Rems-Murr-Sport

Gute Platzierung trotz des Trainer-Theaters

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Monika Odrowska, hier im Spiel gegen Trier (in der Mitte Gabriella Szabo, daneben die Waiblingerin Louisa De Bellis), war die beste Torschützin der FSG. © Ramona Adolf
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Jürgen Krause. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Kerstin Zimmermann. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Rainer Bay © Ralph Steinemann Pressefoto
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sportredakteur mathias Schwardt
Mathias Schwardt. © schneider

Klassenverbleib gesichert, Achter geworden, mitunter unbeschwert Favoriten aufgemischt: Die Bilanz des Aufsteigers FSG Waiblingen/Korb in der 2. Bundesliga ist sehr positiv. Am meisten diskutiert wurde jedoch die Entlassung des Trainerduos, es gab Kritik auf beiden Seiten. Dieses Theater war ein Grund für Schwächephasen der jungen Handballerinnen.

Klassenverbleib gesichert, Achter geworden, mitunter unbeschwert Favoriten aufgemischt: Die Bilanz des Aufsteigers FSG Waiblingen/Korb in der 2. Bundesliga ist sehr positiv. Am meisten diskutiert wurde jedoch die Entlassung des Trainerduos, es gab Kritik auf beiden Seiten. Dieses Theater war ein Grund für Schwächephasen der jungen Handballerinnen.

Die Neunmalklugen hatten es schon immer gewusst: Ein gleichberechtigtes Duo aus den Alphatieren Jürgen Krause und Kerstin Zimmermann, das konnte nicht gutgehen. Dabei hatten der Vorstand des für die FSG verantwortlichen VfL Waiblingen und die Coaches im Vorfeld der Saison die Konstellation als Ideallösung gepriesen. „Das wird Spaß ohne Ende!“ Dieser Satz von Jürgen Krause, der in der Vorsaison mit dem SC Korb Meister in Liga drei geworden war, hallte lange nach. Doch irgendwann war der Spaß vorbei.

Nach fünf Spieltagen auf Platz eins

Wie gut etwas funktioniert, zeigt sich erst, wenn es Probleme gibt. So war es auch bei der FSG. Begonnen hatte die Saison fantastisch. Das aus den Kadern des Drittliga-Meisters Korb und dem VfL Waiblingen zusammengefügte junge Team, verstärkt durch lediglich zwei zweitligaerfahrene Spielerinnen (Torhüterin Nicole Roth und Spielmacherin Monika Odrowska), wirbelte mit Tempohandball durch die Liga. Es siegte bei den Topfavoriten SV Union Halle Neustadt (26:25) und HL Buchholz-Rosengarten (28:27) und stand nach fünf Spieltagen auf Platz eins. Dass es in der extrem langen Saison nicht ewig so weitergehen würde, sei aber allen Beteiligten klar gewesen, sagt der Sportliche Leiter Nadir Arif. Der Vorteil eines Aufsteigers liege nun einmal darin, dass er für zahlreiche Gegner zunächst einmal eine unbekannte Größe ist. Außerdem war völlig klar, dass es bei der jungen Truppe Schwankungen geben wird.“

Gefährlicher Abrutsch nach Spielerpass-Debakel

Das schlechte Heimspiel gegen den TV Beyeröhde am sechsten Spieltag (20:23) war ein erster Rückschlag. Was nun folgte, belastete das Verhältnis zwischen Trainern und Verein. Weil Neuzugang Kyra Teixeira da Silva in drei Partien mit falschem Spielerpass eingesetzt wurde, wurden der FSG drei Punkte aberkannt. Arif nimmt den Fehler zwar auf seine Kappe, kritisiert aber auch die HBF: „Der Verband hätte uns schon nach dem ersten Spiel Bescheid geben müssen, dass was nicht stimmt.“ Weil es in der Liga eng zuging, rutschte das Team gefährlich ab. Immerhin verschaffte sich die FSG mit dem 31:28 gegen Mitaufsteiger Gröbenzell einen guten Jahresabschluss.

Der Anfang vom Ende des FSG-Trainerduos

Doch im Januar wurde es bitter: 25:33 in Kirchhof, 23:25 in Hannover. Es knirschte gewaltig. Anfang Februar wurde Krauses Abschied zum Saisonende bekanntgeben. Die Beteiligten dementierten das Gerücht, der Trainer müsse wegen der Unzufriedenheit einiger Spielerinnen den Hut nehmen. Stattdessen gehe er von sich aus, Grund seien unterschiedliche Auffassungen in der sportlichen Zielsetzung.

Weiter ging’s mit dem Beschluss der Vereinsverantwortlichen, einen Schnitt zu machen und für die kommende Saison ein neues Trainerteam zu suchen. „Als bekanntwurde, dass wir uns nicht für Kerstin Zimmermann entschieden haben, ist Unruhe reingekommen“, so Arif. Die Trainerin zog die Konsequenzen und kündigte Ende Februar ebenfalls ihren Zweijahresvertrag zum Saisonende – per Mail. Wenig später gab sie, ohne zuvor den Verein zu informieren, im Zeitungsgespräch bekannt, zum Drittligisten TV Möglingen zu wechseln.

Streit belastet auch die Mannschaft

Das Verhältnis war nicht mehr zu kitten. Der Hickhack belastete auch die Mannschaft. Die Auswärtspleiten in Beyeröhde und Gröbenzell Anfang März ließen die Alarmglocken klingeln, das 23:23 sechs Spieltag vor Schluss gegen Nürtingen bedeutete den endgültigen Bruch: Das neue VfL-Führungstrio Rolf Klingler, Peter Müller und Frank Ader, das gerade erst den Vorsitz von Karsten Reichmann übernommen hatte, blies Zimmermann zum Gegenangriff: Die Vereinsführung sei viel zu weit von der Mannschaft weg gewesen. Arif räumte ein, kein Auswärtsspiel besucht zu haben.

Arif: „Der Star war die Mannschaft“

Als goldrichtig erwies sich jedoch die Entscheidung des VfL, dem Drittliga-Trainer Rainer Bay fürs Saisonfinale auch die Verantwortung für den Zweitligisten zu übertragen: Aus den verbleibenden fünf Spielen holte er 7:3 Punkte. Höhepunkt war der 31:29-Heimerfolg über Ketsch. Auch ohne die Rückgabe der Zweitliga-Lizenz durch die HSG Hannover hätte die FSG den Klassenverbleib locker geschafft. Mit dem überzeugenden 30:27 zum Abschluss in Berlin schob sich das Team auf Rang acht.

Angesichts der Trainerdiskussion geriet die Leistung der Mannschaft etwas in den Hintergrund. Deshalb betont Arif: „Was die Mädels in der ersten Saison geleistet haben, ist schon fantastisch.“ War jemand herausragend? Monika Odrowska (beste Torschützin), Sinah Hagen, Lea Gruber, Vanessa Nagler? Nein, sagt Arif: „Der Star war die Mannschaft.“ Wirklich positiv überrascht habe ihn aber Torhüterin Tünde Nagy. Zum Ende der Spielgemeinschaft lobt Arif auch die Zusammenarbeit mit den Korbern. Die Ausweichmöglichkeit Ballspielhalle sei angesichts der Sanierung der Heimspielstätte Rundsporthalle Gold wert gewesen.

Das Drama um die Heimspielstätte Rundsporthalle geht weiter

Eine Hiobsbotschaft ist es deshalb für den VfL, dass der Termin für die Fertigstellung der Halle aufgrund falsch eingebauter Fenster noch einmal auf September verschoben worden ist. Über ein Jahr dauert die Misere nun schon. Der Frust bei Arif ist groß: „Ich kann nicht mehr daran glauben, dass die Halle im September wirklich fertig ist.“ Der Verlust an Zuschauereinnahmen in der abgelaufenen Saison habe im hohen fünfstelligen Bereich gelegen.

Sportlich soll es beim Zweitligisten in der kommenden Saison vorangehen. Nadir Arif steht zur Verpflichtung des erst 30-jährigen dänischen Trainers Nicolaj Bredekjaer Andersson. Er sei sehr ehrgeizig und könne ein junges Team weiterentwickeln.


 

Das Image loswerden

Kommentar von Mathias Schwardt

Die Zweitligatauglichkeit hat die Mannschaft der FSG Waiblingen/Korb, die künftig VfL Waiblingen heißen wird, in ihrer ersten Saison bewiesen. Besonders stark war, wie sich das junge Team nach der Entlassung der Trainer Jürgen Krause und Kerstin Zimmermann am Riemen riss, unter Interimscoach Rainer Bay aus den letzten fünf Saisonspielen 7:3 Punkte holte und noch den achten Tabellenplatz erreichte.

Auch für den verantwortlichen VfL ist die Bilanz der Mannschaft sehr erfreulich. Andererseits ist es dem Verein wieder einmal nicht gelungen, eine Saison ohne Trainerwechsel zu bestreiten. Waiblingen gleich Schleudersitz: Dieses Image gilt es endlich loszuwerden. Erneut wagt der VfL einen Neuanfang, diesmal mit einem jungen, unverbrauchten – aber auch unerfahrenen – Trainer, dem Dänen Nicolaj Bredekjaer Andersson. Es ist den Waiblingern zu wünschen, dass die Rechnung aufgeht und Ruhe einkehrt.


Statistik und Kader

Auch wegen des Drei-Punkte-Abzugs belegte die FSG Waiblingen/Korb Rang zwölf nach Ende der Vorrunde und war damit den Abstiegsplätzen nahe. In der Rückrunde wurde das Team Sechster und kletterte auf den achten Rang in der Abschlusstabelle.

Die Bilanz in der Heim- und Auswärtstabelle, erneut etwas verfälscht durch den Punkteabzug, ist sehr ausgeglichen. Neunter wurde die FSG zu Hause, Achter in der Fremde.

Der VfL Waiblingen geht mit fast unverändertem Kader in die kommende Zweitliga-Saison. Folgende Zugänge stehen fest: Mandy Hoogenboom (22 Jahre/HL Buchholz-Rosengarten/Tor), Tina Welter (25/DJK/MJC Trier/Rechtsaußen). Die Abgänge sind: Lisa Fleischer (Tor/Pause), Tünde Nagy (Tor/Heimat Ungarn), Nicole Roth (Tor/Neckarsulmer SU), Sina Stumpp (Rückraum/Auslandsstudium), Bianca Grigore (Rechtsaußen/Ziel unbekannt).

Erstes Spiel der Saison 2018/19: VfL – HC Rödertal (Absteiger); Samstag, 8. September, 18.15 Uhr.