Rems-Murr-Sport

Fußball-Bezirksvorsitzender in Corona-Quarantäne

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Patrick Künzer (Mitte) mit seinem Stellvertreter Markus Seidl (recht) und Bezirksspielleiter Ralph Rolli © Gisbert Niederführ

Patrick Künzer konnte nur warten. Der Vorsitzende des Fußballbezirks Rems-Murr saß zu Hause in Weiler zum Stein in Corona-Quarantäne und musste auf sein Testergebnis warten. Seit Dienstag, 14. April, ist klar: Sein Ergebnis ist negativ.

Dennoch kann er für seine Fußballer derzeit nichts tun. „Ich bin aber positiv eingestellt“, sagt der 56-Jährige. „Auch wenn ich mir der Gefahren bewusst bin.“ Für sich selbst und den Fußball.

Wann wird wohl wieder Fußball gespielt werden? Und wie? Das Virus wird es weiter geben, ein Heilmittel dagegen in absehbarer Zeit nicht und einen Impfstoff in diesem Jahr noch weniger. Bei jedem Sportkontakt besteht also Infektionsgefahr. Womöglich mit drastischen Folgen. Nehmen das die Fußballer (und in anderen Sportarten sieht es nicht anders aus) auf sich? Kann es einfach so weitergehen?

Künzer vertraut den Kollegen beim Verband

„Das muss man alles prüfen“, sagt Patrick Künzer. Er ist davon überzeugt, dass der Württembergische Verband genau das derzeit tut. „Die Leute dort machen das sehr gut.“ Er vertraut seinen Kollegen und ist froh, nicht deren Entscheidungen treffen zu müssen. Obwohl er wusste, dass er als Chef eines Bezirks eine große Verantwortung trägt - und die auch bewusst auf sich genommen hat -, ist er froh über die Rückendeckung aus Stuttgart.

Wann es weitergeht, sei völlig offen. Der Bezirk Rems-Murr aber sei vorbereitet. Jeder Staffelleiter leiste Vorarbeit, er sei in ständigem Kontakt mit seinen Vorstandskollegen. „Auch wir haben hier sehr gute Leute“, sagt Künzer.

Er vermisst den Kontakt zu den Enkeln

Er selbst konnte tagelang nur aus seiner Wohnung heraus agieren. Seine Eltern sind positiv getestet worden. Deshalb saß er zu Hause, wartete auf das Ergebnis seiner Untersuchung, hatte zuweilen Langeweile, genioss aber auch das Gefühl, dass „der Verbund mit der Familie und Freunden funktioniert. Meine Kinder erledigen die Einkäufe und legen mir’s vor die Tür.“

Nun ist das Ergebnis da, er ist nicht infiziert. Dennoch wird ihm weiterhin der Kontakt zu seinen Enkeltöchtern (fünf und zwei Jahre alt) besonders fehlen. Aber das müsse jetzt eben sein. Jeder trage Verantwortung für die Gesundheit der anderen.

Der Wohnung tat der Zwangsurlaub zumindest gut. So sauber sei es schon lange nicht mehr bei ihm gewesen. Viele Fragen von den Vereinen kämen nicht, die Situation sei schließlich klar: Sollte es wieder losgehen, gibt der Verband 14 Tage vorher Bescheid.

Auch sein Job ist nicht sicher

So bleibt Zeit nachzudenken. Viele bringt das Virus in Existenznot. Auch ihn als Kraftfahrer könnten die Einschränkungen noch betreffen. Künzer: „Ich habe keine Existenzangst, auch wenn ich weiß, dass Arbeitsplätze in Gefahr sind, auch meiner.“ Er habe sich angewöhnt: „Ich nehme die Dinge so, wie sie kommen, und versuche, das Beste daraus zu machen.“ Er sei zwar ein sehr emotionaler Mensch. „Ich kann mich aber in Situationen, in denen es drauf ankommt, beherrschen. Das konnte ich früher nicht.“ Im Moment aber bleibt ihm nichts anderes, als zu warten. „Ich war immer ungeduldig“, sagt er. „Mittlerweile aber ist Geduld meine Stärke. Deshalb komme ich damit gut klar“.

Er findet das Vorgehen der Bundesregierung richtig. Die Gesundheit stehe über allem anderen. Trotzdem träumt er vor allem von einem: „Endlich wieder auf dem Fußballplatz stehen.“