 2012 viele Spieler den FSV verließen (oder verlassen mussten), spielte er zwei Jahre für den VfL Winterbach. Seit 2015 ist er zurück und bestätigt: Es hat sich einiges verändert im FSV.

Er wisse durchaus, dass der Verein von vielen nicht gerade positiv wahrgenommen worden sei. Zudem waren viele Spieler von anderen Vereinen gekommen, „die Identifikation mit dem Verein ist verloren gegangen“. Jetzt aber könne man wieder von „Waiblinger Jungs“ sprechen. Der Verein denke mittlerweile bodenständig und habe einen guten Plan. Dazu gehörten nicht nur Abteilungsleiter und Trainer und die Konzentration auf die eigenen Jugendspieler, sondern auch der Betreuerstab, die beiden Physiotherapeuten Torsten Raspe und Volker Bischoff. „Das Gesamtpaket ist gut.“ Zudem werde attraktiver Fußball gezeigt.

Trotz starker Konkurrenzsituation im Kader sei das Wir-Gefühl nicht beeinträchtigt. Tress lobt dabei vor allem Trainer Catizone und „seine Art zu kommunizieren“.

Nächster Gegner: SV Unterweissach

Am Sonntag ist der SV Unterweissach zu Gast. Catizone erwartet „einen taktisch guten Gegner, eine stabile Mannschaft“. Dennoch soll es den vierten Heimsieg geben.

Fakten zum FSV Waiblingen

Der FSV Waiblingen entstand 2003 durch die Fusion von VfR und SKV Waiblingen sowie der Fußballabteilung des VfL Waiblingen.

Er musste in der Kreisliga B beginnen, schaffte es aber wieder nach oben und stieg 2010 unter Matthias Veigele in die Landesliga auf. 2013 ging’s wieder nach unten, der FSV verlor zudem fast alle Spieler aus erster und zweiter Mannschaft.

2014 folgte sogar der Abstieg aus der Bezirksliga, die zweite Mannschaft war vorzeitig abgemeldet worden.

2017 gelang unter Manuel Doll der erneute Sprung in die Bezirksliga.

Seit der Fusion steht der FSV zudem für qualitativ hochwertige Jugendarbeit. Vor allem in den unteren Jahrgängen misst er sich mehr mit Bundesliganachwuchsteams als Gegnern aus dem Kreis. B- und A-Junioren jedoch konnten sich nicht in der Verbandsstaffel etablieren.

Im Augenblick aber spielen die C-Junioren in Ober- und Landesliga.

Für Giuseppe Catizone (41) ist der FSV die erste Trainerstation. Als Spieler brachte er es bis in die Bundesliga (fünf Einsätze für den VfB Stuttgart).