Ringen im Rems-Murr-Kreis

Grandiose Schorndorfer Ringer verpassen Finaleinzug hauchdünn

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Der Schorndorfer Shamil Ustaev (oben) und der Mainzer Alexander Semisorow lieferten sich in der Klasse bis 71 Kilogramm im freien Stil einen klasse Kampf. Ustaevs holte sich den 4:2-Punktsieg und brachte den ASV mit 14:4 in Führung. Am Ende reichte es nicht ganz zum Finaleinzug. © Ralph Steinemann Pressefoto

Es ist unfassbar bitter: Wegen eines lumpigen Mannschaftspunkts haben die Bundesliga-Ringer des ASV Schorndorf das Finale um die deutsche Meisterschaft verpasst. Vor 550 Fans, die das Team in der Sporthalle Grauhalde zu Höchstleistungen peitschten, gewannen die Hausherren den Halbfinal-Rückkampf gegen den ASV Mainz 88 zwar mit 14:12. Doch wegen der 11:14-Niederlage im Hinkampf mussten sie den Gästen beim Feiern zuschauen.

In der Halle herrschte Fassungslosigkeit. Auch die Schorndorfer Legende Hans Partsch, der 1974 mit dem ASV im Kampf ebenfalls gegen Mainz den ersten und bislang einzigen deutschen Meistertitel für den Verein gewonnen hatte, rang nach Worten: „Das ist einfach sehr schade. Die Mannschaft hätte es packen können.“ Enttäuscht war er auch von einigen Mainzer Fans: „Was hier passiert ist, war sehr traurig.“

Eine Schlägerei überschattet den Kampfabend in der Grauhalde

Das ist noch milde ausgedrückt. Der Kampfabend war wegen einer Schlägerei für einige Minuten unterbrochen worden. Laut Augenzeugenberichten hatte ein Mainzer Zuschauer einem Schorndorfer Ordner einen Faustschlag versetzt. Danach kam es zu einer handfesten Rangelei. Ordner, Verantwortliche und Ringer beider Clubs stürmten in die Ecke, um zu schlichten. Zum Glück beruhigten sich die Gemüter, und es konnte weitergehen.

Ansonsten war die Stimmung in der Grauhalde schlichtweg überragend. Trommeln, Schreie, aufspringende Fans, Schweiß – das Schorndorfer Publikum, oft als zu ruhig gescholten, machte die Grauhalde zum Hexenkessel und trieb das Team zu grandiosen Leistungen. Vereinschronist Hans Kern konnte deshalb trotz des Ausscheidens des ASV schnell wieder lächeln: „So was habe ich hier seit 40 Jahren nicht mehr erlebt.“

Trainer Volker Hirt hatte die Schorndorfer Mannschaft taktisch hervorragend aufgestellt. Und die Athleten kämpften, als gäbe es kein Morgen. Die ersten fünf Kämpfe gingen allesamt an den ASV. Georgios Scarpello zwang Jugendringer Fabian Pelzer nach 50 Sekunden auf die Schultern. Schwergewicht Fatih Yasarli nutzte seine körperliche Überlegenheit gegen Wladimir Remel zunächst zu wenig, drehte dann aber auf und sicherte dem ASV mit einem 8:0-Punktsieg drei weitere Zähler.

Klarer Halbzeitstand: 13:0

Ramzan Awtaew, der erstmals eingesetzte Felix Baldauf und, nach 0:3-Rückstand, Razvan Arnaut erhöhten mit weiteren Erfolgen zum 13:0-Halbzeitstand. Es sah gut aus für die Überraschung gegen die als leichter Favorit in den Kampf gegangenen Mainzer. Vereinsstratege Sedat Sevsay, der das Team an der Seite von Hirt coachte, wusste aber, dass Mainz kräftig aufholen würde. Denn nun schickten die Gäste ihre Topathleten in die Kämpfe. Irgendwie müsse Schorndorf noch zwei Siege holen, um ins Finale gegen Serienmeister Wacker Burghausen einzuziehen, rechnete Sevsay vor.

Statt des leicht verletzten Benjamin Sezgin schickten die Gastgeber Panagiotis Kalpakidis ins Duell in der Gewichtsklasse bis 86 kg Freistil. Wie befürchtet musste das Talent eine Schulterniederlage gegen Achmed Dudarov einstecken.

Danach sahen die Fans einen der herausragenden Kämpfe des Abends. Mit dem Schorndorfer Shamil Ustaev und Alexander Semisorow standen sich die besten deutschen Ringer in der Klasse bis 71 kg Freistil gegenüber. Dem clever kämpfenden Ustaev gelang Sekunden vor Ablauf der Zeit die entscheidende Aktion zum 4:2-Punktsieg. Es folgte ein Jubelsturm. Die Schorndorfer Fans hüpften, Hirt schrie wie von Sinnen, Sevsay riss sich die Mütze vom Kopf. 14:4, war das der Punkt zum Gesamterfolg?

Nein. Karan Mosebach wurde zum Pechvogel des Abends. Er kämpfte alles andere als schlecht, schaffte es aber nicht, einen 3:0-Vorsprung ins Ziel zu retten. Sein Gegner Mateusz Wolny glich aus und gewann dank der letzten Wertung.

Beim Stand von 14:5 waren die Mainzer plötzlich wieder im Rennen. Denn nun stapften die Sieggaranten auf die Matte. Und die rangen brillant. Der mehrmalige Türkische Meister Ahmet Yilmaz bezwang Ilie Cojocari mit 8:0 und holte damit drei Mannschaftspunkte. Hätte der Schorndorfer nur 0:7 verloren, wäre das Halbfinale zugunsten seines Teams entschieden gewesen. So aber nahm das Unglück seinen Lauf.

Frenetischer Beifall für den Verlierer

Außenseiter Dawid Wolny hielt den Angriffen von Timur Bizhoev beeindruckend lange stand. Doch der WM-Dritte kam mit seiner ganzen Erfahrung doch noch zum 18:2-Überlegenheitssieg. Als das 14:12-Endergebnis aufleuchtete, rannten die Mainzer auf die Matte und tanzten. Trotzdem spendeten die Schorndorfer Fans ihrem Team frenetischen Beifall.

Nicht nur Sedat Sevsay musste danach ein paar Tränen verdrücken. Aufgrund der insgesamt mehr gewonnenen Einzelkämpfe hätte den Gastgebern schließlich schon ein 14:11 zum Finaleinzug gereicht. Schnell aber überwog der Stolz auf seine Mannschaft – und das Publikum: „Was heute hier los war, war sensationell. Wir hätten das Dreifache an Tickets verkaufen können. In Schorndorf haben wir jetzt eine riesen Euphorie. Wir werden im nächsten Jahr wieder angreifen. Und dann lautet unser Ziel ganz klar Finale.“

ASV Schorndorf – ASV Mainz 14:12. 57 kg GR: Scarpello – Pelzer SchS (4:0). 130 kg FR: Yasarli – Remel 8:0 PS (7:0). 61 kg FR: Awtaew – Shahbazyan 5:0 PS (9:0). 98 kg GR: Baldauf – Sever 4:0 PS (11:0). 66 kg GR: Arnaut – Ersetic 7:3 PS (13:0). 86 kg FR: Kalpakidis – Dudarov SchN (13:4). 71 kg FR: Usaev – Semisorow 4:2 PS (14:4). 80 kg GR: Mosebach – Wolny 3:3 PN (14:5). 75 kg GR: Cojcocari – Yilmaz 0:8 PN (14:8). 75 kg FR: 2:18 TÜN (14:12).

Es ist unfassbar bitter: Wegen eines lumpigen Mannschaftspunkts haben die Bundesliga-Ringer des ASV Schorndorf das Finale um die deutsche Meisterschaft verpasst. Vor 550 Fans, die das Team in der Sporthalle Grauhalde zu Höchstleistungen peitschten, gewannen die Hausherren den Halbfinal-Rückkampf gegen den ASV Mainz 88 zwar mit 14:12. Doch wegen der 11:14-Niederlage im Hinkampf mussten sie den Gästen beim Feiern zuschauen.

In der Halle herrschte Fassungslosigkeit. Auch die Schorndorfer

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