Fußball in Rems-Murr

Fußballer von Zrinski Waiblingen kämpfen um Aufstiegschance

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Symbolbild. © Pexels

Beim Verbandstag des Württembergischen Fußballverbands (WFV) am 20. Juni soll endgültig darüber entschieden werden, ob die Saison aufgrund der Corona-Pandemie zum 30. Juni beendet wird – mit Auswirkungen, mit denen viele Vereine nicht einverstanden sind. Kritik gibt’s unter anderem am Vorschlag des Präsidiums, dass es keine Absteiger geben und nur der Meister aufsteigen wird. Nach diesem Vorschlag schauten die Zweitplatzierten in die Röhre, weil sie keine Aufstiegsspiele bestreiten dürften. Unter anderem der KuSV Zrinski Waiblingen, Zweiter der Kreisliga A 1 im Bezirk Rems-Murr, wehrt sich dagegen. „Wir haben eine Initiative gestartet der Zweitplatzierten, die als einzige Verlierer aus dem Vorschlag hervorgehen“, sagt Tomislav Vidackovic von Zrinski Waiblingen. „Wir haben sämtliche Zweitplatzierten im Verband ausfindig gemacht, die vom Vorschlag des WFV betroffen sind und haben viele Rückmeldungen bekommen“, sagt Vidackovic. „Wir lassen uns jetzt überraschen, ob wir Gehör finden.“

Das Schreiben an den Verband

Die Kroaten haben ihre Stellungnahme an den WFV geschickt, nachfolgend einige Auszüge des Schreibens:

  • In der Spielordnung und vor jeder Saison steht in jeder Liga genau fest, wie viele Vereine direkt absteigen und welcher Tabellenplatz die vermeintliche Abstiegsrelegation spielt. Warum werden diese Vereine jetzt bevorzugt vor dem Zweitplatzierten? Im Schreiben [des WFV] wird argumentiert, dass der Abstieg außer dem sportlichen vor allem einen größeren wirtschaftlichen Schaden nach sich zieht. Wir haben für den zweiten Platz etliche Stunden mehr Training, Schweiß und Leidenschaft investiert, die Ehrenamtlichen haben durch ihre Zeit, Arbeit und die Suche nach Sponsoren Geld in die Kassen gebracht, wir haben Prämien vereinbart, neue Spieler verpflichtet und reaktiviert (die nicht umsonst waren) und uns im Winter so vorbereitet (inklusive Trainingslager), dass wir noch den direkten Aufstiegsplatz erreichen. Außerdem fehlen uns auch vermeintliche Einnahmen aus den Relegationsspielen, wenn wir Zweiter geblieben waren. Das Argument des höheren wirtschaftlichen Schadens bei einem Abstieg ist somit nicht haltbar [....]. Wir haben schon neue Sponsoren und Spieler für die höhere Liga akquiriert, dies hat bestimmt kein potenzieller Absteiger gemacht [...]. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass wir noch Erster geworden wären und wenn nicht, hätten wir die Chance über die Relegation gehabt. Und diese soll es jetzt nicht geben?
  • Die potenziellen Absteiger sind zum Teil weit abgeschlagen, haben eigentlich keine Chance sich zu retten und dürfen in der Liga bleiben. Auf welcher Grundlage? Sie haben eine schlechte Saison gespielt und gehören sportlich eine Liga tiefer, wenn die Saison abgebrochen wird mit allen Konsequenzen [....). Diese Vereine sollen jetzt gegenüber einem Zweitplatzierten bevorzugt werden?
  • Wenn die potenziellen Absteiger nach der Quotientenregel – für den Aufsteiger kann sie angewandt werden, für den Abstieg ist es laut WFV nicht fair –, absteigen würden, der potenzielle Abstiegsrelegationsteilnehmer verschont würde, dann könnten die Zweitplatzierten auch direkt aufsteigen und es gäbe für die Saison 2020/21 eine geringere Aufstockung als nach dem aktuellen Vorschlag des WFV.
  • In der Bundesliga wird es bei einem Saisonabbruch, zumindest wird es so diskutiert, auch Absteiger geben.
  • Wenn es noch keine Entscheidung für die Pokalwettbewerbe gibt, warum versucht man nicht, die Relegationsspiele zum Aufstieg auszutragen? Diese können innerhalb von zwei Wochen ausgespielt werden, zur Not auch ohne Zuschauer. Das wäre das Minimalangebot für die Zweiten. Diese Chance müsste laut Spielordnung ermöglicht werden [....]
  • Warum verfährt man in Baden-Württemberg nicht nach dem Vorbild des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands und lässt den Erst- und Zweitplatzierten direkt aufsteigen und niemanden absteigen? Dann gäbe es keine Bevorzugten (Absteiger und Abstiegsrelegationsplatz). Klar gibt es dann vor allem in den Ligen oberhalb der Bezirksligen eine immense Aufstockung, aber auch hier könnte man im Vorfeld ein geeignetes kreatives Spielsystem für die Saison 2020/21 ausarbeiten. Bis zur Bezirksliga sind es entweder zwei (zwei Staffeln darunter) oder vier Mannschaften (drei Staffeln darunter). Wir spielen momentan im Bezirk einen 18-er Schlüssel, obwohl die Ligen 15 bis 16 Mannschaften haben, damit die zweiten Mannschaften leichter das Vorspiel austragen können. Das heißt, bei uns im Bezirk würde es eigentlich nichts ändern und die drei Spiele unter der Woche pro Vorrunde/Rückrunde sind verkraftbar.
  • Wir schlagen eine gerechtere Lösung für alle Vereine vor und verweisen auf die oben genannten Möglichkeiten:

1. Bei einem Saisonabbruch zum 30. Juni 2020 und einer Belohnung der potenziellen Absteiger, obwohl diese vor einer Saison festgelegt werden, muss auch der Zweitplatzierte belohnt werden und direkt aufsteigen.

2. Anwendung der Quotientenregel auch für den Abstieg, da kein größerer wirtschaftlicher Schaden entsteht gegenüber einem Nichtaufstieg eines Zweitplatzierten.

3. Sollte der Zweitplatzierte nicht direkt aufsteigen, muss ein Konzept erarbeitet werden, wie die Aufstiegschance nach Anwendung der Quotientenregel ermöglicht werden kann. Ein Streichen dieser Chance ist nicht spielordnungskonform, ungerecht und nicht akzeptabel.

4. Sollte im Jahr 2020 kein Fußballspielen im Amateurbereich möglich sein, sollte die Option bestehen, auch zu einem späteren Zeitpunkt (beispielsweise 1. September 2020), die Saison 2019/20 im März 2021 zu Ende zu spielen – auch wenn davor der Saisonabbruch zum 30. Juni 2020 beschlossen wurde. In diesem Fall müssen die Wechsel in der Wechselperiode rückgängig gemacht werden und es wird mit dem gleichen Kader wie im März 2020 weitergespielt.