Rems-Murr-Sport

Interview mit Julian Helber, Spieler beim SV Breuningsweiler II

Julian_Helber_0
Julian Helber hat für fünf Monate die Anden in Peru gegen den Sportplatz in Breuningsweiler getauscht © Gisbert Niederführ

Juli, bei „Jetzt mal ehrlich...“ stellt der Interviewte sich selber kurz vor. Was sollten wir über dich wissen?

Ich bin 27 Jahre alt, spiele seit der C-Jugend für den SV Breuningsweiler und bin daher schon seit circa 14 Jahren im Verein. Ich durfte in dieser Zeit schon verschiedene Vereinsämter begleiten, wie zum Beispiel Jugendtrainer oder Kassier. Zudem nehme ich mich selbst nicht zu ernst und bin für (fast) jeden Spaß zu haben (zwinkert).

Freundschaft, Spaß und Erfolg - das goldene Rezept für jeden Verein

Als „kleines Dorf“ stellt der SV Breuningsweiler drei Mannschaften. Was sind die Gründe, dass sich so viele Spieler aus der Winnender Umgebung dafür entscheiden, auf „dem Berg“ Fußball zu spielen?

Zum einen haben schon viele Jungs in der Jugend zusammengespielt und führen das jetzt erfolgreich fort. Wenn man sich gut versteht, Spaß auf und neben dem Sportplatz hat und nebenbei noch gemeinsam Erfolge feiern kann, dann hat das auch auf andere Spieler Auswirkungen.

Der Verletzungsfluch beim SVB

Der SV Breuningsweiler II galt vor dieser Saison als der große Titelfavorit in der Kreisliga A1, vorneweg marschieren jedoch aktuell ganz andere Mannschaften. Woran liegt es, dass ihr bisher diesen Erwartungen hinterherhinkt?

Für einen Aufstieg, das habe ich schon selbst miterlebt, muss alles passen. Ein Grund ist die Verletzungsproblematik. Ich glaube, wir mussten in der kompletten Vorrunde vor jedem Spiel zwei bis drei Änderungen vornehmen. Sich einzuspielen oder Automatismen einzustudieren, war dabei natürlich sehr schwer. Dazu kam, dass wir oft in den Schlussminuten Gegentore schlucken mussten, was teilweise sehr bitter war.

Ich bin überzeugt davon, dass deutlich mehr in unserer Truppe steckt. Zudem haben wir mit Holger Winkler einen fachlich wie menschlich sehr guten Trainer. Es liegt an uns, das auf den Platz zu bringen, was wir uns vornehmen.

Bei eurer ersten Mannschaft (Landesliga) lief es bisher auch noch nicht wie gewünscht. Wie bei euch sind regelmäßig Spieler ausgefallen. Welche Auswirkung hat das für euch als zweite Mannschaft?

Manche Spieler kommen je nach Personalzustand bei der ersten oder der zweiten Mannschaft zum Einsatz, das ist ganz normal. Wenn diese Spieler bei der ersten im Einsatz sind und uns fehlen, wirkt sich das natürlich auch auf uns aus. Wenn aber die Einstellung der restlichen Mannschaft dem Spiel gegenüber angemessen ist, dann können wir den einen oder anderen Ausfall ohne Probleme kompensieren und mit jeder Mannschaft mithalten. Das darf definitiv keine Ausrede sein.

Missionseinsatz in den Anden Perus

Du selber konntest in dieser Saison erst wenige Spiele bestreiten, da du fünf Monate in Peru gewesen bist. Was hat dich dort hingetrieben?

Ich habe in einem Kinderheim in den Hochanden Perus gearbeitet. Es war ein Missionseinsatz, der sehr lehrreich und spannend war. Meine Motivation bestand darin, Menschen und Kindern zu helfen, die im Leben mit Widerständen und Ängsten konfrontiert werden, die ganz anders im Vergleich zu unseren alltäglichen Problemen sind. Sich an einem Ort mit unterschiedlichen Menschen auseinanderzusetzen, die ganz andere Ziele, Motivationen oder Berufungen in ihrem Leben haben, war sehr beeindruckend und trug nebenbei zu meiner eigenen Weiterentwicklung bei. Das '"Abenteuer Peru" war sehr prägend. Kann ich wärmstens weiterempfehlen!

„Fiesta, Fiesta auf den Straßen“

...Und wie ist der Fußball in Peru?

An jedem Freitag stand Fußball auf dem Plan. Kurz zusammengefasst: Es wird egoistischer gedacht als im europäischen Fußball - besonders vor dem Tor, wo es heißt: „Bloß nicht querlegen, lieber selbst den Abschluss suchen!“

In meine Zeit vor Ort fiel auch die „Copa América“ (Kontinentalmeisterschaft Südamerikas). Peru schaffte es dabei völlig überraschend bis ins Finale. Da war dann natürlich nur noch „Fiesta, Fiesta“ auf den Straßen der Städte angesagt. Allemal ein fußballverrücktes Land!

...und plötzlich Verbandsligaspieler

Im letzten Jahr durftest du zweimal bei der ersten Mannschaft in der Verbandsliga aushelfen. Wie war die radikale Umstellung von Kreisliga A auf Verbandsliga, ohne jegliche Eingewöhnungsmöglichkeit im Vorfeld?

Gleich vorneweg, auf keinen Fall würde ich mich deswegen jetzt als einen ehemaligen Verbandsligaspieler bezeichnen, es waren ja immerhin nur zwei Kurzeinsätze (lacht). Was ich schnell zu spüren bekommen habe, war, dass alles sehr viel schneller ist: Handlungsschnelligkeit, Spielgeschwindigkeit...Zudem ist die individuelle Klasse der einzelnen Spieler weitaus höher, wobei trotzdem sehr viel weniger gedribbelt wird. Die Spieler kommen fast immer mit maximal zwei Kontakten pro Ballaktion aus, das macht das Spiel noch mal schneller. Kurz gesagt, die Umstellung war sehr radikal, vielleicht schon zu radikal.

Traumtor im Derby

Deine bevorzugten Positionen sind in der Abwehr. Folglich schießt du nicht oft Tore, wenn du aber mal triffst, dann besonders schön. Was war dein schönster Treffer?

Diese Frage ist natürlich eine Steilvorlage für mich (lacht). Spontan fällt mir nur mein letztes Tor ein. Am Tag vor meiner Abreise nach Peru konnte ich im Derby gegen den SSV Steinach noch einmal meine unterschätzten Torjägerqualitäten unter Beweis stellen. Kurz vor der Halbzeit war ich plötzlich über der linken Seite frei durch und überlupfte den Steinacher Torspieler. Die Gegner (und auch meine Mitspieler) staunten nicht schlecht (lacht). Sich mit einem solchen Tor nach Peru zu verabschieden, hatte natürlich einen ganz besonderen Charme. Wenn ich mich recht erinnere, ist das Tor doch über deine Seite gefallen, oder?! (zwinkert)

Moderations-Tipps von Markus Lanz

Da der SVB drei Mannschaften im Einsatz hat, fallen seine Weihnachtsfeiern groß aus - ohne Moderation wäre das sicherlich langweilig. Diese Rolle wurde im letzten Jahr dir zuteil. Hast du dir dafür im Vorfeld etwas bei deinen Moderationskollegen, wie beispielsweise Markus Lanz, abgeschaut?

Für Stimmung musste ich nicht sorgen, die ist beim SVB immer schon vorhanden, bevor die Weihnachtsfeier überhaupt losgeht. Wenn die Programmpunkte gut organisiert sind und der Humor aller getroffen wird, trägt das natürlich zu einer ausgelassenen Stimmung bei. Ob mir das gelungen ist? Da musst du bei anderen nachfragen, die dort waren. Speziell etwas abgeschaut von bekannten Talkmastern habe ich mir dafür nicht. Wenn das aber mal der Fall sein sollte, dann sicherlich nicht von Markus Lanz. Die Weihnachtsfeier eines Sportvereines verläuft doch eher unseriöser als dessen Talk-Runden (lacht).

Vom Jugendtrainer zum Wirtschaftspädagogen

Was machst du neben dem Fußball?

Ich studiere Wirtschaftspädagogik an der Universität Hohenheim, mit dem Ziel Lehrer zu werden. In diesem Studiengang wird man dafür vorbereitet an Wirtschaftsgymnasien, Kaufmännischen Schulen und Berufsschulen zu unterrichten. Nebenbei bin ich noch Werkstudent bei der Firma Kärcher, worauf aktuell mein Augenmerk liegt. Danach kommt dann auch schon der Fußball (zwinkert).

Warum willst du Lehrer werden?

Lehrer zu werden, war schon immer mehr als nur ein Gedanke von mir. Junge Menschen aktiv zu begleiten, sie zu motivieren und anzutreiben, hat mir schon als Jugendtrainer sehr viel Freude bereitet — ich hoffe, das bleibt auch als Lehrer dann so.