Fußball im Rems-Murr-Kreis

Giuseppe Iorfida: „Mit Herz für Italien“

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Giuseppe iorfida
Mit den Farben Italiens auf der Brust: Giuseppe Iorfida unterstützte die Gehörlosen-Nationalmannschaft in Mailand. © Roberta De Palo
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Iorfida
Dustin Condello vom SV Allmersbach (links) stellte den Kontakt zum italienischen Team her. © Roberta De Palo

Durch Zufall kam er zu diesem Engagement, durch Zufall nach Mailand. Zu seinem Start in der italienischen Nationalmannschaft. Hinter Giuseppe Iorfida liegen unvergessliche Tage. Drei Tage im Trainingslager mit der italienischen Gehörlosen-Nationalmannschaft. Nicht als Fußballer und nicht als Trainer, sondern als Ernährungscoach in Berglen. Der 40-Jährige, der derzeit den Fußball-Landesligisten TV Echterdingen trainiert, ist neben passioniertem Fußballer hauptberuflich Ernährungsberater. Dabei hilft er nicht nur Menschen dabei, gesund abzunehmen, sondern auch Sportlern, sich richtig zu ernähren.

So traf er auf Dustin Condello vom SV Allmersbach. Der junge Fußballer erzählte nebenbei davon, dass er in der italienischen Nationalmannschaft für Gehörlose spielt. Iorfida wurde neugierig. Unter dem neuen Coach gab es derzeit niemanden, der sich um die richtige Ernährung der Spieler kümmert. Condello gab die Nummer weiter. Schon bald klingelte das Telefon.

Individuelle Trainingspläne für jeden Spieler

Und bald darauf gab es die Einladung ins anstehende Trainingslager. Dort verschaffte sich Iorfida zunächst einen Überblick über die Fitness der Spieler. Mithilfe der In-Body-Messung, einer Technologie, mit der auch bei namhaften Vereinen gearbeitet wird, kann Iorfida genau sagen, wo das Fett sitzt und in welchem Verhältnis Fett und Muskeln stehen. „Ich bekomme direkt ein Bild über den körperlichen Zustand des Spielers“, so der 40-Jährige, der bereits den SV Unterweissach und den VfR Birkmannsweiler trainierte.

In Absprache mit dem Athletiktrainer entstanden die individuellen Ernährungspläne. Vom Essen im Hotel war Iorfida angenehm überrascht: „Es gab Salat, auch mal Rote Bete, Reis.“ Vor allem beim Frühstück schaute der Ernährungscoach genauer hin, was da auf den Tellern landete. Bei der „Merenda“, dem Snack, den es in Italien nach der Mittagspause gibt, griff Iorfida ein. Statt Kuchen und süßer Stückchen gab’s Joghurt und Obst.

Als Apfelschorle noch als Sportlergetränk galt

Die Spieler seien offen, interessiert und wissbegierig. „Wir hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander.“ Und welchen Eindruck hatte Iorfida von seinen neuen Schützlingen? „Es gibt überall Schlamper und solche, die sich ganz gut daran halten.“ Bei manchen galt es somit, Aufklärungsarbeit zu leisten, bei anderen ging es um Details.

Heute ist er täglich im Austausch mit den Spielern, hält Kontakt über Whatsapp und Videotelefonie, beantwortet Fragen. Doch warum ist die Ernährung für Sportler eigentlich so wichtig? „In den letzten zehn Jahren hat sich viel getan in Sachen Sportlerernährung“, beginnt Iorfida und erzählt von seinen Zeiten als aktiver Fußballer mit der Normannia Gmünd in der Oberliga. „Trainer Alex Zorniger hat da nicht komisch geschaut. Da galt Apfelschorle noch als Sportlergetränk.“ Heute sei das etwas anders. Der Sport hat sich verändert, wurde schneller, anspruchsvoller. „Der Körper benötigt die richtige Ernährung für eine bessere Leistungsfähigkeit, um sich besser regenerieren zu können und um weniger verletzungsanfällig zu sein. Mit der Ernährung kann man alles zerstören, was man sich mit dem Sport aufbaut.“

Bei der richtigen Ernährung gilt es, für jeden individuell einen guten Weg zu finden, um zur bestmöglichen Leistung zu finden. „Mit Kuchen kannst du vielleicht deinen Gegner aufbauen, aber dich nicht.“

Gleich einen Draht zum Team

Die Verständigung zwischen Iorfida und den gehörlosen Spielern sei gar kein Problem gewesen. „Viele tragen Hörgeräte und es klappt gut, wenn man langsam und deutlich spricht.“ Zur Unterstützung half der Sportliche Leiter mit Gebärdensprache. Für die Spieler sei es erstaunlich gewesen, dass ein Deutscher so gut italienisch spreche. „Ich bin zwar hier geboren, aber ich habe einen italienischen Pass.“ Null Anlaufzeit habe er gebraucht, der Draht sei sofort da gewesen, ins Team sei er schnell aufgenommen worden. Selbst dem Cheftrainer konnte er zur Hand gehen, schließlich besitzt Iorfida eine A-Lizenz. Da gab es immer wieder Aufgaben, bei denen der Schwabe mit seinen Kompetenzen helfen konnte. „Auch die Lautstärke auf dem Platz ist nicht viel anders, als wenn ich da in Echterdingen an der Seitenlinie stehe.

Eine Herzensangelegenheit und Ehre

Alle Beteiligten machen ihre Sache ehrenamtlich. „Mit Herz für Italien“, so der Ernährungscoach. Auch für ihn sei es eine absolute Herzensangelegenheit und Ehre und er erinnert sich an den Moment, als die Nationalhymne erklang und er sich mit den Spielern in den Armen lag.

Denn zum Abschluss der Trainingstage stand das Spiel gegen AC Leon. Ob das Team bereit ist für seine Teilnahme bei den Deaflympics im Mai in Brasilien, den Olympischen Spielen für Gehörlose? „Das kann ich schwer beurteilen, ich kenne die anderen Teams nicht“, gibt Iorfida zu. „Aber wir haben gegen eine sehr gute U 19 aus Leon gespielt und gute Arbeit mit und gegen den Ball geleistet.“ Im klassischen 4-4-2 hielt die italienische Nationalmannschaft ihre Struktur und die Spieler ihre Positionen. Das erste Spiel treten sie in Brasilien gegen den Iran an. „Ich bin guter Dinge, dass wir die Gruppenphase überstehen.“

Danach steht die EM 2023 in der Türkei an, gefolgt von der WM 2024 in Korea. Veranstaltungen, bei denen Iorfida wieder mit von der Partie sein wird. Als Coach, Freund und einer, der mit Stolz Italien unterstützt.

Durch Zufall kam er zu diesem Engagement, durch Zufall nach Mailand. Zu seinem Start in der italienischen Nationalmannschaft. Hinter Giuseppe Iorfida liegen unvergessliche Tage. Drei Tage im Trainingslager mit der italienischen Gehörlosen-Nationalmannschaft. Nicht als Fußballer und nicht als Trainer, sondern als Ernährungscoach in Berglen. Der 40-Jährige, der derzeit den Fußball-Landesligisten TV Echterdingen trainiert, ist neben passioniertem Fußballer hauptberuflich Ernährungsberater.

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